Im Folgenden finden Sie hier eine alphabetisch geordnete Liste mit sogenannten „kontaminierten Orten“ (Pollack), die im Zusammenhang mit den Endphasenverbrechen rund um den Südostwall im Raum Südburgenland und Südoststeiermark bis nach Graz stehen. Insgesamt wurden bisher 110 Ereignisorte lokalisiert. Bei einigen Orten konnten wir nur dürftige Hinweise finden, bei anderen hingegen kam einiges an Material zum Vorschein, das bisher in der Forschung kaum bis gar nicht berücksichtigt wurde.
Eine geographische Übersicht finden Sie anschließend auf einer eigens dafür angelegten google-karte. Falls Sie diese in einem eigenem Fenster öffnen möchten, klicken Sie bitte hier.

Für hilfreiche Anregungen, Korrekturen, Anmerkungen und Anfragen an initiative@auge-history.eu sind wir sehr dankbar.

Mit freundlicher Unterstützung des:


A

Albersdorf

Kleine Zeitung, 03.04.2017: „72 Jahr nach den Todesmärschen der Juden durch die Oststeiermark erinnern 50 Infotafeln entlang der Route daran. Sie ziehen sich über 25 oststeirische Gemeinden.“

Materialien 016

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B

Bad Gleichenberg

Tina Walzer: „In den nachfolgenden Orten befinden sich laut Quellen weitere Massengräber, wobei noch zu klären ist, ob diese Gräber nicht exhumiert worden sind, wenn ja, wohin, und ob es weitere Unterlagen zur genauen Lage gibt: Bad Gleichenberg, …“

Materialien 8

Website Generationendialog: Für die Befestigungsarbeiten bei St. Anna wurden neben der Dorfbevölkerung auch Ostarbeiter sowie Ostarbeiterinnen und ab Ende Jänner auch rund 400 ungarische Juden und Jüdinnen eingesetzt. Nachdem aufgrund der Frontverschiebungen der Befehl für die Evakuierungen der ZwangsarbeiterInnen kam, wurden zwischen dem 29. Und 31. März die jüdischen ZwangsarbeiterInnen von St. Anna über Bad Gleichenberg nach Gnas, wo ein erster Sammelpunkt für die „Evakuierungstransporte“ war, überführt.

Materialien St. Anna 003

CLIO: Zwischen 29. und 31. März marschierten die jüdischen Zwangsarbeiter von St. Anna über Bad Gleichenberg nach Gnas, wo ein erster Sammelpunkt für die „Evakuierungstransporte“ war.
Hier blieben sie zwei Tage, ehe sie weiter nach Gleisdorf nach Graz marschierten. Vom Lager Liebenau in Graz gingen mehrere Transporte weiter in die Obersteiermark, wobei diese zumeist
über Bruck an der Mur, Leoben und den Präbichl nach Mauthausen getrieben wurden. Ein Transport ging auch über die Weststeiermark, das Gaberl, Judenburg, Hohentauern, Trieben, Liezen und den Phyrnpass nach Mauthausen. Entlang all dieser Routen sollten nach Kriegsende in zahlreichen steirischen Gemeinden Gräber so genannter „Marschunfähiger“ gefunden werden. Darunter waren auch jüdische Zwangsarbeiter aus St. Anna am Aigen.

Material St. Anna 004

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Bad Tatzmannsdorf

Unter den Zeitzeugenberichten, die in Yad Vashem gefunden wurden befinden sich auch 3, die sich auf Bad Tatzmannsdorf beziehen. 2 davon sind in Ungarisch, einer in Hebräisch.

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Bierbaum

Eleonore Lappin: „Bereits am 28. März erfolgte die endgültige Evakuierung ins Landesinnere. Die Insassen der Lager Eberau, Moschendorf, Strem und Reinersdorf wurden in Strem gesammelt und am nächsten Tag auf der Route Strem-Güssing-Sulz-Rehgraben-Neusiedel-Deutsch Kaltenbrunn nach Bierbaum gebracht. Von Bierbaum ging es gemeinsam weiter über Hartberg, Ilz und Gnies nach Gleisdorf.“

Materialien 6

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): Sammelpunkt der Kolonnen aus Eberau, Moschendorf, Strem, Reinersdorf, Inzendorf (?gemeint Inzenhof?) und Heiligenkreuz war Bierbaum, von wo die Häftlinge auf zwei verschiedenen Routen nach Ilz und Gnies getrieben wurden. Erst hier löste der örtliche Volkssturm die Wachmannschaften aus den Lagern am Südostwall ab.

Materialien 10

Auszug aus Interview Franz Schmaldienst (Bocksdorf) in „Amiri Historija“
Es hat ja da auch den Südostwall gegeben und die Grabungen. Es hat die Todesmärsche der Juden gegeben. Wie ist das vor sich gegangen?
Später habe ich das dann jemandem erzählt, und der hat gemeint, dass sie halt die Gefängnisse aufgemacht und die Leute weggebracht haben. Erst später ist man draufgekommen, dass das die ungarischen Zwangsarbeiter waren, die dort unten eingesetzt waren und die von Eltendorf (Bezirk Jennersdorf) und von Kukmirn Richtung Bierbaum (Bad Blumau, Steiermark) gekommen sind. Beim ersten Bahnanschluss haben sie sie dann [ins KZ] Mauthausen bringen wollen, und unterwegs sind viele umgekommen, entkräftet, erschossen worden. Und ich habe das gesehen! [Anm.: In der letzten Kriegsphase wurden Tausende ungarische Juden, die beim Bau des Südostwalls, einer Verteidigungslinie gegen die heranziehende Rote Armee, eingesetzt waren, in Todesmärschen in Richtung Mauthausen getrieben.]

Material 015

Franz Timischl „Morde an ungarischen Juden“ in „Fürstenfeld – Die Stadtgeschichte“, ab Seite 458:
Der einzige konkrete schriftliche Beleg dafür für den Kreis Fürstenfeld ist eine Dienstanweisung vom 22. März 1945, die der Beauftragte für den Stellungsbau im Kreis Fürstenfeld, Kreisleiter Meißl, erteilte. Die Bezeichnung für die Aktion lautete in nationalsozialistischer Umschreibung Rückführung der Juden aus dem Stellungsbau im Falle eines Alarmes (d.h. Vorstoß sowjetischer Truppen an die Reichsschutzstellung). Die Dienstanweisung war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern nur für einen kleinen Kreis von Personen aus der NSDAP – Kreisleiter, Kreisorganisationsleiter, Kreisstabsführer, die Ortsgruppenleiter von Eberau, Strem, Heiligenbrunn und Heiligenkreuz und die Unterabschnittsführer. In den Unterabschnitten Eberau bis Strem war vorgesehen, die Juden einen Tag vor dem Abmarsch im Judenlager Strem zu sammeln und sie tags darauf 33 km von Strem über Güssing, Sulz, Rehgraben, Neusiedl, Deutsch Kaltenbrunn bis Bierbaum marschieren zu lassen. Die jeweiligen Lagerwachen (Strem, Poppendorf, Bierbaum) stellte der Volkssturm, weitere Befehle erteilte Herbert Denk, Mitglied der Ortsgruppe der NSDAP Fürstenfeld. Die Auflösung der Lager um Strem erfolgte um den 29. März. Ein überlebender Zwangsarbeiter schätzte die von Strem weggebrachten Juden, die in Richtung Graz in Marsch gesetzt wurden, auf 5000.

Markus Krenn, „ Der Todesmarsch ungarisch – jüdischer Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen durch das oberösterreichische Ennstal ins KZ Mauthausen im Frühjahr 1945 – ein mikrohistorischer Versuch.“, Diplomarbeit, Uni Wien, 2013
Die Kolonnen der jüdischen SchanzarbeiterInnen aus den zahlreichen grenznahen Lagern im Gau Steiermark konzentrierten sich schließlich in einigen wenigen Ortschaften, wie Bierbaum, Hartberg, Großpesendorf oder Gleisdorf, wonach an diesen Sammelpunkten die Transporte neu eingeteilt
und auf jeweils mehreren Routen in Richtung Graz weitergeschleust wurden. Die Märsche auf den Rückzugsrouten ausgehend von der österreichisch – ungarischen Grenze und die Vereinigung von mehreren Häftlingsgruppen an
genannten Sammelorten, die schließlich Graz ansteuerten, spiegeln bereits ein Bild wider, welches sich im Laufe der folgenden Tage und Wochen auf dem Todesmarsch durch die Gaue Steiermark und Oberdonau nach Mauthausen
abspielen wird.

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Blumau

Tina Walzer: „In den nachfolgenden Orten befinden sich laut Quellen weitere Massengräber, wobei noch zu klären ist, ob diese Gräber nicht exhumiert worden sind, wenn ja, wohin, und ob es weitere Unterlagen zur genauen Lage gibt: Blumau, …“

Materialien 8

Auszug aus Interview Franz Schmaldienst (Bocksdorf) in „Amiri Historija“
Es hat ja da auch den Südostwall gegeben und die Grabungen. Es hat die Todesmärsche der Juden gegeben. Wie ist das vor sich gegangen?
Später habe ich das dann jemandem erzählt, und der hat gemeint, dass sie halt die Gefängnisse aufgemacht und die Leute weggebracht haben. Erst später ist man draufgekommen, dass das die ungarischen Zwangsarbeiter waren, die dort unten eingesetzt waren und die von Eltendorf (Bezirk Jennersdorf) und von Kukmirn Richtung Bierbaum (Bad Blumau, Steiermark) gekommen sind. Beim ersten Bahnanschluss haben sie sie dann [ins KZ] Mauthausen bringen wollen, und unterwegs sind viele umgekommen, entkräftet, erschossen worden. Und ich habe das gesehen! [Anm.: In der letzten Kriegsphase wurden Tausende ungarische Juden, die beim Bau des Südostwalls, einer Verteidigungslinie gegen die heranziehende Rote Armee, eingesetzt waren, in Todesmärschen in Richtung Mauthausen getrieben.]

Material 015

Detailreicher ist eine Schilderung, die aus Burgau vorliegt. Franz Spörk (1923 – 2013) berichte in einem Bündel an Aufzeichnungen über seine Erinnerungen an das Kriegsende 1945 in Bad Blumau:
„Der Taufensamstag und er Karsonntag waren am schlimmsten, es gab auch keine Feuerwehr mehr. Ich fuhr mit dem Fahrrad nach Blumau, doch ab der Kreuzung Ilz – Graz war die Straße verstopft. […] Auch 5 Hundertschaften Juden wurden am selben Tag vom Stellungsbau in Strem durch Blumau getrieben. Es war Frühjahr und das Korn fing gerade an zu sprießen. Einige Juden („Skelette“) gingen abseits ins Feld, ließen die Hose hinunter und taten so, als ob sie ihre Notdurft verrichten würden. Dabei schauten sie immer wieder auf die Aufseher (SS-ler, Treiber) und zupften das frische Grün ab und aßen es gierig hinunter. Doch bald kamen die Treiber und jagten sie mit dem Gewehrkolben in die Reihe zurück. Doch alle kamen nicht durch. So wurden mitten im Leithenwald zwei Juden erschossen und von den anderen an Ort und Stelle begraben. […] Und so ging es ein zweites Mal nach Blumau. Diesmal war gerade eine Hundertschaft Juden bei den Häusern Reichard, Posch und Melchart unterwegs. Als wir bei Melchart einbogen, waren gerade vier Juden dabei Kukuruz (Mais) von den Stangen zu reißen. Sie stopften sich die trockenen Kerne mit Gier und vor lauter Hunger in den Mund. Doch schon gleich kamen wieder Treiber und schlugen aus sie mit ihren Gewehrkolben ein. Ein Jude brach mit lautem Schrei und offenem Mund zusammen. Seine Kollegen schleppten ihn mit. Ich weiß nicht, was aus ihm geworden ist.“

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Bocksdorf

Auszug aus Interview Franz Schmaldienst (Bocksdorf) in „Amiri Historija“
Es hat ja da auch den Südostwall gegeben und die Grabungen. Es hat die Todesmärsche der Juden gegeben. Wie ist das vor sich gegangen?
Als die Front hier hergekommen ist, sind die Jugendlichen mit 15, nach der Schule, in Heiligenkreuz und Strem (Güssing) zum Schanzen eingesetzt worden. Da waren auch HJ-Führer dabei. Ein Schulfreund von mir hat mir erzählt, dass dann eines Tages ungarische Juden gekommen sind. Sie haben einen eigenen Platz gehabt, wo sie unter sich haben schanzen müssen. Und dort war ein Meierhof, ein Stadel. Dort waren zwei-, dreihundert drinnen und dann ist Typhus ausgebrochen. Doch dort ist keiner hineingegangen, um sie ärztlich zu versorgen.

Bevor die Russen gekommen sind, da bin ich mit einem Kuhwagen, wir haben ein Gespann mit Kühen gehabt, [aufs Feld] hinausgefahren. Und dann sehe ich so eine Kolonne kommen, also wirklich furchtbar! Da waren diese Menschen, so circa dreißig Menschen, bewacht, und es war ein warmer Märztag, und gleich vis-à-vis ist ein Brunnen gewesen. Man hat pumpen müssen, dann ist vorne das Wasser rausgekommen. Die [Häftlinge] haben das gesehen und sind zum Brunnen gestürzt. Und die [Nazis] haben sie noch zurückhalten wollen. Da sieht man, wie roh ein Mensch sein kann! Sie haben ihnen das Wasser nicht gegönnt. Mit den Gewehrkolben sind sie [auf sie] los, aber sie haben sich nicht abschütteln lassen. Sie haben den Kopf unter das Wasser gehalten. Ich war ja sprachlos. Wenn man [das] auf einmal sieht – wie ein Geisterzug! Später habe ich das dann jemandem erzählt, und der hat gemeint, dass sie halt die Gefängnisse aufgemacht und die Leute weggebracht haben. Erst später ist man draufgekommen, dass das die ungarischen Zwangsarbeiter waren, die dort unten eingesetzt waren und die von Eltendorf (Bezirk Jennersdorf) und von Kukmirn Richtung Bierbaum (Bad Blumau, Steiermark) gekommen sind. Beim ersten Bahnanschluss haben sie sie dann [ins KZ] Mauthausen bringen wollen, und unterwegs sind viele umgekommen, entkräftet, erschossen worden. Und ich habe das gesehen! [Anm.: In der letzten Kriegsphase wurden Tausende ungarische Juden, die beim Bau des Südostwalls, einer Verteidigungslinie gegen die heranziehende Rote Armee, eingesetzt waren, in Todesmärschen in Richtung Mauthausen getrieben.]

Material 015

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Bonisdorf

Tina Walzer: „In den nachfolgenden Orten befinden sich laut Quellen weitere Massengräber, wobei noch zu klären ist, ob diese Gräber nicht exhumiert worden sind, wenn ja, wohin, und ob es weitere Unterlagen zur genauen Lage gibt: Bonisdorf, …“

Materialien 8

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Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): In Paldau wurde nach dem Krieg ein Massengrab mit 17 Toten entdeckt, was darauf hindeutet, dass hier ein Sammelpunkt für Kolonnen aus den Lagern Kalch, Bonisdorf, Krottendorf, Neuhaus, Minihof-Liebau, Windisch-Minihof uns St. Martin an der Raab war.

Materialien 10

Liste der südburgenländischen Lager: Bonisdorf, Schule

Materialien 014

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Brodersdorf

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): Entlang den Routen von Gleisdorf nach Graz wurden nach dem Krieg zahlreiche Gräber von Ermordeten entdeckt: so in Gleisdorf, Brodersdorf, Pircha, Eggersdorf, Kainbach und Mariatrost.

Materialien 10

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Burg

Eleonore Lappin: „Die Evakuierung der vier Lager im Raum Köszeg erfolgte am 23. März 1945. Die Arbeiter dieser sowie südlicher gelegener Lager wie Bucsu wurden per Bahn nach Rechnitz bzw. Burg gebracht. Von dort marschierten sie nach Markt Neuhodis, Markt Allhau und Hartberg, wo sie auf den Transport aus Deutsch-Schützen stießen.“

Materialien 6

„Am 24.03.1945 übernahmen 13 Hitlerjungen unter Leitung ihres Führers in Burg 1000 bis 1200 jüdische Arbeiter aus Köszeg. Diese 16- und 17-jährigen Burschen geleiteten den Transport über Eisenberg, Höll, Gaas, Maria Weinberg nach Strem.

Materialien 6

Szalbalcs Szita (Mobiles Erinnern): „Im Zuge der Evakuierung des Arbeitslagers in Köszeg wurden am 23. Und 24. März 1945 nahezu 1000 ungarische Juden mit der Eisenbahn zum Unterabschnitt Burg gefahren. Dort stellte sich heraus, dass 200 bis 250 von diesen Leuten Einsatzunfähig waren, sie wurden auf Befehl der NSDAP-Kreisleitung Oberwart unverzüglich nach Rechnitz weiterkommandiert.“ (=> Massaker von Rechnitz)

Materialien 10

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): Die Häftlinge aus Köszeg und Buscu wurden zunächst zu Fuß oder per Bahn in den Raum Rechnitz verbracht. Trotz der oben beschriebenen massenhaften Ermordung von Kranken in Köszeg kamen am 24. März mit einer Gruppe von insgesamt tausend Personen auch 200 nicht mehr arbeitsfähige per Bahn in Burg an. Während die Gesunden zu Schanzarbeiten eingeteilt wurden, veranlasste Kreisleiter Eduard Nicka den Rücktransport der Kranken ach Rechnitz, wo sie in der Nacht von 16-17 Teilnehmern eines Gefolgschaftsfestes der örtlichen Nazi-Prominenz erschossen wurden.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Noch einmal zurück zu den Evakuierungstransporten aus Köszeg: Am 24. März übernahmen 13 Hitlerjungen unter der Leitung ihres Führers Anton Strasser in Burg 1000-1200 jüdische Zwangsarbeiter aus Köszeg um sie nach Strem diese 15- bis 17jährigen Burschen waren zum Teil erstmals bewaffnet und hatten den Befehl erhalten, Nichtmarschfähige zu erschießen. Einer der ehemaligen Hitlerjungen, der den Auftrag hatte, Juden von Burg nach Moschendorf zu bringen, schilderte 1992 diesen Einsatz:
„Wir erhielten eines Tages im März den Auftrag, am nächsten Tag in der Früh in Unifor bei der Post zu erscheinen, auch Strasse [der HJ-Führer] war mit. Wir fuhren auf einem Traktor zum Zollhaus in Strem, wir wußten nicht, wa wirklich geschehen sollte. Wir fassten Karabiner aus. Wie kamen zum Bahnhof in Rechnitz [muss aber Burg sein]. Dort wurde uns gesagt, dass mit einem Zug 1300 Juden ankommen, die wir nach Strem, Moschendorf usw. transportieren (Fußmarsch) sollten. Es war dort ein Platz, es wurden die Juden aufgeteilt in solche, die marschieren konnten, und solche, die nicht marschieren konnten. Da. 300 meldeten sich als nicht gehfähig, sie glaubten mit Lastwagen transportiert zu werden. Etliche wurden gleich niedergeschlagen. Wir erhielten 100 Juden zu zweit. Das muss man sich vorstellen, 3-4 hätte man erschießen können, aber mit dem Karabiner ist man erledigt, wenn 100 rundherum sind. Es waren nur Männer, 25 bis 40 Jahre alt, einige alte Männer. Sie konnten kaum marschieren, obwohl sie es wollten. Mein Kollege aus Feldbach marschierte vorne, ich hinten. Es wurde uns gesagt, wenn einer nicht kann, sollen wir ihn erschießen, in den Straßengraben werfen, es würde ein LKW folgen, der diese aufsammeln würde.“

Materialien 11

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Ein Teil der Zwangsarbeiter aus Köszeg und Bucsu wurde bereits einige Tage früher nach Rechnitz bzw. Burg gebracht, angeblich um im Burgenland weiter zur Arbeit eingesetzt zu werden. Obwohl hunderte kranke Zwangsarbeiter in Köszeg noch vor dem Abmarsch ermordet worden waren, kamen in Burg am 24. März noch etwa 220 Arbeitsunfähige an. Diese Kranken wurden in der Nacht zum 24. März in der Nähe von Rechnitz erschossen.

Materialien 11

Zeitzeugenprotokoll Yad Vashem (Record Group 0.15 E, Dokument 1986) József Kardos
Am 4. Februar wurden wir zu Fuß nah Szombthely gebracht, hier haben die Pfeilkreuzler jeden durchsucht, uns alles weggenommen und viele erschlagen. Von hier aus wurden wir in einen Ort names Burg gebracht, der Organisation Todt übergeben, danach bekamen wir kroatische SS-Wache und wurden zu Fuß nach Haunersdorf gebracht.

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Burgau

Im digitalen Archiv von Yad Vashem wurde eine Zusammenfassung von Ereignissen aus den Jahren 1933 bis 1945 gefunden, die steirische Gendarmerieposten verfasst haben. („Übergangsbericht“, undatiert)
(…) Obzwar bei manchen Personen noch immer die Ansicht für eine Gewinnung des Krieges vorhanden war, traf dies unter der bäuerlichen Bevölkerung nicht mehr zu. (…) Zu dieser Zeit kamen auch schon Desertation und eigenmächtige Entfernung seitens der Wehrmachtsangehörigen und des Volkssturms vor, was als sicheres Zeichen des nahenden Zusammenbruches zu werten war. Jüdische Arbeiter, welche an der Grenze zu Ungarn zu Schanzarbeiten eingesetzt waren, wurden massenhaft in das Innere des Landes gebracht, wo sie teils aus Erschöpfung und teils durch Erschießung ums Leben gebracht wurden.

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C

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D

Deutsch Ehrensdorf

Legath FAMILY
Legath Gisela
Haas Frieda, DAUGHTER
Legath Martin, SON

Rescue Story
Legath, Gisela
Legath, Martin
Legath, Frieda

Gyorgy Krausz lived in Szombathely, Hungary. In 1943, he was drafted into a military labor-service battalion, one of the groups established to take advantage of Hungary’s Jews as a source of unpaid labor. The group was assigned to various jobs in Hungary. In February 1945 the group was transported to Austria, as part of a Hungarian government-sponsored “donation” of Jewish workers to the German Reich. Krausz’s unit was sent to the village of Eberau in the southern part of Burgenland in southeast Austria. Some of the Jews, including Krausz, were sent to work in a local flourmill. As the Red Army advanced, the Jews were sent on foot to the Mauthausen concentration camp in one of the Nazis’ infamous death marches. Krausz and his friend Cundra managed to escape, hiding in the nearby forest. After about a week and a half, suffering from hunger and exhaustion, they decided to turn to local residents and to ask for food and shelter, despite the risk that they would be handed over to the Nazis. Arriving in the village of Deutsch-Ehrensdorf in the province of Burgenland, Krausz and Cundra came to the home of the Legath family. Although the fugitives presented themselves as refugees from Hungary, Gisela Legath, the mother of the family, identified them immediately as escaped Jews. Together with her children, Martin Legath, 14, and Frieda Legath (later Haas), 13, Legath took pity on the men, and hid them in the family’s grain silo. For two months, until the end of the war, Martin and Frieda alternated in bringing the Jews water and food twice a day, while the mother provided them with clothing belonging to her husband, who had been drafted into the army. A few days later, a battalion of SS (probably Waffen SS) soldiers arrived in the area, and established a kitchen on the Legath’s property, right next to the grain silo where the Jews were hiding. A Wehrmacht soldier who was attached to the SS group discovered the Jews, but Gisela Legath argued that, rather than turning them in, the Jews should be put to work. The soldier was convinced, and commanded Krausz to work in the kitchen, while Cundra, a tailor by profession, fixed the SS soldiers’ clothing. After two weeks, the force left the village, leaving Krausz and Cundra behind. The Legath family endangered themselves by hiding fugitive Jews: a crime that could have led to deportation to a concentration camp, and eventually to death. They did not receive any compensation for their activities, and shared their food and clothing with the Jews during a period of great scarcity. Gyorgy Krausz moved to Israel after the war, and changed his name to Giora Karny.
On January 12, 1994, Yad Vashem recognized Gisela Legath, her son Martin Legath and her daughter Frieda Legath as Righteous Among the Nations.

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Deutsch Haseldorf

Chronik des Gendarmeriepostens St. Anna a. A. – Übergangsbericht:
„(…) Vom Spätherbst 1944 bis Frühjahr 1945 wurde hier ein großangelegter Stellungsbau, organisiert von den nationalsozialistischen Stellen, durchgeführt. Es wurden an der ehemaligen jugoslawischen österreichischen Grenze Schützengräben, Unterstände und ein Panzerabwehrgraben gebaut. Viele Leute aus den verschiedenen Orten Österreichs, darunter auch etwa 300 Juden, waren an diesen Arbeiten beschäftigt.
Unter den in St. Anna untergebracht gewesen Juden brach Typhus aus. Von diesen Juden wurden 41 Männer, die typhuskrank gewesen sein sollen, am 13.2.1945 auf einem Lastauto verladen, in einen Wald nach D. Haseldorf, Bezirk Radkersburg, gebracht, dort erschossen und in einem Massengrab mitten im Walde beerdigt.

Materialien 5

CLIO: Als Anfang Februar 1945 der Feldbacher Kreis- und Abschnittsleiter Anton Rutte nach St. Anna kam, ordnete er an, dass die Schwerkranken zu erschießen sind. Am 12. oder 13. Februar erschossen Angehörige des 2. SS-Baubataillons Kama 41 Kranke im Schadlerwald bei Deutsch Haseldorf. Am Tag danach wurden fünf weitere erschossen, wobei diese als Vergeltung für die Flucht von fünf Arbeitsdienstlern aus dem unbewachten Zeltlager hingerichtet wurden.

Materialien St. Anna 004

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Deutsch Kaltenbrunn

Eleonore Lappin: „Bereits am 28. März erfolgte die endgültige Evakuierung ins Landesinnere. Die Insassen der Lager Eberau, Moschendorf, Strem und Reinersdorf wurden in Strem gesammelt und am nächsten Tag auf der Route Strem-Güssing-Sulz-Rehgraben-Neusiedel-Deutsch Kaltenbrunn nach Bierbaum gebracht.“

Materialien 6

Franz Timischl „Morde an ungarischen Juden“ in „Fürstenfeld – Die Stadtgeschichte“, ab Seite 458:
Der einzige konkrete schriftliche Beleg dafür für den Kreis Fürstenfeld ist eine Dienstanweisung vom 22. März 1945, die der Beauftragte für den Stellungsbau im Kreis Fürstenfeld, Kreisleiter Meißl, erteilte. Die Bezeichnung für die Aktion lautete in nationalsozialistischer Umschreibung Rückführung der Juden aus dem Stellungsbau im Falle eines Alarmes (d.h. Vorstoß sowjetischer Truppen an die Reichsschutzstellung). Die Dienstanweisung war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern nur für einen kleinen Kreis von Personen aus der NSDAP – Kreisleiter, Kreisorganisationsleiter, Kreisstabsführer, die Ortsgruppenleiter von Eberau, Strem, Heiligenbrunn und Heiligenkreuz und die Unterabschnittsführer. In den Unterabschnitten Eberau bis Strem war vorgesehen, die Juden einen Tag vor dem Abmarsch im Judenlager Strem zu sammeln und sie tags darauf 33 km von Strem über Güssing, Sulz, Rehgraben, Neusiedl, Deutsch Kaltenbrunn bis Bierbaum marschieren zu lassen. Die jeweiligen Lagerwachen (Strem, Poppendorf, Bierbaum) stellte der Volkssturm, weitere Befehle erteilte Herbert Denk, Mitglied der Ortsgruppe der NSDAP Fürstenfeld. Die Auflösung der Lager um Strem erfolgte um den 29. März. Ein überlebender Zwangsarbeiter schätzte die von Strem weggebrachten Juden, die in Richtung Graz in Marsch gesetzt wurden, auf 5000.

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Deutsch Minihof

Tina Walzer: „In den nachfolgenden Orten befinden sich laut Quellen weitere Massengräber, wobei noch zu klären ist, ob diese Gräber nicht exhumiert worden sind, wenn ja, wohin, und ob es weitere Unterlagen zur genauen Lage gibt: Deutsch Minihof, …“

Materialien 8

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): Auch im nahe gelegenen Lager Deutsch Minihof wurden die Kranken — Männer und Frauen — an mehreren Tagen zur Lafnitz gebracht, wo sie sich ihr eigenes Grab schaufeln mussten. Sodann wurden sie laut Aussagen von Augenzeugen von einem muselmanischen SS-Kommando erschossen. Die genaue Zahl der Opfer ist ebenso wenig bekannt wie die Täter.

Materialien 013

Liste der südburgenländischen Lager:

Deutsch Minihof, Ziegelfabrik; Bevölkerung half mit Lebensmitteln, aufgrund schlechter Kleidung gab es viele Kranke, kroatische Waffen-SS-Angehörige erschossen insgesamt ca. 40 Personen (die meisten von ihnen wurden in einer Schleife der Lafnitz begraben)

Material 014

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Deutsch Schützen

Eleonore Lappin: „Die Evakuierung der vier Lager im Raum Köszeg erfolgte am 23. März 1945. Die Arbeiter dieser sowie südlicher gelegener Lager wie Bucsu wurden per Bahn nach Rechnitz bzw. Burg gebracht. Von dort marschierten sie nach Markt Neuhodis, Markt Allhau und Hartberg, wo sie auf den Transport aus Deutsch-Schützen stießen.“

Materialien 6

Szalbalcs Szita (Mobiles Erinnern): „In Deutsch Schützen im Pinkatal zum Beispiel wurden die im Februar 1945 eingetroffenen ungarischen Juden in dem Gasthaus des Dorfes einquartiert. Über Verpflegung und sanitäre Anlagen gibt es keine Klagen, die Häftlinge wurden sogar desinfiziert. Nach den Aussagen des ehemaligen Deportierten Laszlo Wirth erhielten einige Ungarn vom Müller Tunner Hilfe, der ihnen längere Zeit hindurch regelmäßig Brot und Zigaretten zusteckte. Der hilfsbereite Österreicher bemühte sich außerdem, den Häftlingen Chancen zur Flucht zu verschaffen.
An diesem Bauabschnitt waren im März mehrere tausend Ungarn im Einsatz. Zusammen mit den aus Fert_rakos und Szombathely herbefohlenen Zwangsarbeitern lag ihre Zahl bei 4000 bis 5000. Am Tag der Evakuierung setzten die Deutschen die überwiegende Mehrheit der Häftlinge nach der Brotausgabe in Marsch, wie es hieß „zu einem neuen Einsatzort“. Die etwa 210 zurückgelassenen marschunfähigen ungarischen Juden wurden von neun Hitlerjungen – meist Mittelschüler – aus Mariasdorf bewacht. Das Drama der Deutsch-Schützener Häftlinge ging rasch zu Ende. Am 29. März befahl HJ-Bannführer Alfred Weber 60 Deportierte mit Spaten und Spitzhacken gerüstet in den Wald. Die Unglücklichen ahnten nicht, dass sie sich auf ihren letzten Weg begaben. Die jungen HJ-Pimpfe an der Spitze mit Weber und einem gewissen Aldrian ließen die Häftlinge in zwei Gruppen am Rand der Laufgräben aufstellen. Die herbeigerufenen SS-Männer durchsuchten zuerst die Sachen der um ihr Leben flehenden Todgeweihten, dann feuerten sie unter aktiver Mitwirkung der militärisch ausgebildeten Jugendlichen mit Maschinenpistolen auf die Jammergestalten los und erschossen sie kaltblütig.
Die anderen noch in Deutsch-Schützen festgehaltenen ungarischen Häftlinge hatten ihre Rettung vor ähnlichen Massenhinrichtungen nur dem raschen Vormarsch der Roten Armee zu verdanken. Doch nicht alle 150 nach Hartberg in der Steiermark in Marsch gesetzten Juden konnten den Tag ihrer Befreiung erleben, da ihre gehässigen Begleiter jeden, der während des anstrengenden Gewaltmarsches zurückfiel oder am Straßenrand zusammensackte, auf der Stelle erschossen.“

Materialien 10

Eleonore Lappin (Mobiles Erinnern): Bei den Rückzugsmärschen gab es an mehreren Orten Sammelpunkte, wo die Transporte aus verschiedenen Lagern zusammengelegt oder neu eingeteilt wurden. So trafen die wegen der vorher erfolgten Evakuierungen aus Westungarn sehr zahlreichen ArbeiterInnen, die am 27. oder 28. März aus Rechnitz evakuiert wurden in Hartberg auf die Gruppe aus Deutsch Schützen. Dort übernahm der Volkssturm die Bewachung der Juden und trieb sie nach Sebersdorf. Ein weiterer Transport aus Köszeg marschierte von Hartberg über Großpesendorf nach Gleisdorf.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Die jüdischen Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, die von Köszeg nach Rechnitz gebracht und dort in zwei Lagern untergebracht worden waren, wurden, wie Judith Hruza berichtete, relativ gut behandelt, bis sie wenige Tage später ihren Marsch durch die Steiermark und Oberösterreich antreten mussten. Ihre Route führte zunächst von Rechnitz nach Markt Neuhodis, Markt Allhau und Hartberg. In Hartberg stießen sie auf den Transport aus Deutsch-Schützen.

Materialien 11

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): Im nahe gelegenen Deutsch-Schützen war ebenfalls muselmanische SS zur Bewachung der jüdischen Arbeiter eingesetzt. Die SS-Männer, die am 28. März 1945 vor deren Abmarsch sechzig jüdische Arbeiter erschossen, bevor das Massaker „auf höheren Befehl“ abgebrochen wurde, waren Angehörige der Waffen-SS-Division „Wiking“.

Materialien 013

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): Angehörige der SS-Division „Wiking“ waren in diesem Gebiet allerdings nicht nur innerhalb von kämpfenden Einheiten aktiv. Am 28. März 1945 erschienen drei Angehörige der SS-Division „Wiking“ in Deutsch-Schützen,88 wo sich etwa 500 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter befanden. Ebenfalls im Arbeitseinsatz stand eine Gruppe Hitlerjungen, deren Bannführer, A. W., gleichzeitig Unterabschnittsleiter beim Bau der Reichsschutzstellung war. Bereits seit mehreren Tagen waren unter der Bevölkerung von Deutsch-Schützen Gerüchte kursiert, dass die jüdischen Arbeiter vor dem Nahen der Front ermordet werden sollten. In der Nacht vom 28. zum 29. März teilte W. die HJ-Führer zur Bewachung der Juden ein. Sie sollten in der Früh von den SA-Männern abgelöst werden, die bisher die Wachmannschaften bei den Juden gestellt hatten. Am Morgen des 29. März waren die SA-Männer jedoch geflohen. W. erteilte daraufhin den verbliebenen HJ-Führern — knapp 17jährige Burschen — den Befehl, die Juden gruppenweise zur Alten Kirche zu führen und sie dort den SS-Männern zur Liquidierung zu übergeben. Einer der Hitlerjungen erhielt den Befehl, 15 Liter Wein für die SS-Männer zum Tatort in einem nahe gelegenen Wald zu bringen, damit sich diese Mut antrinken konnten. Die Hitlerjungen erhielten von W. den strikten Befehl, sich nicht an der Erschießung zu beteiligen. Der Hitlerjunge, der den SS-Männern den Wein gebracht hatte, leistete dennoch — befehlswidrig — zusammen mit fünf inzwischen angekommenen Feldgendarmen Sicherungsdienste, während die drei SS-Männer und ein steirischer Wehrmachtsangehöriger die Erschießungen durchführten, nicht ohne zuvor ihren Opfern die Wertgegenstände abzunehmen. Nachdem etwa sechzig Juden erschossen worden waren, erreichte W. telephonisch der Befehl des Kreisleiters, die Erschießungen einzustellen und die Juden nach Hartberg zu transportieren. Offensichtlich hatte die nahende Front — die russische Armee durchbrach an diesem Tag nur wenige Kilometer entfernt die deutschen Linien — den restlichen jüdischen Arbeitern in Deutsch-Schützen das Leben gerettet. Vor dem Abmarsch mussten die Hitlerjungen in Eile die erschossenen Juden bestatten, wobei sie auch noch Lebende begruben. Ein Jude überlebte die Tortur und wurde am 31. März von einer Volkssturm-Streife aufgegriffen, die ihm zu essen und trinken gab und riet, sich versteckt zu halten.
Bei dem Marsch von Deutsch-Schützen nach Hartberg stellten die Hitlerjungen zusammen mit den SS-Männern die Wachmannschaften. Dabei kam es erneut zu Morden an Erschöpften, welche die SS-Männer mit Unterstützung der Hitlerjungen verübten.89 Frauen aus Oberdorf berichteten nach dem Krieg, dass sie die SS-Männer nicht nur daran hinderten, den erschöpften Juden etwas Nahrung zu geben, sondern diese auch brutal misshandelten. In Sebersdorf hinter Hartberg wurden die Hitlerjungen vom Volkssturm abgelöst. Damit verlieren sich auch die Spuren der SS-Begleitmannschaft.

Materialien 013

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): Im Verfahren wegen der Judenmorde in Deutsch Schützen gab es Zeugen für den telefonischen Befehl des Kreisleiters, die Erschießungen einzustellen, was zeigt, dass dieser über die Vorkommnisse bestens informiert war. Daher kam das Gericht 1946 im Prozess gegen die beteiligten Hitlerjungen in seinem Urteil zu dem Schluss, dass der — damals flüchtige — HJ-Bannführer W. einen „offenbar von höherer Stelle ausgegangenen Befehl, diesen Abtransport gar nicht erst durchzuführen, sondern die unglücklichen, seiner Aufsicht unterstellten Zwangsarbeiter an Ort und Stelle umzubringen“, erhalten habe. Bei der Durchführung dieses Befehls habe er sich der Angehörigen der SS-Division „Wiking“ und der Feldgendarmen bedient.91 Der Kreisleiter von Oberwart, Eduard Nicka, wurde zwar 1946 wegen „mehrerer Kriegsverbrechen“, darunter die Anordnung zur Erschießung von 80 [sic!] Juden in Deutsch-Schützen sowie die Beteiligung an der Ermordung von 220 ungarischen Juden bei Rechnitz, angezeigt,92 bei der Anklageerhebung am 3. Juni 1948 sah die Staatsanwaltschaft Wien keinen Grund mehr zu einer weiteren Verfolgung Nickas wegen Mordverdachts.93 1956 wurde der ehemalige HJ-Bannführer A. W. vor Gericht gestellt und aufgrund der vagen Aussagen der Hitlerjungen und einer wenig engagierten Prozessführung seitens des Richters mangels Beweisen freigesprochen.

Materialien 013

Liste der südburgenländischen Lager:
Deutsch Schützen, Belegung 500, zwei Getreidespeicher, Essensausgabe im Pfarrhof; Die Zwangsarbeiter haben bis zum 29. März relativ gute Bedingungen vorgefunden. Es gab bis zu diesem Zeitpunkt keine Toten durch Krankheiten oder Misshandlungen. Das zufällige Auftauchen von drei versprengten SS-Männern am 28. März 1945 führte am nächsten Tag zum Massaker von Deutsch Schützen. Einige Personen konnten durch den örtlichen Schmied, Fleischer, Pfarrer Johann Farkas und anderen gerettet werden.

Material 014

Auszug aus Interview Franz Schmaldienst (Bocksdorf) in „Amiri Historija“
Es hat ja da auch den Südostwall gegeben und die Grabungen. Es hat die Todesmärsche der Juden gegeben. Wie ist das vor sich gegangen?
Als der Stellungsbau aufgehoben worden ist, haben sie sie zurückbeordert. Viele haben sie ja erschossen – die, die nicht mehr gehen haben können. Es ist ja erst vor ein paar Jahren in Deutsch Schützen (Bezirk Oberwart) im Wald ein Massengrab gefunden worden. Da hat sich einer erinnert – das war ja dann fünfzig Jahre später –, wie sie mit Pferdewägen hinaufgefahren und dann leer zurückgekommen sind. Man hat dann nachgeschaut und hat dort das Massengrab entdeckt. [In Deutsch Schützen wurden am 29. März 1945 ungefähr 60 jüdische Zwangsarbeiter ermordet. Erst 1995 wurde das Massengrab wieder ausfindig gemacht.]

Material 015

Quelle: www.regiowiki.at
Das Massaker von Deutsch Schützen
Dass die Entwicklung der Situation vor Ort oft auch von Zufällen abhing, zeigt der Fall des Massakers von Deutsch Schützen. Am 28. März überquerten der SS-Unterscharführer Adolf Storms sowie ein namentlich nicht bekannter SS-Hauptscharführer und ein weiterer SS-Mann unabhängig voneinander bei Deutsch Schützen die Reichsgrenze. Die Soldaten der Waffen-SS waren während des chaotischen Rückzuges aus Ungarn von ihrer Division, der 5. SS-Panzer-Division „Wiking“, versprengt worden[26] (die Masse der Division erreichte erst drei Tage später die Grenze bei Güssing).
Sie trafen dort auf den verantwortlichen Unterabschnittsleiter, den HJ-Bannführer Alfred Weber, einen kriegsversehrten ehemaligen Angehörigen des SS-Panzergrenadier-Regiment 4 „Der Führer“, das zur 2. SS-Panzerdivision „Das Reich“ gehörte.[27] Diese zufällige Begegnung führte am nächsten Tag, dem 29. März 1945, zu diesem Massaker, dem letztendlich rund 60 ungarische Zwangsarbeiter zum Opfer fielen.
Nachdem gegen 9 Uhr ein Befehl der Kreisleitung Oberwart zur Verlegung der ungarischen Zwangsarbeiter nach Westen eintraf, beendeten die SS-Männer das Massaker und trieben die Überlebenden in Richtung Hartberg. Zwischen Jabing und Oberdorf ermordete dann Adolf Storms zumindest einen weiteren ungarischen Juden, der nicht mehr gehfähig war.[28]
Das Massengrab wurde noch 1945 von einer ungarischen Kommission geöffnet um die Identität der Opfer feststellen zu können. Ein halbes Jahrhundert später gelang es neuerlich das Massengrab zu finden. Die Fundstelle wurde offiziell zum Grab erklärt und das Areal eingezäunt.
Dass es nicht mehr Mordopfer gab, war auch dem Pfarrer von Deutsch Schützen, Johann Farkas, und einigen Bewohnern der Ortschaft zu verdanken, die auch schon in den Wochen davor, die ungarischen Juden mit Essen versorgt hatten. Pfarrer Farkas, der von den Mordplänen erfahren hatte, gab diese Information bei der morgendlichen Essensausgabe an die ungarischen Zwangsarbeiter weiter. Rund 40 von ihnen entzogen sich daraufhin dem Massaker durch Flucht. Rund weitere 20 versteckten sich mit Hilfe Einheimischer auf Dachböden, zwei davon im Pfarrhof direkt. Sie alle überlebten diesen 29. März 1945.[29]
siehe dazu: Massaker von Deutsch Schützen

Titel der Diplomarbeit: „ Der Todesmarsch ungarisch – jüdischer Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen durch das oberösterreichische Ennstal ins KZ Mauthausen im Frühjahr 1945 – ein mikrohistorischer Versuch.“ – Verfasser Markus Krenn
Ebenso eigenwillig und irritierend erscheint die Erlebnisbeschreibung eines Überlebenden der Todesmärsche, Ernö Lazarovits, der die Unterkunft in Deutsch – Schützen wie folgt in Erinnerung hat: „Als Quartier dienten uns zu Baracken umgebaute Scheunen am Ende des Dorfes. Verglichen mit dem Planen – Zeltlager auf dem Hügel in Fertörakos lebten wir hier wie in einem Palast. Die Stockpritschen aus Kiefernholz mit dem Stroh darauf dufteten wunderbar frisch und in der Mitte des Raumes stand ein eiserner Ofen, der für wohltuende Wärme sorgte.“

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E

Eberau

Eleonore Lappin: „Am 24.03.1945 übernahmen 13 Hitlerjungen unter Leitung ihres Führers in Burg 1000 bis 1200 jüdische Arbeiter aus Köszeg. Diese 16- und 17-jährigen Burschen geleiteten den Transport über Eisenberg, Höll, Gaas, Maria Weinberg nach Strem. Unterwegs wurden einzelne Gruppen in Eberau und Moschendorf, wo bereits Juden im Arbeitseinsatz standen, zurückgelassen, die letzten Gruppen dieses Transportes von Strem nach Heiligenbrunn und Reinersdorf weitergeführt. Bereits am 28. März erfolgte die endgültige Evakuierung ins Landesinnere. Die Insassen der Lager Eberau, Moschendorf, Strem und Reinersdorf wurden in Strem gesammelt und am nächsten Tag auf der Route Strem-Güssing-Sulz-Rehgraben-Neusiedel-Deutsch Kaltenbrunn nach Bierbaum gebracht.“

Materialien 6

Szalbalcs Szita (Mobiles Erinnern): „Im Februar/März 1945 befanden sich ungarische Juden, ehemalige Mitglieder der Einheiten des waffenlosen Militärdienstes bei der ungarischen Armee, auch in Eberau an der Pinka. Einige hundert dieser Häftlinge hatten auf dem bloßen Fußboden des geräumten Schulhauses ihr Nachtquartier, tagsüber schanzten sie unter SA-Aufsicht Stellungen in richtung Kulm. Im ebenerdigen Gemeindehaus des Schlosses Erdödy am südlichen Rand . Für täglich zwölf Stunden harte Schanzarbeit erhielten diese Menschen nur eine Mindestverpflegung. Zu schweren Misshandlungen und Gräueltaten kam es hier nicht. Die ungarischen Häftlinge von Eberau wurden am 29. März in Reih und Glied gestellt und nach Mauthausen in Marsch gesetzt.“

Materialien 10

Alexander Prucker: 3.8.9) Misshandlungen beim Stellungsbau Anton L., ein Eisenbahner, wurde im Winter 1944–1945 zum Stellungsbau einberufen und dem Unterabschnitt Eberau im östlichen Burgenland zugeteilt. Eines Tages bat ein jüdischer Stellungsarbeiter im Hofe eines Gasthauses um Brennholz. Anton L., der diese Situation beobachtete, geriet darüber so sehr in Rage, dass er den Juden mit einem Holzstecken auf den Rücken schlug, sodass sich der Jude vor Schmerzen krümmte. Später am selben Tag schlug Anton L. einen anderen Juden mit einem Stock auf die Finger, weil dieser seines Erachtens nach, die Ziegelsteine für einen Weg zur Küche nicht richtig gelegt hatte.201
Nach Verhandlungen am 11. Jänner 1949, am 4. Juli 1949 und am 7. Dezember 1949 wurde Anton L. wegen dieser beiden Delikte nach §3 Abs. 1 KVG und §4 KVG zu sechs Monaten schwerem Kerker verurteilt.202

Eberau Materialien 001

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Wolf Gancz machte einen derartigen Todesmarsch ab Eberau mit und gehörte zu den 6-8000 Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen, die am 7. April 1945 den Präbichl passierten, als dort das berüchtigte Massaker verübt wurde, dem mehr als 200 Menschen zum Opfer fielen. Gancz schildert unter anderem, wie seine Kolonne, die 3000 Personen umfasst haben soll, als sie am 30. März 1945 Eberau verließ, mit Transporten aus den Lagern Strem, Feldbach, Heiligenkreuz, Jennersdorf, Fehring, Schachendorf, Neumarkt an der Raab, Bucsu sowie aus St. Anna am Aigen zusammengelegt wurde. Wie unten noch zu zeigen sein wird, befanden sich unter den Transportteilnehmern auch Zwangsarbeiter aus den Közseger Lagern. Die Angaben von Gancz erscheinen nicht ganz verläßlich, da die von ihm angegebene Route nicht jener der Geeheimen Dienstanweisung vom 22. März entspricht. So dürfte auch die von ihm angegebene Zahl der Teinnehmer nicht exakt sein, doch lässt sie auf mehr als 10.000 Personen schließn, die alleine mit diesem Transport von der Grenze nach Graz getrieben wurden. Während des Marsches von Eberau nach Graz erhielten die Häftlinge als Verpflegung lediglich eine halben Laib Brot. Hudith Hruza kam am 23. März von Köszeg nach Rechnitz, von wo sie am 28. März in Richtung Graz evakuiert wurde. Auch sie überlebte das Massaker am Präbichl vom 7. April 1945. Das Lager Buscu wurde am 28. März 1945 aufgelöst, die Zwangsarbeiter überquerten bei Rechnitz die österreichische Grenze und gerieten am 7. April ebenfalls in die Schießerei am Präbichl.

Materialien 11

Tina Walzer: Auch in den 1980er und 1990er Jahren wurde weiter nach Massengräbern gesucht. Vor allem im Burgenland konnten Opfer gefunden werden, sie wurden auf den neuen jüdischen Friedhof Eisenstadt überführt. In manchen Fällen hatte man allerdings wenig Glück. So waren die in Eberau, Bezirkshauptmannschaft Güssing vermuteten Grabstellen trotz intensiver Nachforschungen schließlich nicht näher lokalisierbar:
1945 im Anrücken der russischen Front hatten auch in dieser Ortschaft und ihrer Umgebung Erschießungen und Verbrennungen jüdischer Zwangsarbeiter durch Bewachungspersonal und andere stattgefunden. Südlich des Dorfes, in Nähe der Wallfahrtskirche Gaas, wurden am 25. 3. 1945 einige erschöpfte Opfer auf Befehl eines HJ-Bannführers erschossen.27 Neben dem Gehweg zur Wallfahrtskirche befinden sich laut Zeugenaussagen 2 Massengräber28 , die Anzahl der Opfer ist nicht bekannt. Die IKG Wien folgte 1982 einem Hinweis und hoffte, daß die genaue Lage der Gräber durch Befragung der Bevölkerung eruierbar würde29 , doch blieben die Nachforschungen ohne Ergebnisse.
Bereits vor den Liquidierungen bei der Wallfahrtskirche waren nicht mehr marschfähige ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter im Zentrum von Gaas erschossen worden.30 Erhoben werden konnte, daß bis 1986 keine Exhumierungen vorgenommen worden waren. Laut damals erbetener Auskunft der Ortsgemeinde sind in Gaas keine jüdischen Gräber vorhanden. Die Anzahl der Opfer sowie ihr Verbleib ist unbekannt.
Weitere Recherchen ergaben:
„In der Ziegelei in Eberau wurden einige Dutzend jüdische, an Typhus gestorbene Zwangsarbeiter beerdigt. Es steht jedoch noch nicht fest, ob diese Opfer noch dort beerdigt sind, denn nach der Befreiung wurden bei einer Aktion russische Kriegsopfer ausgegraben und an anderer Stelle wiederbeerdigt. Man weiß nicht, ob bei dieser Gelegenheit nicht auch die jüdischen Opfer exhumiert wurden.“

Materialien 012

Liste der südburgenländischen Lager:
Eberau, Belegung 500, Schule, Kutscherhof und Gesindehaus von Schloss Eberau; Die Bedingungen waren in der Schule besser als im Schloss. Es gab vermutlich einige Dutzende Tote durch Fleckfieber, mindestens fünf kranke Zwangsarbeiter wurden bei Edlitz erschossen. Hilfestellung mit Lebensmitteln erfolgte durch Ortsbewohner wie Rosina Paukovits und Volksschuldirektor Robert Hazivar, der als Mitglied der Wachmannschaft mit Decken, Nahrung und Informationen half.

Material 014

Franz Timischl „Morde an ungarischen Juden“ in „Fürstenfeld – Die Stadtgeschichte“, ab Seite 458:
Der einzige konkrete schriftliche Beleg dafür für den Kreis Fürstenfeld ist eine Dienstanweisung vom 22. März 1945, die der Beauftragte für den Stellungsbau im Kreis Fürstenfeld, Kreisleiter Meißl, erteilte. Die Bezeichnung für die Aktion lautete in nationalsozialistischer Umschreibung Rückführung der Juden aus dem Stellungsbau im Falle eines Alarmes (d.h. Vorstoß sowjetischer Truppen an die Reichsschutzstellung). Die Dienstanweisung war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern nur für einen kleinen Kreis von Personen aus der NSDAP – Kreisleiter, Kreisorganisationsleiter, Kreisstabsführer, die Ortsgruppenleiter von Eberau, Strem, Heiligenbrunn und Heiligenkreuz und die Unterabschnittsführer. In den Unterabschnitten Eberau bis Strem war vorgesehen, die Juden einen Tag vor dem Abmarsch im Judenlager Strem zu sammeln und sie tags darauf 33 km von Strem über Güssing, Sulz, Rehgraben, Neusiedl, Deutsch Kaltenbrunn bis Bierbaum marschieren zu lassen. Die jeweiligen Lagerwachen (Strem, Poppendorf, Bierbaum) stellte der Volkssturm, weitere Befehle erteilte Herbert Denk, Mitglied der Ortsgruppe der NSDAP Fürstenfeld. Die Auflösung der Lager um Strem erfolgte um den 29. März. Ein überlebender Zwangsarbeiter schätzte die von Strem weggebrachten Juden, die in Richtung Graz in Marsch gesetzt wurden, auf 5000.

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Ebersdorf

Kleine Zeitung, 03.04.2017: „72 Jahr nach den Todesmärschen der Juden durch die Oststeiermark erinnern 50 Infotafeln entlang der Route daran. Sie ziehen sich über 25 oststeirische Gemeinden.“

Materialien 016

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Edlitz

Eleonore Lappin: „Am 24.03.1945 übernahmen 13 Hitlerjungen unter Leitung ihres Führers in Burg 1000 bis 1200 jüdische Arbeiter aus Köszeg. Diese 16- und 17-jährigen Burschen geleiteten den Transport über Eisenberg, Höll, Gaas, Maria Weinberg nach Strem.

Materialien 6

Tina Walzer: Gesucht wurde auch nach dem Grab von 5 Personen in Edlitz bei Eberau:
„Im März 1945 sollen im sogenannten Burgenländischen Winkel fünf Juden, welche dort als Zwangsarbeiter beschäftigt waren, an einem Waldrand in der Nähe des Dorfes Edlitz bei Eberau im Burgenland erschossen worden sein. Herr Max Zafir fand den Platz, wo die fünf Opfer bestattet sind. Er kann jedoch die Stelle nicht näher bezeichnen, er weiß nur, daß sich an dieser Stelle ein Kreuz mit der Aufschrift „Georg Reiter“ befindet. Einer der fünf Männer, welche in diesem Märtyrergrab ruhen, war Dr. Georg Reiter aus Süeget [vermutlich Sziget oder Szeged, Anm. TW] in Ungarn.”34
Das Grab befindet sich „ungefähr 10 km vom Ort entfernt“35 Die Männer waren unter dem Vorwand von der übrigen Mannschaft weggebracht worden, daß man sie in Spitalspflege geben werde36 – ihre Gräber konnten trotz aller Bemühungen nicht gefunden werden.
Auch sämtliche Versuche, in Rechnitz die Gräber jener Zwangsarbeiter, die die im Kreuzstadel Ermordeten beerdigen mußten und anschließend selbst hingerichtet worden sind zu lokalisieren, scheiterten bislang. Für die Opfer des Kreuzstadel-Massakers wurde eine Gedenkstätte eingerichtet. Weiters wurden in Deutsch Schützen sowie in Schattendorf unter Federführung des Vereines „Schalom“ Gedenkstätten eingerichtet. Das Massengrab von Deutsch Schützen hatte mithilfe von Schalom Fried in einem Wald oberhalb der Ortschaft gefunden werden können.

Materialien 012

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Egelsdorf

Exhumierungsprotokoll:

    • Janos Blumberger
    • Dr. ????
    • Karpati Endre
    • Janos Deutsch
    • Janos Groß

Materialien 007

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): Bei Egelsdorf wurden 1946 32 Leichen von ungarischen Juden exhumiert, die von Angehörigen der SS-Divison „Wiking“ ermordet worden sein sollen. Diese Morde wurden nie aufgeklärt,97 doch gab es in der näheren Umgebung vergleichbare Fälle, die Rückschlüsse erlauben.

Materialien 013

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): Die Judenmorde von Prebensdorf — und vermutlich Egelsdorf — zeigen neuerlich die enge Zusammenarbeit von Kreisleitung und Waffen-SS: Bei Prebensdorf ist nachgewiesen, dass die Kreisleitung dem Volkssturm lediglich befahl, die flüchtigen Juden einzufangen und an einem bestimmten Ort zu konzentrieren, während die Waffen-SS die Erschießungen durchführte.102 Eine weitere Einheit der SS-Division „Wiking“ war zwischen dem 2. und 4. April 1945 in Eggenfeld stationiert. Am 4. April verließ ein Transport mit etwa 6000 ungarischen Juden Graz in Richtung Bruck an der Mur. Bei Gratkorn flohen etwa 20 Teilnehmer dieses Transports.

Materialien 013

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Eggersdorf

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): Entlang den Routen von Gleisdorf nach Graz wurden nach dem Krieg zahlreiche Gräber von Ermordeten entdeckt: so in Gleisdorf, Brodersdorf, Pircha, Eggersdorf, Kainbach und Mariatrost.

Materialien 10

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Eisenberg an der Pinka

Eleonore Lappin: „Am 24.03.1945 übernahmen 13 Hitlerjungen unter Leitung ihres Führers in Burg 1000 bis 1200 jüdische Arbeiter aus Köszeg. Diese 16- und 17-jährigen Burschen geleiteten den Transport über Eisenberg, Höll, Gaas, Maria Weinberg nach Strem.

Materialien 6

Szalbalcs Szita (Mobiles Erinnern): „In Hammersdorf am Tauchen [Anmerkung WB – wahrscheinlich „Hannersdorf an der Tauchen“], unweit von Schandorf waren im Februar und März ebenfalls ungarische Juden im Einsatz: in Burg am Fuße des Eisenbergs die ehemalige Hilfskompanie III/5 unter dem Kommando der OT und am Hang des Königsberges 60 bis 100 Zwangsarbeiter unter der Aufsicht kroatischer SS-Männer. Das Lager Hammersdorf wurde am 27./28. März evakuiert.“

Materialien 10

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Eltendorf

Auszug aus Interview Franz Schmaldienst (Bocksdorf) in „Amiri Historija“
Es hat ja da auch den Südostwall gegeben und die Grabungen. Es hat die Todesmärsche der Juden gegeben. Wie ist das vor sich gegangen?

Später habe ich das dann jemandem erzählt, und der hat gemeint, dass sie halt die Gefängnisse aufgemacht und die Leute weggebracht haben. Erst später ist man draufgekommen, dass das die ungarischen Zwangsarbeiter waren, die dort unten eingesetzt waren und die von Eltendorf (Bezirk Jennersdorf) und von Kukmirn Richtung Bierbaum (Bad Blumau, Steiermark) gekommen sind. Beim ersten Bahnanschluss haben sie sie dann [ins KZ] Mauthausen bringen wollen, und unterwegs sind viele umgekommen, entkräftet, erschossen worden. Und ich habe das gesehen! [Anm.: In der letzten Kriegsphase wurden Tausende ungarische Juden, die beim Bau des Südostwalls, einer Verteidigungslinie gegen die heranziehende Rote Armee, eingesetzt waren, in Todesmärschen in Richtung Mauthausen getrieben.]

Material 015

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F

Fehring

In der Opferdatenbank von Yad Vashem findet sich Netter Andor, geboren 1926 in Budapest, wohnhaft in Szigetszentmiklos.

Materialien 3

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Wolf Gancz machte einen derartigen Todesmarsch ab Eberau mit und gehörte zu den 6-8000 Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen, die am 7. April 1945 den Präbichl passierten, als dort das berüchtigte Massaker verübt wurde, dem mehr als 200 Menschen zum Opfer fielen. Gancz schildert unter anderem, wie seine Kolonne, die 3000 Personen umfasst haben soll, als sie am 30. März 1945 Eberau verließ, mit Transporten aus den Lagern Strem, Feldbach, Heiligenkreuz, Jennersdorf, Fehring, Schachendorf, Neumarkt an der Raab, Bucsu sowie aus St. Anna am Aigen zusammengelegt wurde.

Materialien 11

CLIO: So kamen 150 Juden aus Straßhof bei Wien, die in der geräumten Schule gegenüber der Kirche (heute Schuhhaus Rindler) in St. Anna untergebracht wurden, sowie rund 250 Arbeitsdienstler der ungarischen Armee, die per Bahn von Sopron nach Fehring transportiert wurden.

Material St. Anna 004

Franz Timischl: „Loipersdorf – Dietersdorf – Gillersdorf“
Große Schanzarbeiten wurden auch bei Jennersdorf durchgeführt, zu denen auch Leute – Männer wie Frauen – aus dem Raabtal, sowie aus der Gleichenberger und Gnaser Gegend herangezogen wurden. Der Transport dieser Personen erfolgte morgens und abends mit dem Zug. Bei einem Tieffliegerangriff kamen 12 Personen, großteils Mädchen, ums Leben. Am 26. Februar 1945 wurde der von Jennersdorf nach Fehring fahrende Eisenbahnzug mit Hitlerjungen, die vom Stellungsbau nach Hause gebracht wurden, in der Haltestelle Hohenbrugg von britischen Tieffliegern angegriffen, Dabei gab es 15 Tote und 45 Verletzte.

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Feldbach

In der Opferdatenbank von Yad Vashem sind unter dem Suchbegriff Feldbach zahlreiche Opfer zu finden. Es ist aber nicht sicher, dass dieses Opfer auch tatsächlich in Feldbach ermordet wurden. Sie können auch im weiteren Verlauf der Todesmärsche ermordet worden sein.

Name Geb. Gest. Herkunft Tod
Feintuch Jakab 1908 Des (RO) Murdered in the Shoa
Fleishmann Jeno Murdered in the Shoa
Frank Istvan 1912 Poroszlo (HU) Murdered in the Shoa
Har Moric Dunaszerdahely (CZ) Murdered in the Shoa
Heimovits Mor 1908 Koloszvar (RU) Murdered in the Shoa
Heimovits Mozes Beszterce Murdered in the Shoa
Leier Miklos Budapest Murdered in the Shoa
Lengyel Istvan Ujpest (HU) Murdered in the Shoa
Licht Gyula Budapest Murdered in the Shoa
Moskovitz Jozsef 1906 Sajosszentpeter (HU) Murdered in the Shoa
Rezmuves Antal 1908 Szatmar (HU) Murdered in the Shoa
Schoen Imre Angyolfolg (HU) Murdered in the Shoa
Schwarcz Arnold Kolozsvar (RO) Murdered in the Shoa
Steiner Lajos 1908 Banffyhunyad (RO) Murdered in the Shoa
Steiner ??? Ujpest (HU) Murdered in the Shoa
Steiner Lipot 1908 Banffyhunyad (RO) Murdered in the Shoa
Szamosi Elemer 1897 Budapest Murdered in the Shoa
Unger Ferentz Rozsnyo (CZ) Murdered in the Shoa
Weisz ??? Budapest Murdered in the Shoa
Wieser Karoly Budapest Murdered in the Shoa

Materialien 3

Feldbach – Mühldorf
„Nach dem Fliegerangriff kamen etwa 14 bis 16 Juden mit mehr oder weniger schweren Verletzungen in meine Wohnung und baten verbunden zu werden. (…) Ich hatte noch zwei Juden in meiner Ordination, als zwei SS-Männer … in meine Wohnung kamen und mich zur Rede stellten, warum ich trotz Befehl des ´Führers´ diese Juden verbände … Ich antwortete , dass für mich als Arzt nur mein Promotionseid maßgebend sei, bei dem ich geschworen hatte, allen kranken und verwundeten Menschen zu helfen. Ich verband die beiden Juden trotz des Protests dieser zwei SS-Leute fertig …“ Das sagte Anton Skorscheny, praktischer Arzt in Feldbach, nach dem Krieg in den Erhebungen zur Judenerschießung am Fuße des Steinbergs in Mühldorf bei Feldbach 25. März 1945.

Materialien 2

Von etwa 150 beim Stellungsbau in den Bezirken Feldbach und eingesetzten ungarischen Juden, die bei Kriegsende ums Leben kamen – viele wurden von ihren Bewachern erschossen, wie jene am Mühldorfer „Russenfriedhof“ – sind nur 29 namentlich bekannt. Ihnen wird in dem Buch ein „papierenes Denkmal“ gesetzt. Einer von ihnen war Imre Flesch, Kantor der Budapester jüdischen Gemeinde. Einer hieß Josef Führer, ein anderer Ernö Himmler. Ihre sterblichen Überreste wurden später in den jüdischen Friedhof von Trautmannsdorf nahe Bad Gleichenberg umgebettet, womit sich wiederum ein Bogen auf makabre Art schloss: Der Friedhof war seinerzeit angelegt worden, weil die im Kurort verstorbenen jüdischen Gäste nicht auf dem christlichen Gottesacker bestattet werden durften.

Materialien 2

Am 25. März 1945 kam eine größere Zahl Gefangener direkt in Feldbach zu Tode; diese befanden sich in Eisenbahnwaggons, während der Bahnhof von alliierten Fliegern angegriffen wurde. Der Angriff forderte einige Tote, vor allem aber Verletzte. Die überlebenden jüdischen Zwangsarbeiter mussten die Verletzten und Toten auf einen LKW laden, wurden zum Mühldorfer „Judenfriedhof“ gebracht und alle dort ermordet. Das „Drama vom Bahnhof“ stellt sich in der Dorfgeschichte hingegen anders dar. An den Toten dieses Angriffes hätten klarerweise die Alliierten schuld, andere Tote hätte es nicht gegeben. Einer Lokalchronik ist zu entnehmen: „Das grauenhafte Blutbad bei der Beschießung des `Judenzuges` durch den Tieffliegerangriff der Amerikaner im Bahnhof von Feldbach ist für mich persönlich ein unvergessliches Ereignis. Es gab viele Tote, zahlreiche Verletzte, schreckliches Angstgeschrei, durchlochte und blutbespritzte Waggons.“ Dass die meisten Toten von örtlichen Nazis und der SS erschossen wurden, kommt in dieser Geschichte nicht vor. (Fußnote 7)

Materialien 4

Tina Walzer: „In den nachfolgenden Orten befinden sich laut Quellen weitere Massengräber, wobei noch zu klären ist, ob diese Gräber nicht exhumiert worden sind, wenn ja, wohin, und ob es weitere Unterlagen zur genauen Lage gibt: Mühldorf bei Feldbach, …“

Materialien 8

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken, Zeitschrift „David“): Bereits am 23. März wurden Arbeiter aus dem Lager Jennersdorf per Bahn nach Feldbach verbracht. Im Feldbacher Bahnhof geriet der Zug in einen Angriff alliierter Tiefflieger, wodurch zahlreiche Juden verletzt oder getötet wurden. SS-Leute brachten sowohl die Toten als auch die Verletzten nach Mühldorf, wo sie letztere erschossen. Sämtliche Opfer wurden im „ehemaligen Russenfriedhof“ bestattet, 1947 27 Leichen exhumiert.

Materialien 10

Rudolf Grassmugg: Für Stellungsbauten waren auch ungarische Juden eingesetzt. Bei einem Tieffliegerangriff auf den Bahnhof Feldbach, am 23. März 1945, wurde ein solcher „Judenzug“ beschossen, als er gerade in den Bahnhof einfuhr. Es gab viele Tote. Die Überlebenden wurden mit den Toten zum sogenannten Russenfriedhof aus der Zeit des Kriegsgefangenenlagers im ersten Weltkrieg am NW-Hang des Steinberges gebracht. Dieser Tieffliegerangriff vom 23. März 1945 auf den Bahnhof Feldbach, der unter den jüdischen Zwangsarbeitern für den Bau des „steirischen Ostwalls“ ein grauenhaftes Blutbad anrichtete, hatte 1951 ein gerichtliches Nachspiel: Anton Rössele aus Bayern stand als ehemaliger politischer Leiter unter Anklage, auf dem Bahnhof und im Judenfriedhof von Feldbach 24 jüdische Zwangsarbeiter durch Genickschuss getötet zu haben. Aus diesem Grund wurde er 1951 vom Schwurgericht Augsburg nach Graz überstellt. Der Angeklagte wurde in Graz mangels an Beweisen freigesprochen und wieder an die US-Behörde in Bayern rückgestellt. Schon am 9. Oktober ließ eine britische Untersuchungskommission am ehemaligen Russenfriedhof am Fuß des Steinbergs das Massengrab öffnen und die Leichen von 27 ungarischen Juden exhumieren. Elf Männer waren durch den Tieffliegerangriff auf den Bahnhof Feldbach getötet oder verletzt worden. Die übrigen 16 wiesen als Todesursache Kopfschüsse von rückwärts auf. Am 12. November 1947 wurde dann der ehemalige Kreisleiter von Feldbach, Anton Rutte, von einem britischen Militärgericht in Graz wegen Anordnung zur Erschießung von 16 ungarischen Juden im März 1945 zum Tode durch den Strang verurteilt, die Todesstrafe aber schließlich in 15 Jahre Kerker umgewandelt. (Sammlung Gemeindeschroniken: „125 Jahre Stadt Feldbach“)

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Wolf Gancz machte einen derartigen Todesmarsch ab Eberau mit und gehörte zu den 6-8000 Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen, die am 7. April 1945 den Präbichl passierten, als dort das berüchtigte Massaker verübt wurde, dem mehr als 200 Menschen zum Opfer fielen. Gancz schildert unter anderem, wie seine Kolonne, die 3000 Personen umfasst haben soll, als sie am 30. März 1945 Eberau verließ, mit Transporten aus den Lagern Strem, Feldbach, Heiligenkreuz, Jennersdorf, Fehring, Schachendorf, Neumarkt an der Raab, Bucsu sowie aus St. Anna am Aigen zusammengelegt wurde.

Materialien 11

Wöchentliche Berichte der 409 Field Security Section
Massacre of 40 Jews at FELDBACH Station 12 Feb. 45 [?]
With reference to last weeks report further investigations have been made.
Further information obtained reveals that the report in the Neue Steirische Zeitung of 12 Aug., ´45 is a different incident to the above mentioned. A number of witnesses have now been found and a somewhat clearer picture has been obtained. On 25 Mar ´45 at approx 1400 hrs 40 Jews (mostly Hungarians) were brought to FELDBACH station from JENNERSDORF by train. An air raid took place and about 10 Jews died from wounds. The whole party was then loaded on a lorry and taken to MÜHLDORF (E4418) there on the site of an old RUSSIAN cemetery the fit persons were made to dig a large grave. The dead were then thrown in and the others were then all shot and thrown in after. Although peasants working nearby had been sent away by the SS man carrying out the shooting, two peasants witnessed the incident through the trees. They state that the Jews were terribly manhandled and one was seen to be killed by a blow from a spate splitting his skull. The site of this mass grave has been inspected by FS and a number of other mass graves were also pointed out on the same site. A pile of limes next to the alleged mass grave is stated to have been part of what was used to cover the corpses.
Peasants living in the neighbourhood of MUHLDORF testify that daily shootings were overheard at the cemetery during the two month February and March ´45. Jews were observed being marched up to the cemetery and never (vorliegender Bericht endet mit dieser Seite)

Ignác Eidlisz, geboren in Királyhelmec am 26. IV. 1921; Schneider mit Wohnort Királyhelmec. (Aufgenommen in Budapest, am 4. Juli 1945)
„Unsere erste Station in Deutschland war Feldbach. Ein deutsches Mitglied der Organisation Todt war unser Befehlshaber, er war ein sehr schlechter Mensch. Einmal verurteilte er 80 Menschen zu Tode und erschoss sie eigenhändig. Dies passierte als er hinaus zur Arbeit ging, da sah er an der Arbeit etwas, das ihm nicht gefiel, daraufhin erschoss er 80 Menschen. Bei einem englischen Maschinengewehr-Angriff hatten wir 20 Tote. Leider wurden wir stark dezimiert.
Unsere Kost war sehr schwach. Zum Frühstück bekamen wir einen bitteren Tee, zu Mittag eine Karottensuppe, am Abend ein wenig Brot oder gar nichts. Unsere Situation war sehr schwer. Wer krank war, wurde ins Krankenhaus gebracht, aber von dort kam niemals jemand zurück. Es wurde nicht selektiert, in der Arbeit wurden wir immer kontrolliert und wer nicht hart genug arbeitete, kam auf eine Liste und wurde an einen Ort gebracht, an dem er erschossen wurde.“

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G

Gaas

Eleonore Lappin: „Am 24.03.1945 übernahmen 13 Hitlerjungen unter Leitung ihres Führers in Burg 1000 bis 1200 jüdische Arbeiter aus Köszeg. Diese 16- und 17-jährigen Burschen geleiteten den Transport über Eisenberg, Höll, Gaas, Maria Weinberg nach Strem.

Materialien 6

Szalbalcs Szita (Mobiles Erinnern): „Die ungarischen Häftlinge von Eberau wurden am 29. März in Reih und Glied gestellt und nach Mauthausen in Marsch gesetzt. Während der Evakuierungsmärsche März 1945 passierten zahlreiche ungarische Deportierte die an der historischen Weinstraße liegende Gemeinde Gaas im Pinkatal. Südlich vom stillen Dörfchen, wo auf eine Anhöhe des Kulmer Waldes das heute berühmteste Maria-Heiligtum im Burgenland, ein bedeutender Wallfahrtsort zu ist, wurden am 25. März nahezu 1000 ungarische Juden von Angehörigen der Hitlerjugend übernommen. Einige von anstrengenden Marsch bergauf völlig erschöpften Juden, die am Ende der Kolonne zurückblieben bzw. zu Boden sanken, wurden auf Befehl von HJ-Bannführer Schiller erschossen. Zur Liquidierung nicht mehr marschfähiger Häftlinge war es schon vorher im Zentrum von Gaas gekommen, aber auch bei Höll, wo Walter Steiner und zwei uniformierte politische Leiter von Wachpersonal zwei ungarische Juden ermordeten.

Materialien 10

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Gleisdorf

Eleonore Lappin: „In Sebersdorf übergab die HJ den Transport Angehörigen des Volkssturm, welche diese vermutlich über Ilz und Gnies nach Gleisdorf führten. Eine nördlichere Route, welche die etwa 4-5000 Juden aus den Rechnitzer Transporten entlang getrieben wurden, verlief von Hartberg über Großpesendorf nach Gleisdorf.“

Materialien 6

Eleonore Lappin: „Bereits am 28. März erfolgte die endgültige Evakuierung ins Landesinnere. Die Insassen der Lager Eberau, Moschendorf, Strem und Reinersdorf wurden in Strem gesammelt und am nächsten Tag auf der Route Strem-Güssing-Sulz-Rehgraben-Neusiedel-Deutsch Kaltenbrunn nach Bierbaum gebracht. Von Bierbaum ging es gemeinsam weiter über Hartberg, Ilz und Gnies nach Gleisdorf.“

Materialien 6

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Die Hitlerjungen waren zusammen mit Angehörigen der Waffen-SS auch als Eskorten des Transports [von Rechnitz aus] eingeteilt. Während des Marsches verübten die Mitglieder der HJ und der Waffen-SS weitere Morde an Erschöpften. Der Transport wurde auf Nebenstraßen am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf, Wolfau und Hartberg. In Sebersdorf übergab die HJ den Transport Angehörigen des Volkssturms, welche diesen – vermutlich über Ilz und Gnies – weiter nach Gleisdorf führten. Die Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ dürften den Transport bis Graz begleitet haben.

Materialien 11

Exhumierungsprotokoll:

  • Tibor Memenyi

Materialien 7

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): Sammelpunkt der Kolonnen aus Eberau, Moschendorf, Strem, Reinersdorf, Inzendorf (? gemeint Inzenhof?)und Heiligenkreuz war Bierbaum, von wo die Häftlinge auf zwei verschiedenen Routen nach Ilz und Gnies getrieben wurden. Erst hier löste der örtliche Volkssturm die Wachmannschaften aus den Lagern am Südostwall ab.Die nächsten Sammelpunkte der Kolonnen waren Gleisdorf und schließlich Graz.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): Entlang den Routen von Gleisdorf nach Graz wurden nach dem Krieg zahlreiche Gräber von Ermordeten entdeckt: so in Gleisdorf, Brodersdorf, Pircha, Eggersdorf, Kainbach und Mariatrost.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): In Sebersdorf hinter Hartberg wurden die Hitlerjungen vom Volkssturm abgelöst. Damit verlieren sich auch die Spuren der SS-Begleitmannschaft. Es ist allerdings möglich, dass diese den Transport weiterhin begleitete, da Einheiten der SS-Division „Wiking“ entlang dessen weiterer Route nach Gleisdorf und Graz stationiert waren.

Materialien 013

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): In Hartberg traf der Transport aus Deutsch-Schützen auf weitere Transporte aus dem Raum Rechnitz. Während die Arbeiter aus Deutsch-Schützen zunächst in südlicher Richtung nach Ilz und Gnies und von dort nach Gleisdorf geführt wurden, marschierten die etwa 4000–5000 Juden aus den Rechnitzer Transporten entlang einer nördlicheren Route von Hartberg über Großpesendorf nach Gleisdorf.95 Auf diesem Teilstück kam es zu zahlreichen Fluchten.

Materialien 013

Markus Krenn, „ Der Todesmarsch ungarisch – jüdischer Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen durch das oberösterreichische Ennstal ins KZ Mauthausen im Frühjahr 1945 – ein mikrohistorischer Versuch.“, Diplomarbeit, Uni Wien, 2013: Die Kolonnen der jüdischen SchanzarbeiterInnen aus den zahlreichen grenznahen Lagern im Gau Steiermark konzentrierten sich schließlich in einigen wenigen Ortschaften, wie Bierbaum, Hartberg, Großpesendorf oder Gleisdorf, wonach an diesen Sammelpunkten die Transporte neu eingeteilt und auf jeweils mehreren Routen in Richtung Graz weitergeschleust wurden. Die Märsche auf den Rückzugsrouten ausgehend von der österreichisch – ungarischen Grenze und die Vereinigung von mehreren Häftlingsgruppen an genannten Sammelorten, die schließlich Graz ansteuerten, spiegeln bereits ein Bild wider, welches sich im Laufe der folgenden Tage und Wochen auf dem Todesmarsch durch die Gaue Steiermark und Oberdonau nach Mauthausen abspielen wird.

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Gnas

Tina Walzer: „In den nachfolgenden Orten befinden sich laut Quellen weitere Massengräber, wobei noch zu klären ist, ob diese Gräber nicht exhumiert worden sind, wenn ja, wohin, und ob es weitere Unterlagen zur genauen Lage gibt: Gnas, …“

Materialien 8

Website Generationendialog: Für die Befestigungsarbeiten bei St. Anna wurden neben der Dorfbevölkerung auch Ostarbeiter sowie Ostarbeiterinnen und ab Ende Jänner auch rund 400 ungarische Juden und Jüdinnen eingesetzt. Nachdem aufgrund der Frontverschiebungen der Befehl für die Evakuierungen der ZwangsarbeiterInnen kam, wurden zwischen dem 29. Und 31. März die jüdischen ZwangsarbeiterInnen von St. Anna über Bad Gleichenberg nach Gnas, wo ein erster Sammelpunkt für die „Evakuierungstransporte“ war, überführt.

Materialien St. Anna 003

CLIO: Zwischen 29. und 31. März marschierten die jüdischen Zwangsarbeiter von St. Anna über Bad Gleichenberg nach Gnas, wo ein erster Sammelpunkt für die „Evakuierungstransporte“ war. Hier blieben sie zwei Tage, ehe sie weiter nach Gleisdorf nach Graz marschierten. Vom Lager Liebenau in Graz gingen mehrere Transporte weiter in die Obersteiermark, wobei diese zumeist über Bruck an der Mur, Leoben und den Präbichl nach Mauthausen getrieben wurden. Ein Transport ging auch über die Weststeiermark, das Gaberl, Judenburg, Hohentauern, Trieben, Liezen und den Phyrnpass nach Mauthausen. Entlang all dieser Routen sollten nach Kriegsende in zahlreichen steirischen Gemeinden Gräber so genannter „Marschunfähiger“ gefunden werden. Darunter waren auch jüdische Zwangsarbeiter aus St. Anna am Aigen.

Material St. Anna 004

CLIO: So wurden die Leichen der im Schadlerwald Erschossenen und sechs weitere in St. Anna umgekommene Juden im Herbst 1950 auf den jüdischen Friedhof nach Trautmannsdorf überführt, wo auch jene 17 Leichen von Juden hinkamen, die beim Marsch nach Gnas und von Gnas nach Paldau starben bzw. ermordet wurden.

Material St. Anna 004

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Gnies

Eleonore Lappin: „In Sebersdorf übergab die HJ den Transport Angehörigen des Volkssturmes, welche diesen vermutlich über Ilz und Gnies weiter nach Gleisdorf führten.“

Materialien 6

Eleonore Lappin: „Bereits am 28. März erfolgte die endgültige Evakuierung ins Landesinnere. Die Insassen der Lager Eberau, Moschendorf, Strem und Reinersdorf wurden in Strem gesammelt und am nächsten Tag auf der Route Strem-Güssing-Sulz-Rehgraben-Neusiedel-Deutsch Kaltenbrunn nach Bierbaum gebracht. Von Bierbaum ging es gemeinsam weiter über Hartberg, Ilz und Gnies nach Gleisdorf.“

Materialien 6

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): Sammelpunkt der Kolonnen aus Eberau, Moschendorf, Strem, Reinersdorf, Inzendorf (? gemeint Inzenhof?) und Heiligenkreuz war Bierbaum, von wo die Häftlinge auf zwei verschiedenen Routen nach Ilz und Gnies getrieben wurden. Erst hier löste der örtliche Volkssturm die Wachmannschaften aus den Lagern am Südostwall ab.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Die Hitlerjungen waren zusammen mit Angehörigen der Waffen-SS auch als Eskorten des Transports [von Rechnitz aus] eingeteilt. Während des Marsches verübten die Mitglieder der HJ und der Waffen-SS weitere Morde an Erschöpften. Der Transport wurde auf Nebenstraßen am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf, Wolfau und Hartberg. In Sebersdorf übergab die HJ den Transport Angehörigen des Volkssturms, welche diesen – vermutlich über Ilz und Gnies – weiter nach Gleisdorf führten. Die Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ dürften den Transport bis Graz begleitet haben.

Materialien 11

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): In Hartberg traf der Transport aus Deutsch-Schützen auf weitere Transporte aus dem Raum Rechnitz. Während die Arbeiter aus Deutsch-Schützen zunächst in südlicher Richtung nach Ilz und Gnies und von dort nach Gleisdorf geführt wurden, marschierten die etwa 4000–5000 Juden aus den Rechnitzer Transporten entlang einer nördlicheren Route von Hartberg über Großpesendorf nach Gleisdorf.95 Auf diesem Teilstück kam es zu zahlreichen Fluchten.

Materialien 013

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Grafendorf

Johann Hofer, Stadt und Region HARTBERG, Seite 298ff

Unter dem Titel „Judenmärsche“ handelt Hans Hofer die Todesmärsche und das Geschehen rund um Hartberg ab. Wie üblich greift er dabei auf Zeitzeugen zurück.

Karl Bernleitner, Grafendorf:
Gegen Ende des Krieges wurden durch unseren Ort Richtung Hartberg in Kolonnen Juden aus Budapest getrieben. Es war streng verboten, ihnen was zu essen oder trinken zu geben. Wer nicht konnte, wurde erschossen und von der Bevölkerung gleich neben der Straße nur etwa 50 – 60 cm tief verscharrt, so dass oft noch die Kleidung sichtbar war. Später hatten wir auf unserem Schulweg in die Hauptschule nach Hartberg oft Ängste, weil wir wussten, wo die Toten lagen.

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Graz

Eleonore Lappin: „Von Gleisdorf wurden die Transporte weiter nach Graz geschleust, wo sie auf verschiedene Lager verteilt wurden und einige Tage rasteten. Danach marschierten sie rechts und links der Mur in Richtung Bruck an der Mur, Leoben und Eisenerz.

Materialien 6

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): Sammelpunkt der Kolonnen aus Eberau, Moschendorf, Strem, Reinersdorf, Inzendorf (? gemeint Inzenhof?) und Heiligenkreuz war Bierbaum, von wo die Häftlinge auf zwei verschiedenen Routen nach Ilz und Gnies getrieben wurden. Erst hier löste der örtliche Volkssturm die Wachmannschaften aus den Lagern am Südostwall ab. Die nächsten Sammelpunkte waren Gleisdorf und schließlich Graz.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): Entlang den Routen von Gleisdorf nach Graz wurden nach dem Krieg zahlreiche Gräber von Ermordeten entdeckt: so in Gleisdorf, Brodersdorf, Pircha, Eggersdorf, Kainbach und Mariatrost. Während ein Bauer in Ragnitz zwei Juden zunächst versteckte, sie aber später der SS auslieferte, bot der Bürgermeister von Thondorf, Fritz Edelmann, acht Budapester Juden vom 2. April 1945 bis Kriegsende auf seinem Hof Unterschlupf.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Die Hitlerjungen waren zusammen mit Angehörigen der Waffen-SS auch als Eskorten des Transports [von Rechnitz aus] eingeteilt. Während des Marsches verübten die Mitglieder der HJ und der Waffen-SS weitere Morde an Erschöpften. Der Transport wurde auf Nebenstraßen am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf, Wolfau und Hartberg. In Sebersdorf übergab die HJ den Transport Angehörigen des Volkssturms, welche diesen – vermutlich über Ilz und Gnies – weiter nach Gleisdorf führten. Die Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ dürften den Transport bis Graz begleitet haben.

Materialien 11

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): In Sebersdorf hinter Hartberg wurden die Hitlerjungen vom Volkssturm abgelöst. Damit verlieren sich auch die Spuren der SS-Begleitmannschaft. Es ist allerdings möglich, dass diese den Transport weiterhin begleitete, da Einheiten der SS-Division „Wiking“ entlang dessen weiterer Route nach Gleisdorf und Graz stationiert waren.

Materialien 013

Zeitzeugenprotokoll Yad Vashem (Record Group 0.15 E, Dokument 1982) Jozsef Kardos
„In Haunersdorf (?) verrichteten wir Schanzarbeiten, in der Früh und am Abend mussten wir je 8 Km zu Fuß in die Arbeit und zurück. Währenddessen wurden wir ausgehungert. Wie waren schon sehr schwach, als am 27. März das Lager geräumt wurde und wir zu Fuß Richtung Mauthausen geschickt wurden über Graz-Leoben. Auf dem dreiwöchigen Fußmarsch bekamen wir insgesamt zweimal gekochtes Essen, als wir aufbrachen, bekamen wir nur Brot. Auf dem Weg versuchten wir unseren Hunger mit Gras, Klee und Schnecken zu stillen. Die stark geschwächten Menschen konnten das Tempo nur schwer halten, viele blieben zu weit hinten, diese wurden erschossen.

Zeitzeugenprotokoll Yad Vashem (Record Group 0.15 E, Dokument 1924) Tibor Fehér
„Am 7. März wurden wir nach Szombathely gebracht. Ein paar Tage lang räumten wir Ruinen auf, danach wurden wir auch von hier weitergebracht und am 14. bei St. Gotthard den Deutschen übergeben. Ich kam nach Neumarkt, wo ich 2 Wochen lang war. Hier waren wir 200 und gruben Tankfallen.“

Anfang April gingen wir zu Fuß über Graz nach Mauthausen.

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Grieselstein

Liste der südburgenländischen Lager

Grieselstein, Volksschule; In der Schule brach eine Fleckfieberepidemie aus, sodass die Volksschule zu einem Krankenrevier umfunktioniert wurde. In weiterer Folge kam es zu Erschießungen kranker Zwangsarbeiter bei denen der Schuldirektor Emmerich Mathauser, zugleich auch Organisationsleiter der Jennersdorfer NSDAP-Ortsgruppe, beteiligt war. Ein Massengrab gab es bei der Schlachthalle, ein weiteres auf der sogenannten Dotterwiese.

Material 014

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Großpesendorf

Eleonore Lappin: „In Sebersdorf übergab die HJ den Transport Angehörigen des Volkssturm, welche diese vermutlich über Ilz und Gnies nach Gleisdorf führten. Eine nördlichere Route, welche die etwa 4-5000 Juden aus den Rechnitzer Transporten entlang getrieben wurden, verlief von Hartberg über Großpesendorf nach Gleisdorf.“

Materialien 6

Sammelpunkte, wo die Transporte aus verschiedenen Lagern zusammengelegt oder neu eingeteilt wurden. So trafen die wegen der vorher erfolgten Evakuierungen aus Westungarn sehr zahlreichen ArbeiterInnen, die am 27. oder 28. März aus Rechnitz evakuiert wurden in Hartberg auf die Gruppe Eleonore Lappin (Mobiles Erinnern): Bei den Rückzugsmärschen gab es an mehreren Orten aus Deutsch Schützen. Dort übernahm der Volkssturm die Bewachung der Juden und trieb sie nach Sebersdorf. Ein weiterer Transport aus Köszeg marschierte von Hartberg über Großpesendorf nach Gleisdorf. Hinter Großpesendorf kam es zu zahlreichen Fluchten. In dem kleinen steirischen Ort Kalch wurden mindestens 14 Juden on Dorfbewohnern versteckt und gerettet.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Ein weiterer Transport, welcher in Rechnitz zusammengestellt wurde und etwa 3-5000 Personen umfasste, marschierte über Hartberg und Großpesendorf nach Gleisdorf. Auf diesem Teilstück kam es zu zahlreichen Fluchten. Im kleinen steirischen Ort Kalch wurden mindestens 14 Juden von Dorfbewohnern versteckt und gerettet. In der Umgebung Prebensdorf ging der Volkssturm im Auftrag der Kreisleitung auf die Suche nah Flüchtlingen und nahm 18 Personen fest, die dann zwischen dem 7. und 11. April 1945 von Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ erschossen wurden.

Materialien 11

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): In Hartberg traf der Transport aus Deutsch-Schützen auf weitere Transporte aus dem Raum Rechnitz. Während die Arbeiter aus Deutsch-Schützen zunächst in südlicher Richtung nach Ilz und Gnies und von dort nach Gleisdorf geführt wurden, marschierten die etwa 4000–5000 Juden aus den Rechnitzer Transporten entlang einer nördlicheren Route von Hartberg über Großpesendorf nach Gleisdorf.95 Auf diesem Teilstück kam es zu zahlreichen Fluchten.

Materialien 013

Markus Krenn, Der Todesmarsch ungarisch – jüdischer Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen durch das oberösterreichische Ennstal ins KZ Mauthausen im Frühjahr 1945 – ein mikrohistorischer Versuch. Diplomarbeit, Uni Wien, 2013.
Die Kolonnen der jüdischen SchanzarbeiterInnen aus den zahlreichen grenznahen Lagern im Gau Steiermark konzentrierten sich schließlich in einigen wenigen Ortschaften, wie Bierbaum, Hartberg, Großpesendorf oder Gleisdorf, wonach an diesen Sammelpunkten die Transporte neu eingeteilt und auf jeweils mehreren Routen in Richtung Graz weitergeschleust wurden. Die Märsche auf den Rückzugsrouten ausgehend von der österreichisch – ungarischen Grenze und die Vereinigung von mehreren Häftlingsgruppen an genannten Sammelorten, die schließlich Graz ansteuerten, spiegeln bereits ein Bild wider, welches sich im Laufe der folgenden Tage und Wochen auf dem Todesmarsch durch die Gaue Steiermark und Oberdonau nach Mauthausen abspielen wird.

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Großsteinbach

Exhumierungsprotokoll:

  • Ernö Wohl
  • Ivan Matrei
  • Ferenc Vig

Materialien 7

Tina Walzer: „In den nachfolgenden Orten befinden sich laut Quellen weitere Massengräber, wobei noch zu klären ist, ob diese Gräber nicht exhumiert worden sind, wenn ja, wohin, und ob es weitere Unterlagen zur genauen Lage gibt: Großsteinbach, …“

Materialien 8

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Großwilfersdorf

Kleine Zeitung, 03.04.2017: „72 Jahr nach den Todesmärschen der Juden durch die Oststeiermark erinnern 50 Infotafeln entlang der Route daran. Sie ziehen sich über 25 oststeirische Gemeinden.“

Materialien 016

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Gschmaier bei Ilz

Familie Posch
Die Familie Posch aus Gschmaier 6 bei Ilz, versteckte in der Zeit vom 9. April 1945 bis zum Tag der Befreiung am 8. Mai fünf ungarische Juden bei sich auf ihrem Hof: Joseph Schneider, Martin Lambert, Abe Spiegel, Zulman Glantz und Janosch Wayda. Josefa Posch war als Köchin für die Versorgung von Wehrmachts-Offizieren zuständig. Sie zweigte davon regelmäßig Lebensmittel ab und brachte diese ihren am Heuboden versteckten Flüchtlingen. Josefa Posch und ihr Vater Rupert Posch wurden 2011 in den Kreis der „Gerechten unter den Völkern“ aufgenommen. Die Urkunde wurde von Nationalratspräsidentin Prammer und dem israelischen Botschafter an Anton Posch, dem Sohn von Josefa Posch, im Parlament überreicht. Der Gemeinderat der Stadtgemeinde Gleisdorf fasste 2014 den Beschluss, eine nach einem bekennenden und aktiven Nationalsozialisten benannte Straße umzubenennen. Diese Straße heißt nunmehr „Josefa Posch Straße“.

Material Gschmaier 001

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Güssing

Franz Timischl „Morde an ungarischen Juden“ in „Fürstenfeld – Die Stadtgeschichte“, ab Seite 458
Der einzige konkrete schriftliche Beleg dafür für den Kreis Fürstenfeld ist eine Dienstanweisung vom 22. März 1945, die der Beauftragte für den Stellungsbau im Kreis Fürstenfeld, Kreisleiter Meißl, erteilte. Die Bezeichnung für die Aktion lautete in nationalsozialistischer Umschreibung Rückführung der Juden aus dem Stellungsbau im Falle eines Alarmes (d.h. Vorstoß sowjetischer Truppen an die Reichsschutzstellung). Die Dienstanweisung war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern nur für einen kleinen Kreis von Personen aus der NSDAP – Kreisleiter, Kreisorganisationsleiter, Kreisstabsführer, die Ortsgruppenleiter von Eberau, Strem, Heiligenbrunn und Heiligenkreuz und die Unterabschnittsführer. In den Unterabschnitten Eberau bis Strem war vorgesehen, die Juden einen Tag vor dem Abmarsch im Judenlager Strem zu sammeln und sie tags darauf 33 km von Strem über Güssing, Sulz, Rehgraben, Neusiedl, Deutsch Kaltenbrunn bis Bierbaum marschieren zu lassen. Die jeweiligen Lagerwachen (Strem, Poppendorf, Bierbaum) stellte der Volkssturm, weitere Befehle erteilte Herbert Denk, Mitglied der Ortsgruppe der NSDAP Fürstenfeld. Die Auflösung der Lager um Strem erfolgte um den 29. März. Ein überlebender Zwangsarbeiter schätzte die von Strem weggebrachten Juden, die in Richtung Graz in Marsch gesetzt wurden, auf 5000.

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H

Hannersdorf

Szalbalcs Szita (Mobiles Erinnern): „In Hammersdorf am Tauchen [Anmerkung WB – wahrscheinlich „Hannersdorf an der Tauchen“], unweit von Schandorf waren im Februar und März ebenfalls ungarische Juden im Einsatz: in Burg am Fuße des Eisenbergs die ehemalige Hilfskompanie III/5 unter dem Kommando der OT und am Hang des Königsberges 60 bis 100 Zwangsarbeiter unter der Aufsicht kroatischer SS-Männer. Das Lager Hannersdorf wurde am 27./28. März evakuiert.“

Materialien 10

Zeitzeugenprotokoll Yad Vashem (Record Group 0.15 E, Dokument 1982) Jozsef Kardos
Am 4. Februar wurden wir zu Fuß nah Szombthely gebracht, hier haben die Pfeilkreuzler jeden durchsucht, uns alles weggenommen und viele erschlagen. Von hier aus wurden wir in einen Ort names Burg gebracht, der Organisation Todt übergeben, danach bekamen wir kroatische SS-Wache und wurden zu Fuß nach Haunersdorf gebracht.
In Haunersdorf (?) verrichteten wir Schanzarbeiten, in der Früh und am Abend mussten wir je 8 Km zu Fuß in die Arbeit und zurück. Währenddessen wurden wir ausgehungert. Wie waren schon sehr schwach, als am 27. März das Lager geräumt wurde und wir zu Fuß Richtung Mauthausen geschickt wurden über Graz-Leoben. Auf dem dreiwöchigen Fußmarsch bekamen wir insgesamt zweimal gekochtes Essen, als wir aufbrachen, bekamen wir nur Brot. Auf dem Weg versuchten wir unseren Hunger mit Gras, Klee und Schnecken zu stillen. Die stark geschwächten Menschen konnten das Tempo nur schwer halten, viele blieben zu weit hinten, diese wurden erschossen.

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Hartberg

Eleonore Lappin: „Die Evakuierung der vier Lager im Raum Köszeg erfolgte am 23. März 1945. Die Arbeiter dieser sowie südlicher gelegener Lager wie Bucsu wurden per Bahn nach Rechnitz bzw. Burg gebracht. Von dort marschierten sie nach Markt Neuhodis, Markt Allhau und Hartberg, wo sie auf den Transport aus Deutsch-Schützen stießen. Dieser war von Hitlerjungen auf Straßen und durch die Wälder am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet worden. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf und Wolfau nach Hartberg.“

Materialien 6

Eleonore Lappin: „In Sebersdorf übergab die HJ den Transport Angehörigen des Volkssturm, welche diese vermutlich über Ilz und Gnies nach Gleisdorf führten. Eine nördlichere Route, welche die etwa 4-5000 Juden aus den Rechnitzer Transporten entlang getrieben wurden, verlief von Hartberg über Großpesendorf nach Gleisdorf.“

Materialien 6

Eleonore Lappin: „Bereits am 28. März erfolgte die endgültige Evakuierung ins Landesinnere. Die Insassen der Lager Eberau, Moschendorf, Strem und Reinersdorf wurden in Strem gesammelt und am nächsten Tag auf der Route Strem-Güssing-Sulz-Rehgraben-Neusiedel-Deutsch Kaltenbrunn nach Bierbaum gebracht. Von Bierbaum ging es gemeinsam weiter über Hartberg, Ilz und Gnies nach Gleisdorf.“

Materialien 6

Yad Vashem: ODB „Dasch Bernat, Alter 30, aus der Vojvodina wird mit Todesdatum 03.04.1945 im „Hartberg Camp““ geführt. Murdered in the Shoa.

Materialien 9

Szalbalcs Szita (Mobiles Erinnern): „Die anderen noch in Deutsch-Schützen festgehaltenen ungarischen Häftlinge hatten ihre Rettung vor ähnlichen Massenhinrichtungen nur dem raschen Vormarsch der Roten Armee zu verdanken. Doch nicht alle 150 nach Hartberg in der Steiermark in Marsch gesetzten Juden konnten den Tag ihrer Befreiung erleben, da ihre gehässigen Begleiter jeden, der während des anstrengenden Gewaltmarsches zurückfiel oder am Straßenrand zusammensackte, auf der Stelle erschossen.“

Materialien 10

Eleonore Lappin (Mobiles Erinnern): Bei den Rückzugsmärschen gab es an mehreren Orten Sammelpunkte, wo die Transporte aus verschiedenen Lagern zusammengelegt oder neu eingeteilt wurden. So trafen die wegen der vorher erfolgten Evakuierungen aus Westungarn sehr zahlreichen ArbeiterInnen, die am 27. Oder 28. März aus Rechnitz evakuiert wurden in Hartbeg auf die Gruppe aus Deutsch Schützen. Dort übernahm der Volkssturm die Bewachung der Juden und trieb sie nach Sebersdorf. Ein weiterer Transport aus Köszeg marschierte von Hartberg über Großpesendorf nach Gleisdorf.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Die jüdischen Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, die von Köszeg nach Rechnitz gebracht und dort in zwei Lagern untergebracht worden waren, wurden, wie Judith Hruza berichtete, relativ gut behandelt, bis sie wenige Tage später ihren Marsch durch die Steiermark und Oberösterreich antreten mussten. Ihre Route führte zunächst von Rechnitz nach Markt Neuhodis, Markt Allhau und Hartberg. In Hartberg stießen sie auf den Transport aus Deutsch-Schützen.

Materialien 11

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Die Hitlerjungen waren zusammen mit Angehörigen der Waffen-SS auch als Eskorten des Transports [von Rechnitz aus] eingeteilt. Während des Marsches verübten die Mitglieder der HJ und der Waffen-SS weitere Morde an Erschöpften. Der Transport wurde auf Nebenstraßen am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf, Wolfau und Hartberg. In Sebersdorf übergab die HJ den Transport Angehörigen des Volkssturms, welche diesen – vermutlich über Ilz und Gnies – weiter nach Gleisdorf führten. Die Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ dürften den Transport bis Graz begleitet haben.

Materialien 11

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Ein weiterer Transport, welcher in Rechnitz zusammengestellt wurde und etwa 3-5000 Personen umfasste, marschierte über Hartberg und Großpesendorf nach Gleisdorf. Auf diesem Teilstück kam es zu zahlreichen Fluchten. Im kleinen steirischen Ort Kalch wurden mindestens 14 Juden von Dorfbewohnern versteckt und gerettet. In der Umgebung Prebensdorf ging der Volkssturm im Auftrag der Kreisleitung auf die Suche nah Flüchtlingen und nahm 18 Personen fest, die dann zwischen dem 7. und 11. April 1945 von Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ erschossen wurden.

Materialien 11

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): Bei dem Marsch von Deutsch-Schützen nach Hartberg stellten die Hitlerjungen zusammen mit den SS-Männern die Wachmannschaften. Dabei kam es erneut zu Morden an Erschöpften, welche die SS-Männer mit Unterstützung der Hitlerjungen verübten.89 Frauen aus Oberdorf berichteten nach dem Krieg, dass sie die SS-Männer nicht nur daran hinderten, den erschöpften Juden etwas Nahrung zu geben, sondern diese auch brutal misshandelten. In Sebersdorf hinter Hartberg wurden die Hitlerjungen vom Volkssturm abgelöst. Damit verlieren sich auch die Spuren der SS-Begleitmannschaft.

Materialien 013

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): In Hartberg traf der Transport aus Deutsch-Schützen auf weitere Transporte aus dem Raum Rechnitz. Während die Arbeiter aus Deutsch-Schützen zunächst in südlicher Richtung nach Ilz und Gnies und von dort nach Gleisdorf geführt wurden, marschierten die etwa 4000–5000 Juden aus den Rechnitzer Transporten entlang einer nördlicheren Route von Hartberg über Großpesendorf nach Gleisdorf.95 Auf diesem Teilstück kam es zu zahlreichen Fluchten.

Materialien 013

„Stadt und Region HARTBERG“ – Johann Hofer (ab Seite 298)
Unter dem Titel „Judenmärsche“ handelt Hans Hofer die Todesmärsche und das Geschehen rund um Hartberg ab. Wie üblich greift er dabei auf Zeitzeugen zurück.
Gerhard Bauer, Nürnberg – Hartberg – Nürnberg:
Ich habe einen Judenmarsch durch Hartberg gesehen. Es war ein entsetzlicher Anblick. Sie hatten auf dem Sportplatz übernachtet. Nach meinem Wissensstand sind die Überlebenden über den Präbichl nach Mauthausen gebracht worden.
Hans Fuchs (1897-1997), Hartberg:
Es war am 31. März, Karsamstag des Jahres 1945. „Am Sportplatz befinden sich 2000 ungarische Juden, die wirst du nach Kaindorf bringen. Du erhältst dazu 10 Mann und 20 Patronen.“ So lautete der Befehl meines Volkssturm-Kompaniechefs Probst an mich. Gleich darauf erfolgte die Übernahme an Ort und Stelle.
Auf einen Pfiff des deutschen Unteroffiziers hin erschienen 20 Hundertschaftsführer mit einer H-Binde am Arm und zwei Tausendschaftsführer mit einer T-Binde. Sie erhielten Befehl die 2000 Männer antreten zu lassen. Diesen führten sie in kürzester Zeit aus. Ohne sie gezählt zu haben, hatte ich dem Unteroffizier zu unterschreiben, dass ich 2000 Mann übernommen hätte. Neben dem Sportplatz, auf dem Gelände des Zimmermeisters Singer, gegenüber der heutigen Rieger-Hauptschule, erfolgte für sie von der Ladefläche eines LKW herab die Ausgabe der Menage: Jeder erhielt vier gekochte Erdäpfel. Dann nahmen sie in Achterreihen Aufstellung. Vor dem Haus Hallamayer, Grazer Straße 8, war der Verkehr wieder einmal zum Stillstand gekommen. Plötzlich kamen wie vom Himmel herab auf die Männer Äpfel gefallen. Und gleich darauf noch einmal. Die Frau Hallamayer hatte vom Balkon des 1. Stockes zwei Körbe voll Äpfel auf die Männer geleert. Die Balgerei der Ausgehungerten kann man sich nicht vorstellen. Plötzlich kniet sich einer der Ungarn vor Fuchs nieder und bittet in gutem Deutsch: „Bitte, erschießen sie mich! Ich kann nicht mehr!“ Mit „Ich bin doch kein Mörder!“, wird dies von Fuchs entrüstet zurückgewiesen.
Es war schon finster, als wir zur „Teufelsmühle“ kamen. Die Mühle gibt es heute nicht mehr, aber die Talsenke in Richtung Graz kurz nach der Abzweigung nach Siebenbrunn bzw. Mitterdombach heißt heute noch so. Im Talboden versperrte ein breiter und tiefer Panzergraben das Weiterkommen auf der Straße. Der Verkehr musste einen Umweg machen, um passieren zu können. Einzelpersonen konnten auf darübergelegten Pfosten überqueren. Auf einmal fing es in der Luft zu dröhnen an, der schwarze Nachthimmel begann sich aufzuhellen durch „brennende Christbäume“, die die Bomber in die Luft gesetzt hatten. Keiner achtete mehr auf den anderen, jeder flüchtete, so schnell er konnte, in den Wald. Die Bomben fielen aber nicht auf uns, sondern auf Graz.
Wie viele sich zum Weitermarsch wieder eingefunden haben, weiß ich nicht. Es war ja finster. Ich nehme aber an, dass nicht wenige die Gelegenheit zum Abhauen genützt haben. Im Bereich des Wirtshauses auf der Anhöhe, heute „Bankelwirrt“, machten wir Halt. Die 10 Volkssturmmänner ließ ich bei den Ungarn zurück, ich begab mich zum Ortsgruppenleiter nach Kaindorf, um die Ankunft des Transportes zu melden. Während des Gespräches fiel in der Richtung, in der diee judden lagerten ein Schuss! Dies versetzte den Ortsgruppenleiter in große Nervosität: „Die Juden haben Waffen! Die nehm ich nicht! Die sind eine Gefahr für ganz Kaindorf!“ Alles aufklärende Reden meinerseits half nichts. Zurückgekehrt zu meiner Mannschaft und den lagernden Juden erfuhr ich, dass einer der Volkssturmmänner aus Nervosität abgedrückt hatte. Fuchs weiß, dass er den Befehl auszuführen hat. Gegen Mitternacht führen sie die Juden in den Ort und lassen sie am Hauptplatz und um die Kirche lagern.
Nun meldete ich dem Ortsgruppenleiter unsere Ankunft im Ort. Ich wies ihm abermals den Befehlsschein vor, aus dem eindeutig hervorging, dass er diese 2000 ungarischen Juden – so viele werden es aber bei weitem nicht mehr gewesen sein – zu übernehmen hatte. Er wies das Papier ab und lehnte die Übernahme ab. Ich verteidigte mich: „Das ist mein Befehl, und den habe ich auszuführen!“ Daraufhin gingen wir um 11 und ließen die ungarischen Juden an Ort und Stelle zurück.
Dr. Erna Otschko, geb. Schaffler
Onkel Willi hatte die ersten dieses Elendszuges der sich von Penzendorf her auf der Straße bewegt, von der Kanzlei aus gesehen. Erregt kam er herauf in die Kühe und rief: „Niemand darf beim Fenster hinausschauen! Draußen ziehen furchtbar arme, schwache, abgemagerte Menschen vorbei!“ Da es gegen Mittag war, wollte ihnen die Willi-Frau den großen Topf mit Suppe, die sie eben für die vielen Leute in unserem Haus gekocht hatte und dazu Brot hinausbringen.
„Nein!“, rief Onkel Willi, „wir können nichts machen!“ Wahrscheinlich wollte er sich der Auseinandersetzungen mit den Begleitern ersparen. Meine Mutter widersetzte sich der Anordnung und ging trotzdem zum Fenster. Sie regte sich über den Anblick des Zuges so sehr auf, dass sie zu schreien begann: „Das sind doch Menschen! Treiben sie daher wie eine Herde Vieh!“
Anna Peinsipp, geb. Schweighofer, Penzendorf:
Wir haben damals im Bauer-Haus in der Obendraufstraße gewohnt. Vom Fenster im 1.Stock aus sah ich, wie sich ein Zug von Menschen ganz langsam in die Stadt herein bewegte. Ich war entsetzt, als ich sie aus der Nähe sah. Sie waren so abgemagert und so kraftlos, dass sie nur langsam weiterkamen. Ich schnitt Brot auf, gab es zusammen mit Äpfeln in ein Körbl und schüttete ihnen das hinunter. Sie rauften sich darum. Einer von den Bewachern sah das und schrie zu mir herauf: „Wenn sie das noch einmal machen, knall ich sie herunter!“.
Karoline Wildberger, Ring:
Ich war in der Stadt unten, da sah ich, wie sie einen Transport Juden auf der Straße trieben. Die Begleiter gingen mit aufgepflanztem Gewehr neben her, und als ein Jude einen halben Apfel aufklauben wollte, schlug ihm der Begleiter in die Hand, sodass er den Apfel wieder fallen lassen musste. Ich sah das und sagte zum Begleiter er soll nicht so bös sein. Auf das hin wollte er mich erschießen.

Markus Krenn, Der Todesmarsch ungarisch – jüdischer Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen durch das oberösterreichische Ennstal ins KZ Mauthausen im Frühjahr 1945 – ein mikrohistorischer Versuch. Diplomarbeit, Uni Wien, 2013.
Die Kolonnen der jüdischen SchanzarbeiterInnen aus den zahlreichen grenznahen Lagern im Gau Steiermark konzentrierten sich schließlich in einigen wenigen Ortschaften, wie Bierbaum, Hartberg, Großpesendorf oder Gleisdorf, wonach an diesen Sammelpunkten die Transporte neu eingeteilt und auf jeweils mehreren Routen in Richtung Graz weitergeschleust wurden. Die Märsche auf den Rückzugsrouten ausgehend von der österreichisch – ungarischen Grenze und die Vereinigung von mehreren Häftlingsgruppen an genannten Sammelorten, die schließlich Graz ansteuerten, spiegeln bereits ein Bild wider, welches sich im Laufe der folgenden Tage und Wochen auf dem Todesmarsch durch die Gaue Steiermark und Oberdonau nach Mauthausen abspielen wird.

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Heiligenbrunn

Eleonore Lappin: „Am 24.03.1945 übernahmen 13 Hitlerjungen unter Leitung ihres Führers in Burg 1000 bis 1200 jüdische Arbeiter aus Köszeg. Diese 16- und 17-jährigen Burschen geleiteten den Transport über Eisenberg, Höll, Gaas, Maria Weinberg nach Strem. Unterwegs wurden einzelne Gruppen in Eberau und Moschendorf, wo bereits Juden im Arbeitseinsatz standen, zurückgelassen, die letzten Gruppen dieses Transportes von Strem nach Heiligenbrunn und Reinersdorf weitergeführt.“

Materialien 6

Tina Walzer: „In den nachfolgenden Orten befinden sich laut Quellen weitere Massengräber, wobei noch zu klären ist, ob diese Gräber nicht exhumiert worden sind, wenn ja, wohin, und ob es weitere Unterlagen zur genauen Lage gibt: Heiligenbrunn, …“

Materialien 8

Szalbalcs Szita (Mobiles Erinnern): „Ebenfalls am 25. März, dem Palmsonntag, wurden ungarische Schanzarbeiter unter HJ-Aufsicht an der Maria-Weinberg-Kirche vorbei nach dem nahe gelegenen Heiligenbrunn getrieben. Das erste Opfer wurde noch auf dem Weg zur Wallfahrtskirche erschossen, das zweite fiel etwas später, als die Glocken bereits zum Fest läuteten. Für weitere völlig erschöpfte und entkräftete Juden endete in der Meierei von Heiligenbrunn nicht nur der tödliche Gewaltmarsch.“

Materialien 10

Liste der südburgenländischen Lager
Heiligenbrunn, 100 – 200 Insassen.

Liste der südburgenländischen Lager
Strem, 100 – 200 Belegung, Meierhof von Heiligenbrunn; Nach Ausbruch von Fleckfieber kam es zur Erschießung von mindestens 50 kranken Zwangsarbeitern. Der Abschnittsleiter Paul Schmidt und der HJ-Bannführer Gerulf Schilcher und auch andere verübten während des Baues und auch während der Evakuierung mehrere Morde. Am 30. März 1945 wurde, vermutlich durch Angehörige der 5. SS-Panzer-Division „Wiking“, der Meierhof niedergebrannt, wobei es 32 Tote gab. 1948 erfolgte beim Ersten Stremer Mordprozess vor dem Volksgericht Graz die Verurteilung von Paul Schmidt und einiger Angehöriger der Hitlerjugend.

Materialien 014

Aus dem Urteil Vg 1 Vr 9122/47, LG für Strafsachen Graz

Franz Timischl „Morde an ungarischen Juden“ in „Fürstenfeld – Die Stadtgeschichte“, ab Seite 458:
Der einzige konkrete schriftliche Beleg dafür für den Kreis Fürstenfeld ist eine Dienstanweisung vom 22. März 1945, die der Beauftragte für den Stellungsbau im Kreis Fürstenfeld, Kreisleiter Meißl, erteilte. Die Bezeichnung für die Aktion lautete in nationalsozialistischer Umschreibung Rückführung der Juden aus dem Stellungsbau im Falle eines Alarmes (d.h. Vorstoß sowjetischer Truppen an die Reichsschutzstellung). Die Dienstanweisung war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern nur für einen kleinen Kreis von Personen aus der NSDAP – Kreisleiter, Kreisorganisationsleiter, Kreisstabsführer, die Ortsgruppenleiter von Eberau, Strem, Heiligenbrunn und Heiligenkreuz und die Unterabschnittsführer. In den Unterabschnitten Eberau bis Strem war vorgesehen, die Juden einen Tag vor dem Abmarsch im Judenlager Strem zu sammeln und sie tags darauf 33 km von Strem über Güssing, Sulz, Rehgraben, Neusiedl, Deutsch Kaltenbrunn bis Bierbaum marschieren zu lassen. Die jeweiligen Lagerwachen (Strem, Poppendorf, Bierbaum) stellte der Volkssturm, weitere Befehle erteilte Herbert Denk, Mitglied der Ortsgruppe der NSDAP Fürstenfeld. Die Auflösung der Lager um Strem erfolgte um den 29. März. Ein überlebender Zwangsarbeiter schätzte die von Strem weggebrachten Juden, die in Richtung Graz in Marsch gesetzt wurden, auf 5000.

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Heiligenkreuz

Eleonore Lappin: „Bereits am 28. März erfolgte die endgültige Evakuierung ins Landesinnere. Die Insassen der Lager Eberau, Moschendorf, Strem und Reinersdorf wurden in Strem gesammelt und am nächsten Tag auf der Route Strem-Güssing-Sulz-Rehgraben-Neusiedel-Deutsch Kaltenbrunn nach Bierbaum gebracht. Dorthin kamen auch die Transporte aus den Lagern Inzendorf (? gemeint Inzenhof?), Heiligenkreuz und Popendorf, deren erster Sammelpunkt Popendorf gewesen war. Von dort waren die Transporte nach Rudersdorf-Deutsch Kaltenbrunn und Bierbaum marschiert.“

Materialien 6

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Wolf Gancz macchte einen derartigen Todesmarsch ab Eberau mit und gehörte zu den 6-8000 Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen, die am 7. April 1945 den Präbichl passierten, als dort das berüchtigte Massaker verübt wurde, dem mehr als 200 Menschen zum Opfer fielen. Gancz schildert unter anderem, wie seine Kolonne, die 3000 Personen umfasst haben soll, als sie am 30. März 1945 Eberau verließ, mit Transporten aus den Lagern Strem, Feldbach, Heiligenkreuz, Jennersdorf, Fehring, Schachendorf, Neumarkt an der Raab, Bucsu sowie aus St. Anna am Aigen zusammengelegt wurde.

Materialien 11

Liste der südburgenländischen Lager
Heiligenkreuz im Lafnitztal, Belegung 100 – 200

Material 014

Auszug aus Interview Franz Schmaldienst (Bocksdorf) in „Amiri Historija“
Es hat ja da auch den Südostwall gegeben und die Grabungen. Es hat die Todesmärsche der Juden gegeben. Wie ist das vor sich gegangen?
Als die Front hier hergekommen ist, sind die Jugendlichen mit 15, nach der Schule, in Heiligenkreuz und Strem (Güssing) zum Schanzen eingesetzt worden. Da waren auch HJ-Führer dabei. Ein Schulfreund von mir hat mir erzählt, dass dann eines Tages ungarische Juden gekommen sind. Sie haben einen eigenen Platz gehabt, wo sie unter sich haben schanzen müssen. Und dort war ein Meierhof, ein Stadel. Dort waren zwei-, dreihundert drinnen und dann ist Typhus ausgebrochen. Doch dort ist keiner hineingegangen, um sie ärztlich zu versorgen.

Material 015

Franz Timischl „Morde an ungarischen Juden“ in „Fürstenfeld – Die Stadtgeschichte“, ab Seite 458:
Der einzige konkrete schriftliche Beleg dafür für den Kreis Fürstenfeld ist eine Dienstanweisung vom 22. März 1945, die der Beauftragte für den Stellungsbau im Kreis Fürstenfeld, Kreisleiter Meißl, erteilte. Die Bezeichnung für die Aktion lautete in nationalsozialistischer Umschreibung Rückführung der Juden aus dem Stellungsbau im Falle eines Alarmes (d.h. Vorstoß sowjetischer Truppen an die Reichsschutzstellung). Die Dienstanweisung war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern nur für einen kleinen Kreis von Personen aus der NSDAP – Kreisleiter, Kreisorganisationsleiter, Kreisstabsführer, die Ortsgruppenleiter von Eberau, Strem, Heiligenbrunn und Heiligenkreuz und die Unterabschnittsführer. In den Unterabschnitten Eberau bis Strem war vorgesehen, die Juden einen Tag vor dem Abmarsch im Judenlager Strem zu sammeln und sie tags darauf 33 km von Strem über Güssing, Sulz, Rehgraben, Neusiedl, Deutsch Kaltenbrunn bis Bierbaum marschieren zu lassen. Die jeweiligen Lagerwachen (Strem, Poppendorf, Bierbaum) stellte der Volkssturm, weitere Befehle erteilte Herbert Denk, Mitglied der Ortsgruppe der NSDAP Fürstenfeld. Die Auflösung der Lager um Strem erfolgte um den 29. März. Ein überlebender Zwangsarbeiter schätzte die von Strem weggebrachten Juden, die in Richtung Graz in Marsch gesetzt wurden, auf 5000.

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Hofstätten

Kleine Zeitung, 03.04.2017: „72 Jahr nach den Todesmärschen der Juden durch die Oststeiermark erinnern 50 Infotafeln entlang der Route daran. Sie ziehen sich über 25 oststeirische Gemeinden.“

Materialien 016

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Höll

Eleonore Lappin: „Am 24.03.1945 übernahmen 13 Hitlerjungen unter Leitung ihres Führers in Burg 1000 bis 1200 jüdische Arbeiter aus Köszeg. Diese 16- und 17-jährigen Burschen geleiteten den Transport über Eisenberg, Höll, Gaas, Maria Weinberg nach Strem.

Materialien 6

Tina Walzer: „In den nachfolgenden Orten befinden sich laut Quellen weitere Massengräber, wobei noch zu klären ist, ob diese Gräber nicht exhumiert worden sind, wenn ja, wohin, und ob es weitere Unterlagen zur genauen Lage gibt: Höll, …“

Materialien 8

Szalbalcs Szita (Mobiles Erinnern): „Die ungarischen Häftlinge von Eberau wurden am 29. März in Reih und Glied gestellt und nach Mauthausen in Marsch gesetzt. Während der Evakuierungsmärsche März 1945 passierten zahlreiche ungarische Deportierte die an der historischen Weinstraße liegende Gemeinde Gaas im Pinkatal. Südlich vom stillen Dörfchen, wo auf eine Anhöhe des Kulmer Waldes das heute berühmteste Maria-Heiligtum im Burgenland, ein bedeutender Wallfahrtsort zu ist, wurden am 25. März nahezu 1000 ungarische Juden von Angehörigen der Hitlerjugend übernommen. Einige von anstrengenden Marsch bergauf völlig erschöpften Juden, die am Ende der Kolonne zurückblieben bzw. zu Boden sanken, wurden auf Befehl von HJ-Bannführer Schiller erschossen. Zur Liquidierung nicht mehr marschfähiger Häftlinge war es schon vorher im Zentrum von Gaas gekommen, aber auch bei Höll, wo Walter Steiner und zwei uniformierte politische Leiter von Wachpersonal zwei ungarische Juden ermordeten.“

Materialien 10

Aus dem Urteil Vg 1 Vr 9122/47, LG für Strafsachen Graz

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Hürth

Tina Walzer: „In den nachfolgenden Orten befinden sich laut Quellen weitere Massengräber, wobei noch zu klären ist, ob diese Gräber nicht exhumiert worden sind, wenn ja, wohin, und ob es weitere Unterlagen zur genauen Lage gibt: Hürth, …“

Materialien 8

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I

Ilz

Eleonore Lappin: „In Sebersdorf übergab die HJ den Transport Angehörigen des Volkssturmes, welche diesen vermutlich über Ilz und Gnies weiter nach Gleisdorf führten.“

Materialien 6

Eleonore Lappin: „Bereits am 28. März erfolgte die endgültige Evakuierung ins Landesinnere. Die Insassen der Lager Eberau, Moschendorf, Strem und Reinersdorf wurden in Strem gesammelt und am nächsten Tag auf der Route Strem-Güssing-Sulz-Rehgraben-Neusiedel-Deutsch Kaltenbrunn nach Bierbaum gebracht. Von Bierbaum ging es gemeinsam weiter über Hartberg, Ilz und Gnies nach Gleisdorf.“

Materialien 6

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): Sammelpunkt der Kolonnen aus Eberau, Moschendorf, Strem, Reinersdorf, Inzendorf (? gemeint Inzenhof?) und Heiligenkreuz war Bierbaum, von wo die Häftlinge auf zwei verschiedenen Routen nach Ilz und Gnies getrieben wurden. Erst hier löste der örtliche Volkssturm die Wachmannschaften aus den Lagern am Südostwall ab.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Die Hitlerjungen waren zusammen mit Angehörigen der Waffen-SS auch als Eskorten des Transports [von Rechnitz aus] eingeteilt. Während des Marsches verübten die Mitglieder der HJ und der Waffen-SS weitere Morde an Erschöpften. Der Transport wurde auf Nebenstraßen am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf, Wolfau und Hartberg. In Sebersdorf übergab die HJ den Transport Angehörigen des Volkssturms, welche diesen – vermutlich über Ilz und Gnies – weiter nach Gleisdorf führten. Die Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ dürften den Transport bis Graz begleitet haben.

Materialien 11

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): In Hartberg traf der Transport aus Deutsch-Schützen auf weitere Transporte aus dem Raum Rechnitz. Während die Arbeiter aus Deutsch-Schützen zunächst in südlicher Richtung nach Ilz und Gnies und von dort nach Gleisdorf geführt wurden, marschierten die etwa 4000–5000 Juden aus den Rechnitzer Transporten entlang einer nördlicheren Route von Hartberg über Großpesendorf nach Gleisdorf.95 Auf diesem Teilstück kam es zu zahlreichen Fluchten.

Materialien 013

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Inzenhof

Eleonore Lappin: „Bereits am 28. März erfolgte die endgültige Evakuierung ins Landesinnere. Die Insassen der Lager Eberau, Moschendorf, Strem und Reinersdorf wurden in Strem gesammelt und am nächsten Tag auf der Route Strem-Güssing-Sulz-Rehgraben-Neusiedel-Deutsch Kaltenbrunn nach Bierbaum gebracht. Dorthin kamen auch die Transporte aus den Lagern Inzendorf (? gemeint Inzenhof?), Heiligenkreuz und Popendorf, deren erster Sammelpunkt Popendorf gewesen war. Von dort waren die Transporte nach Rudersdorf-Deutsch Kaltenbrunn und Bierbaum marschiert.“

Materialien 006

Liste der südburgenländischen Lager
Inzendorf (? gemeint Inzenhof?), Belegung 100 – 200; Bei der Evakuierung Ende März 1945 wurden 15 kranke Zwangsarbeiter mit Hämmern erschlagen. 1946 kam es zum Mordprozess mit der Verurteilung des Haupttäters Ludwig Schweitzer.

Materialien 014

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J

Jabing

Eleonore Lappin: „Die Evakuierung der vier Lager im Raum Köszeg erfolgte am 23. März 1945. Die Arbeiter dieser sowie südlicher gelegener Lager wie Bucsu wurden per Bahn nach Rechnitz bzw. Burg gebracht. Von dort marschierten sie nach Markt Neuhodis, Markt Allhau und Hartberg, wo sie auf den Transport aus Deutsch-Schützen stießen. Dieser war von Hitlerjungen auf Straßen und durch die Wälder am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet worden. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf und Wolfau nach Hartberg.“

Materialien 6

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Die Hitlerjungen waren zusammen mit Angehörigen der Waffen-SS auch als Eskorten des Transports [von Rechnitz aus] eingeteilt. Während des Marsches verübten die Mitglieder der HJ und der Waffen-SS weitere Morde an Erschöpften. Der Transport wurde auf Nebenstraßen am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf, Wolfau und Hartberg. In Sebersdorf übergab die HJ den Transport Angehörigen des Volkssturms, welche diesen – vermutlich über Ilz und Gnies – weiter nach Gleisdorf führten. Die Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ dürften den Transport bis Graz begleitet haben.

Materialien 11

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Jennersdorf

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): Bereits am 23. März wurden Arbeiter aus dem Lager Jennersdorf per Bahn nach Feldbach verbracht. Im Feldbacher Bahnhof geriet der Zug in einen Angriff alliierter Tiefflieger, wodurch zahlreiche Juden verletzt oder getötet wurden.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Wolf Gancz machte einen derartigen Todesmarsch ab Eberau mit und gehörte zu den 6-8000 Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen, die am 7. April 1945 den Präbichl passierten, als dort das berüchtigte Massaker verübt wurde, dem mehr als 200 Menschen zum Opfer fielen. Gancz schildert unter anderem, wie seine Kolonne, die 3000 Personen umfasst haben soll, als sie am 30. März 1945 Eberau verließ, mit Transporten aus den Lagern Strem, Feldbach, Heiligenkreuz, Jennersdorf, Fehring, Schachendorf, Neumarkt an der Raab, Bucsu sowie aus St. Anna am Aigen zusammengelegt wurde.

Materialien 11

Liste der südburgenländischen Lager
Jennersdorf, Belegung 300 – 400, Ziegelei, ehemalige Lederfabrik, Volksschule, Meierhof; In der Hauptschule befand sich der Stab einer kroatischen Waffen-SS-Einheit. Juden, die ihr Arbeitspensum nicht erfüllten, wurden hier verprügelt. Besonders graumsam waren die beiden Volkssdeutschen Wilhelm Mohr und Franz Paul, beides ebenfalls SS-Angehörige. Im Februar kam es beim ehemaligen Aasplatz zu einem Massaker an rund 30 nicht arbeitsfähigen Juden bei dem Mohr und Paul die Hauptäter waren. Die Einwohner von Jennersdorf protestierten offen sowohl hinsichtlich der grausamen Behandlung der Juden durch die Waffen-SS als auch gegen das Massaker. Zu einem weiteren Massaker an kranken Juden kam es, nachdem eine Einheit der 5. SS-Panzer-Division „Wiking“ Jennersdorf für kurze Zeit von der Roten Armee zurückerobert hatte, und diese Zeitspanne dazu nutzte zurückgelassene Zwangsarbeiter zu ermorden. Zu einer gerichtlichen Verurteilung der Verantwortlichen kam es nicht. 1966 wurde von Vertretern des Innenministeriums und von Simon Wiesenthal das Grab beim Aasplatz ermittelt, die sterblichen Überreste der Ermordeten wurden auf den jüdischen Friedhof in Graz umgebettet.

Material 014

Regiowikiat
Die Massaker von Jennersdorf
Jennersdorf bildete den Unterabschnitt V/7 im Kreis Feldbach. Verantwortlicher Abschnittsleiter war Felix Luckmann, NSDAP-Ortsgruppenleiter von Jennersdorf. In der Ortschaft wurden an mehreren Stellen jüdische Zwangsarbeiter einquartiert, wie zum Beispiel in den Volksschulen von Jennersdorf und Grieselstein, in einer ehemaligen Lederfabrik, in einer Ziegelei, einem Meierhof und einem Gasthof, insgesamt rund 300 bis 400 Menschen. Zusätzlich wurden jeden Tag Hunderte weitere Zwangsarbeiter mit der Bahn aus Fehring und Feldbach zum Schanzen antransportiert. [16]
In Jennersdorf war auch ein Bataillon der aufgelösten 23. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Kama“ (kroatische Nr. 2) stationiert, der Bataillonsstab war in der Hauptschule untergebracht. Das Bataillon bestand aus rund 320 Mann, in der Masse bosnische Muslime, der Rest waren Volksdeutsche. Zwei dieser Volksdeutschen, Wilhelm Mohr und Franz Paul, waren für ihre Brutalität berüchtigt. Erfüllten einzelne jüdische Zwangsarbeiter ihr Tagessoll nicht, wurden sie in der Hauptschule übel verprügelt.[16]
In der Volksschule Grieselstein brach in weiterer Folge eine Fleckfieberepedemie aus. Als im Februar ein weiterer Bahntransport aus Fehring mit einigen kranken Zwangsarbeitern ankam, wurden 29 nicht arbeitsfähige Juden vom anwesenden Amtsarzt Josef Schütz ausselektiert. Am Abend brachten sie Wilhelm Mohr und Franz Paul in Begleitung weiterer muslimischer SS-Angehöriger zum Pulverturm beim Aasplatz (Lage ▼), ein Grundstück in der Nähe der Hauptschule, auf dem tote Tiere begraben wurden und das daher vom Volksmund auch als „Tiergarten“ bezeichnet wurde. Dort wurden die ungarischen Juden, nachdem man sie zuvor noch ausraubte, entweder von Mohr, Paul oder dem ebenfalls anwesenden SS-Hauptscharführer Theodor Amlinger erschossen oder von den Bosniaken mit Grabungswerkzeugen erschlagen. Anschließend vergruben die bosnischen SS-Soldaten die Körper der Ermordeten auf dem Aasplatz.[39] Die Ortsbewohner zeigten sich angesichts des Massakers aber auch der schlechten Behandlung der ungarischen Zwangsarbeiter sehr aufgebracht und brachten dies gegenüber den SS-Soldaten auch zum Ausdruck.
Als die Zahl der Erkrankten weiter zunahm, wurde in der Volksschule Grieselstein ein Krankenrevier eingerichtet. Rund 25 Kranke wurden im Februar unter Beisein von Volksschuldirektor Emmerich Mathauser, der zugleich NS-Organisationsleiter der Ortsgruppe Jennersdorf war, ausselektiert und zwischen Grieselstein und Jennersdorf erschossen.[39] Dieser Vorgang wiederholte sich im März ein zweites Mal. Ein Massengrab, das sich bei der Schlachthalle befunden hatte, wurde von den sowjetischen Behörden 1945/46 aufgelöst und die Leichen nach unbekannt umgebettet. Ein zweites Grab mit bis zu 20 Leichen soll sich auf der Dotterwiese bei Grieselstein befunden haben.[40]
Nachdem die Rote Armee Jennersdorf besetzt hatte, blieben etwa 40 Kranke auf dem Areal der Ziegelei und in einem Zelt zurück. Soldaten der 5. SS-Panzer-Division „Wiking“ gelang kurzfristig die Rückeroberung von Jennersdorf, dabei nutzten sie diese kurze Zeitspanne um die zurückgelassenen Zwangsarbeiter im Krankenzelt zu ermorden, während diejenigen, die sich in der Ziegelei aufgehalten hatten, unentdeckt blieben. Die Leichen dieses letzten Massakers wurden angeblich verbrannt.[40]
Ermittlungen der Gendarmerie nach Ende der Kämpfe richteten sich vor allem gegen die lokalen Nazi-Größen wie Felix Luckmann und Emmerich Mathauser, den Amtsarzt Josef Schütz, der für die Selektion der 29 arbeitsunfähigen Juden verantwortlich war, die unmittelbar danach auf dem Aasplatz ermordet wurden, sowie einige weitere Mitläufer. Zu einer Verurteilung kam es aber nie, da die Männer untertauchten. Auch den beiden Haupttätern, die SS-Männer Wilhelm Mohr und Franz Paul, die 1961 in Deutschland ausgeforscht wurden, blieb letztendlich eine Gefängnisstrafe erspart.[41]
Im Jahre 1966 führte das Innenministerium, unterstützt von Simon Wiesenthal, Untersuchungen in Jennersdorf durch. Dabei wurde ein Grab mit sieben und ein weiters mit 16 Leichen auf dem Aasplatz entdeckt. Die übel zugerichteten Leichname wurden der Israelistischen Kultusgemeinde Graz übergeben, welche eine Umbettung auf den Jüdischen Friedhof Graz vornahm.[41]
„Schanzen“ beim Südostwall
Ende Juli 1944 befahl Adolf Hitler den Bau von Befestigungsbauten, Reichsschutzstellung oder Südostwall genannt, entlang der Reichsgrenze im Osten, um das Deutsche Reich vor der Sowjetarmee zu sichern. In kürzester Zeit, mit den wenigen noch vorhandenen Mitteln und mit enormem Einsatz von menschlicher Arbeitskraft, sollte ein Sperrwall errichtet werden. Im Herbst 1944 begann im Burgenland die Errichtung der Reichsschutzstellung, die zumeist aus einem Panzergraben, Panzersperren und Laufgräben bestand.

„Schanzer“ aus Krennach/Riegersburg (Kreis Feldbach) bei Arbeiten am Südostwall in Jennersdorf. (Quelle Adi Lang, St. Kathrein)

Theresia Oberecker (Heiligenkreuz, Bezirk Jennersdorf, Jg. 1924), über die Schanzarbeiten: „Schon im Sommer 1944 wussten wir durch Informationen von rumänischen Flüchtlingen und Frontsoldaten, die auf Heimaturlaub waren, dass der Krieg verloren war. Nur die eifrigsten Nationalsozialisten im Dorf phantasierten noch vom Endsieg. Als im Herbst 1944 der Befehl ausgegeben wurde, das Reich durch einen Wall zu schützen, erreichte die Propagandawelle einen letzten Höhepunkt. Alle wussten aber, dass die Front an diesem Wall oder Verteidigungsgraben länger dauern wird, was dann bei uns ja auch eingetreten ist.
Vorerst musste jedes Haus einen Schanzer stellen. Hinzu kamen Fremd-Ost- und Zwangsarbeiter, ungarische Juden, Kriegsgefangene aber auch Arbeiter aus anderen Orten, die mit Lastwägen hierher gebracht wurden. Ich war mit elf anderen Frauen zur Versorgungsgruppe eingeteilt, die in zwei Schichten zu je sechs Personen täglich das Essen zubereiten musste. Meist gab es Kartoffelsuppe mit Kohl oder Rüben. In sechs großen Dampfkesseln haben wir damals für ca. 1.500 Personen gekocht. Jeden Tag war der Fußboden mit einem riesigen Berg von Kartoffelschalen bedeckt aber trotzdem war immer zu wenig Essen vorhanden – die Juden haben meist gar nichts bekommen. Grundsätzlich hat es nur einmal für die Schanzer am Tag, so gegen 14.00 Uhr Essen gegeben. Am Abend sind die vielen fremden Schanzarbeiter, obwohl es streng verboten war, zu den Bauern gekommen und haben um Brot und Wasser gebettelt. Es war schrecklich, wie diese Menschen von den brutalen SS-Wachen behandelt wurden. Einige sind auch vor Erschöpfung, meist waren es Juden, gestorben oder wurden einfach erschossen.“
(Quelle: Lang Adi: NS-Regime, Kriegsende und russische Besatzungszeit im Südburgenland. Oberwart 2011, S. 284)

Franz Timischl: „Loipersdorf – Dietersdorf – Gillersdorf“
Wie es tatsächlich beim Schanzen zuging, das beschreibt auch Pfarrer Gutmann: „Die Burschen vom 14. bis zum 17. Lebensjahr – die darüber waren ja schon in der Wehrmacht – wurden in die Gegend von Güssing gebracht …, wo sie neben Schanzarbeiten als ´Hitlerjungen´ auch weltanschaulich geschult und für die Verteidigung der Heimat militärisch gedrillt wurden. In Massenquartieren waren sie untergebracht, wo sie bei sehr nassem Wetter in ungeheizten Räumen und miserabler Verköstigung wohnen mussten. Jede, auch die kleinste Widersetzlichkeit wurde mit Schlägen seitens ihrer ´Führer´ (meistens 18-jährige für Hitler begeisterte Burschen) gestraft. Dass die Begeisterung bei solcher Behandlung nicht größer, sondern kleiner wurde, ist wohl verständlich. Drei Wochen dauerte ein ´Turnus´. Dann kamen andere Burschen an die Reihe. So ging es abwechselnd. Viele Männer von hier – bis zum 60. Lebensjahre – kamen in die Stremer Gegend in der Nähe von Güssing, mussten dort bei reichlichem Regen und auch bei Schnee Schanzgräben aufwerfen. Für diese Arbeit gab es gewiss auch Bezahlung. Aber die Burschen mussten diesen Sold ´freiwillig´ für die Winterhilfe geben, so dass sie fast nicht einmal die Mittel auftreiben konnten, [um] heimreisen zu können.“
Große Schanzarbeiten wurden auch bei Jennersdorf durchgeführt, zu denen auch Leute – Männer wie Frauen – aus dem Raabtal, sowie aus der Gleichenberger und Gnaser Gegend herangezogen wurden. Der Transport dieser Personen erfolgte morgens und abends mit dem Zug. Bei einem Tieffliegerangriff kamen 12 Personen, großteils Mädchen, ums Leben. Am 26. Februar 1945 wurde der von Jennersdorf nach Fehring fahrende Eisenbahnzug mit Hitlerjungen, die von Stellungsbau nach Hause gebracht wurden, in der Haltestelle Hohenbrugg von britischen Tieffliegern angegriffen, Dabei gab es 15 Tote und 45 Verletzte.

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K

Kainbach

Exhumierungsprotokoll:

  • Lajos Fried

Materialien 6

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): Entlang den Routen von Gleisdorf nach Graz wurden nach dem Krieg zahlreiche Gräber von Ermordeten entdeckt: so in Gleisdorf, Brodersdorf, Pircha, Eggersdorf, Kainbach und Mariatrost.

Materialien 10

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Kaindorf

Kleine Zeitung, 03.04.2017: „72 Jahr nach den Todesmärschen der Juden durch die Oststeiermark erinnern 50 Infotafeln entlang der Route daran. Sie ziehen sich über 25 oststeirische Gemeinden.“

Materialien 016

„Stadt und Region HARTBERG“ – Johann Hofer (ab Seite 298):
Unter dem Titel „Judenmärsche“ handelt Hans Hofer die Todesmärsche und das Geschehen rund um Hartberg ab. Wie üblich greift er dabei auf Zeitzeugen zurück.
Hans Fuchs (1897-1997), Hartberg:
Es war schon finster, als wir zur „Teufelsmühle“ kamen. Die Mühle gibt es heute nicht mehr, aber die Talsenke in Richtung Graz kurz nach der Abzweigung nach Siebenbrunn bzw. Mitterdombach heißt heute noch so. Im Talboden versperrte ein breiter und tiefer Panzergraben das Weiterkommen auf der Straße. Der Verkehr musste einen Umweg machen, um passieren zu können. Einzelpersonen konnten auf darübergelegten Pfosten überqueren.
Auf einmal fing es in der Luft zu dröhnen an, der schwarze Nachthimmel begann sich aufzuhellen durch „brennende Christbäume“, die die Bomber in die Luft gesetzt hatten. Keiner achtete mehr auf den anderen, jeder flüchtete, so schnell er konnte, in den Wald. Die Bomben fielen aber nicht auf uns, sondern auf Graz.
Wie viele sich zum Weitermarsch wieder eingefunden haben, weiß ich nicht. Es war ja finster. Ich nehme aber an, dass nicht wenige die Gelegenheit zum Abhauen genützt haben.
Im Bereich des Wirtshauses auf der Anhöhe, heute „Bankelwirrt“, machten wir Halt. Die 10 Volkssturmmänner ließ ich bei den Ungarn zurück, ich begab mich zum Ortsgruppenleiter nach Kaindorf, um die Ankunft des Transportes zu melden. Während des Gespräches fiel in der Richtung, in der diee judden lagerten ein Schuss! Dies versetzte den Ortsgruppenleiter in große Nervosität: „Die Juden haben Waffen! Die nehm ich nicht! Die sind eine Gefahr für ganz Kaindorf!“ Alles aufklärende Reden meinerseits half nichts. Zurückgekehrt zu meiner Mannschaft und den lagernden Juden erfuhr ich, dass einer der Volkssturmmänner aus Nervosität abgedrückt hatte.
Fuchs weiß, dass er den Befehl auszuführen hat. Gegen Mitternacht führen sie die Juden in den Ort und lassen sie am Hauptplatz und um die Kirche lagern.
Nun meldete ich dem Ortsgruppenleiter unsere Ankunft im Ort. Ich wies ihm abermals den Befehlsschein vor, aus dem eindeutig hervorging, dass er diese 2000 ungarischen Juden – so viele werden es aber bei weitem nicht mehr gewesen sein – zu übernehmen hatte. Er wies das Papier ab und lehnte die Übernahme ab. Ich verteidigte mich: „Das ist mein Befehl, und den habe ich auszuführen!“ Daraufhin gingen wir um 11 und ließen die ungarischen Juden an Ort und Stelle zurück.
Helmut Kupferschied, Kaindorf – Pöllau:
Es muss vor dem 1. April gewesen sein, denn an diesem Tag, dem Ostersonntag, verließ ich mit meiner Familie Kaindorf. Es war Tag, als ich auf der Durchzugsstraße in Kaindorf auf der Höhe der alten Schule, nahe der Kirche einen Zug von dahinwankenden Gestalten sah. Sie kamen aus Richtung Hartberg. Ich war über ihr Aussehen sehr betroffen. Sie trugen zerlumpte Kleidung und mussten körperlich sehr schwach gewesen sein.
Dr. Willibald Rodler, Kaindorf – Graz:
Es war vor Ostern und bei Tag. Ich stand vor unserem Haus direkt an der Straße. Da kam auf der staubigen Straße von Hartberg her über den Riegel herunter ein langer Zug von Menschen. Ihre Augen waren voll Angst und tief in den Höhlen liegend, ihre abgetragenen Kleider hingen nur so auf ihren sehr mageren Körpern. Ihnen zur Seite gingen bewaffnete Wachposten.
Ich rief nach der Mutter. Sie wusste sogleich, wie zu helfen war. „Hl einen Kübel Wasser zum Trinken!“ rief sie mir zu. Ich hatte den Kübel kaum an den Straßenrand gestellt, als ein Wachposten ein paar schnelle Schritte zu uns her machte und mit dem Ausruf „Weg!“ dem Kübel einen Fußtritt versetzte, sodass er umkippte.
Anton Rechberger, Gastwirt Kaindorf:
Sie erbarmten uns, weil sie so müde und schwach daherkamen. An einem vergitterten Fenster begann die Mutter Brot aufzuschneiden und es stückweise an die Hungrigen hinauszureichen. Mein Bruder und ich warfen durchs Fenster Äpfel hinaus. Wenn der jeweilige Begleitposten in die Nähe des Fensters kann, verjagte er zwar die hungrigen Gestalten, er musste aber selbst auch weiter. Bis der nächste Posten nachkam, dauerte es doch ein wenig, und diese Zeit nützten die Nachkommenden, um am Fenster etwas zu erwischen. Jeder nachkommende Posten verbot der Mutter zwar auf das Strengste, Brot zu verteilen, wer aber schon ein Stück erwischt hatte, dem wurde es nicht weggenommen. Wenn der jeweilige Posten weg war, schnitt die Mutter weiter Brot ab.

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Kalch

Tina Walzer: „In den nachfolgenden Orten befinden sich laut Quellen weitere Massengräber, wobei noch zu klären ist, ob diese Gräber nicht exhumiert worden sind, wenn ja, wohin, und ob es weitere Unterlagen zur genauen Lage gibt: Kalch, …“

Materialien 8

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): In anderen Lagern wurden Nifchtmarschfähige zurückgelassen und kurze Zeit später von Mordkommandos der Waffen-SS liquidiert. Bereits am 23. März hatte eine derartige Einheit 83 isolierte Kranke aus den Lagern Neuhaus und Kalch ermordet.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): So trafen die wegen der vorher erfolgten Evakuierungen aus Westungarn sehr zahlreichen ArbeiterInnen, die am 27. oder 28. März aus Rechnitz evakuiert wurden in Hartberg auf die Gruppe Eleonore Lappin (Mobiles Erinnern): Bei den Rückzugsmärschen gab es an mehreren Orten aus Deutsch Schützen. Dort übernahm der Volkssturm die Bewachung der Juden und trieb sie nach Sebersdorf. Ein weiterer Transport aus Köszeg marschierte von Hartberg über Großpesendorf nach Gleisdorf. Hinter Großpesendorf kam es zu zahlreichen Fluchten. In dem kleinen steirischen Ort Kalch wurden mindestens 14 Juden von Dorfbewohnern versteckt und gerettet.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Ein weiterer Transport, welcher in Rechnitz zusammengestellt wurde und etwa 3-5000 Personen umfasste, marschierte über Hartberg und Großpesendorf nach Gleisdorf. Auf diesem Teilstück kam es zu zahlreichen Fluchten. Im kleinen steirischen Ort Kalch wurden mindestens 14 Juden von Dorfbewohnern versteckt und gerettet. In der Umgebung Prebensdorf ging der Volkssturm im Auftrag der Kreisleitung auf die Suche nah Flüchtlingen und nahm 18 Personen fest, die dann zwischen dem 7. Und 11. April 1945 von Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ erschossen wurden.

Materialien 11

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): In Neuhaus und Kalch wurden kranke Juden ebenfalls von SS-Kommandos ermordet, doch konnten die Täter und deren Einheiten nicht ermittelt werden.

Material 013

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): In Kalch wurden mindestens 14 Juden von der Bevölkerung versteckt und gerettet.96

Material 013

Liste der südburgenländischen Lager
Kalch, Schule; Während sich kroatische Waffen-SS-Angehörige sehr grausam gegenüber den Zwangsarbeitern verhielten, waren nach Aussagen Überlebender die Bevölkerung und die Volkssturmmänner sehr bemüht zu helfen.

Material 014>

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Kirchbach

Kleine Zeitung, 03.04.2017: „72 Jahr nach den Todesmärschen der Juden durch die Oststeiermark erinnern 50 Infotafeln entlang der Route daran. Sie ziehen sich über 25 oststeirische Gemeinden.“

Materialien 016

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Kirchberg an der Raab

Eleonore Lappin: „Die Insassen der südlichsten Lager wie Klöch und Radkersburg marschierten über Hürth nach Jagersberg, St.Stefan im Rosental und Kirchberg an der Raab nach Gleisdorf.“

Materialien 6

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Kirchfidisch

Eleonore Lappin: „Die Evakuierung der vier Lager im Raum Köszeg erfolgte am 23. März 1945. Die Arbeiter dieser sowie südlicher gelegener Lager wie Bucsu wurden per Bahn nach Rechnitz bzw. Burg gebracht. Von dort marschierten sie nach Markt Neuhodis, Markt Allhau und Hartberg, wo sie auf den Transport aus Deutsch-Schützen stießen. Dieser war von Hitlerjungen auf Straßen und durch die Wälder am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet worden. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf und Wolfau nach Hartberg.“

Materialien 6

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Die Hitlerjungen waren zusammen mit Angehörigen der Waffen-SS auch als Eskorten des Transports [von Rechnitz aus] eingeteilt. Während des Marsches verübten die Mitglieder der HJ und der Waffen-SS weitere Morde an Erschöpften. Der Transport wurde auf Nebenstraßen am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf, Wolfau und Hartberg. In Sebersdorf übergab die HJ den Transport Angehörigen des Volkssturms, welche diesen – vermutlich über Ilz und Gnies – weiter nach Gleisdorf führten. Die Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ dürften den Transport bis Graz begleitet haben.

Materialien 11

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Klöch

Als im steirischen Abschnitt Feldbach im Februar 1945 unter den jüdischen Schanzarbeitern Flecktyphus ausbrach, befahl die Gauleitung in einigen Lagern die Erschießung von Kranken, angeblich auch, um die Seuche einzudämmen. Da in der Umgebung kroatische Waffen-SS stationiert war, die in einigen Lagern auch die Wachmannschaften für die Juden stellte, konnten die zuständigen Abschnittsleitungen sie für die Erschießungen gewinnen. Nur in Klöch mussten Angehörige des Volkssturms das Massaker an Kranken selbst durchführen. (Fußnote 52) Doch auch ohne Erschießungen war die Sterberate in vielen Lagern entlang des „Südostwall“s hoch.

Materialien 1

Gendarmeriechronik Klöch: „Aus einem beigelegten Blatt von 1946 geht hervor: ´Im Jahre 1944-1945 wurden im hiesigen Postenrayone ca 122 Juden von SA. Und Volkssturmmännern erschossen uns sind in 3 Massengräbern auf freiem Gelände beerdigt.“

Materialien 5

Eleonore Lappin: „Die Insassen der südlichsten Lager wie Klöch und Radkersburg marschierten über Hürth nach Jagersberg, St.Stefan im Rosental und Kirchberg an der Raab nach Gleisdorf.“

Materialien 6

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): In Klöch wurden ebenfalls bereits um den 20. März 26 Kranke von Wachmannschaften, Angehörigen des Volkssturms, erschossen. Dennoch blieben bei der Evakuierung dieses Lagers am 30. März weitere 17 Personen im Schulhaus zurück, die am 4. April von Waffen-SS-Männern umgebracht wurden. Diesen waren am 30. März die Morde an 39 in einem Meierhof bei Strem zurückgelassenen Arbeitern vorangegangen.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): In Klöch standen Rutte keine SS-Männer als Mordgehilfen zur Verfügung. Da hier der Volkssturm die Wachmannschaft stellte, befahlen Rutte und der Kreisleiter von Mureck, Arnulf Lill, dem Unterabschnittsleiter Anton Oswald, LAPPIN: ZWANGSARBEITSEINSATZ UNGARISCHER JUDEN 69 Public Record Office, London [im Folgenden: PRO] War Office [im Folgenden: WO] 310/144. 70 AdR BuMinI 20.695-2A/65. 71 800 Jahre Mogersdorf, Mogersdorf, o. J. 72 LG Graz Vg 7c Vr 869/45. 73 Chronik des Gendarmeriepostens St. Anna am Aigen, „Übergangsbericht“, DÖW 13.114a. 74 Bericht des Gendarmeriepostenkommandos Klöch an den Sicherheitsdirektor für Steiermark in Graz vom 26. 7. 1945, PRO WO 310/167. 92 aus den Reihen des Volkssturms ein Erschießungskommando zusammenzustellen. Nach längerem Zögern führte Oswald unter Druck der Kreisleiter die Erschießung von 26 Kranken durch. Am 13. November 1947 verurteilte ein britisches Militärgericht in Graz Rutte, Lill und Oswald sowie zwei Volkssturmmänner wegen dieser Morde zum Tode.75 Alle fünf Verurteilten wurden begnadigt.76 Obwohl Rutte lediglich wegen der Morde in Klöch verurteilt wurde, wiesen die Ermittlungen auf seine Verantwortung für die Ermordung weiterer ungarischer Juden, von denen angenommen wurde, dass sie an Flecktyphus erkrankt waren, hin. Aufgrund der nur sehr oberflächlichen Untersuchung der völlig entkräfteten Kranken war eine sichere Diagnose nicht möglich. Der Befehl zu den Morden erging von der Gauleitung als höchster für den Arbeitseinsatz ungarischer Juden zuständigen Behörde an die jeweiligen Abschnittsleiter — Kreisleiter —, welche sie an die Unterabschnittsleiter — Ortsgruppenleiter — weitergaben.

Materialien 013

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): Da im Kreis Feldbach die Angehörigen der Waffen-SS Division „Handschar“ die Bewachung stellten, traten die Unterabschnittsleiter an deren Kommandanten mit dem Ersuchen um Durchführung der Morde heran. Befehle konnten die Unterabschnittsleiter den SS-Männern keine geben, doch übernahm die SS diese Aufgabe bereitwillig. In Klöch, wo der Volkssturm die Wachmannschaften stellte, wurde das Erschießungskommando aus dessen Reihen zusammengestellt.

Materialien 013

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): Der bereits oben erwähnte ehemalige Kreisleiter von Feldbach, Anton Rutte, der wegen des Befehls zur Ermordung kranker Juden in Klöch von einem britischen Gericht zu 15 Jahren Haft verurteilt und von den österreichischen Behörden 1953 bereits amnestiert worden war, bezeichnete noch 1960 die Erschießungen von Juden als geeignetes Mittel für die „Seuchenbekämpfung“ und brachte die Zusammenarbeit von Parteiorganen, welche den Volkssturm offenbar nicht als geeignetes Werkzeug für Massenmorde erachteten, und der Waffen-SS auf den Punkt: „Das Erschießen dieser Menschen war als Tötungsmittel die einzige Möglichkeit, da wir kein Gift hatten.107 Es war dies damals eben ein Notstand, den wir durchgestanden sind. Die Ärmsten waren dabei die, die die Erschießungen durchführen mussten. Bei uns unten [in Klöch] war diese Aufgabe dem Volkssturm zugefallen.“108 Rutte sah keine Notwendigkeit, die Tatsache zu verschleiern, dass die Morde an arbeitsunfähigen Juden von den höchsten Parteistellen des Landes angeordnet wurden. Die Anwesenheit der Waffen-SS kam den Verantwortlichen dabei gelegen, da dem Volkssturm bzw. den anderen von der Partei gestellten Wachmannschaften Massenerschießungen von kranken Juden erspart werden konnten.

Materialien 013

Protokoll Yad Vashem (Record Group O.15 E – File 1486)
Janö Samunovits
Als auch die Theiss-Gegend in Gefahr geriet, wurde der Rückzug festgesetzt. Wir überquerten die Theiss und dann die Donau, kamen dann nach dem Oberen Transdanubien und schiesslich wurden wir in der Nähe der österreichischen Grenze den Deutschen übergeben, die uns nach Klöch führten.
In Klöch hatten wir es noch verhältnismäßig gut, da wir Befestigungsarbeiten auszuführen hatten, die den Deutschen sehr dringend zu sein schienen. Sie verfuhren daher wohl streng aber auch nicht hart mit uns; auch wurden wir entsprechend verpflegt und untergebracht. Fünf Wochen verbrachten wir in Klöch, und ich kann sagen, dass wir während dieser Zeit keinen Anlass zum Klagen hatten. Umso furchtbarer waren die Tage, die nun folgten, als wir von Klöch abmarschierten. Auf dem Marsch verfuhren die uns begleitenden SS-Leute mit uns in der schonungslosesten Weise. Bei Eisenerz wurde, während wir eine Anhöhe zu erklimmen hatten, ein Maschinengewehr aufgestellt und in unsere Reihen gefeuert ohne dass wir eine Ahnung gehabt hätten, warum dies eigentlich geschah.

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Kohfidisch

Eleonore Lappin: „Die Evakuierung der vier Lager im Raum Köszeg erfolgte am 23. März 1945. Die Arbeiter dieser sowie südlicher gelegener Lager wie Bucsu wurden per Bahn nach Rechnitz bzw. Burg gebracht. Von dort marschierten sie nach Markt Neuhodis, Markt Allhau und Hartberg, wo sie auf den Transport aus Deutsch-Schützen stießen. Dieser war von Hitlerjungen auf Straßen und durch die Wälder am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet worden. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf und Wolfau nach Hartberg.“

Materialien 6

Szalbalcs Szita (Mobiles Erinnern): „Am Bauabschnitt Kohfidisch existierten in mehreren kleinen Ortschaften Arbeitslager für die Ostwallarbeiter.“

Materialien 10

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Die Hitlerjungen waren zusammen mit Angehörigen der Waffen-SS auch als Eskorten des Transports [von Rechnitz aus] eingeteilt. Während des Marsches verübten die Mitglieder der HJ und der Waffen-SS weitere Morde an Erschöpften. Der Transport wurde auf Nebenstraßen am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf, Wolfau und Hartberg. In Sebersdorf übergab die HJ den Transport Angehörigen des Volkssturms, welche diesen – vermutlich über Ilz und Gnies – weiter nach Gleisdorf führten. Die Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ dürften den Transport bis Graz begleitet haben.

Materialien 11

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Königsberg (bei Tieschen?)

Szalbalcs Szita (Mobiles Erinnern): „In Hammersdorf am Tauchen [Anmerkung WB – wahrscheinlich „Hannersdorf an der Tauchen“], unweit von Schandorf waren im Februar und März ebenfalls ungarische Juden im Einsatz: in Burg am Fuße des Eisenbergs die ehemalige Hilfskompanie III/5 unter dem Kommando der OT und am Hang des Königsberges 60 bis 100 Zwangsarbeiter unter der Aufsicht kroatischer SS-Männer. Das Lager Hannersdorf wurde am 27./28. März evakuiert.“

Materialien 10

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Kornberg

Tina Walzer: „In den nachfolgenden Orten befinden sich laut Quellen weitere Massengräber, wobei noch zu klären ist, ob diese Gräber nicht exhumiert worden sind, wenn ja, wohin, und ob es weitere Unterlagen zur genauen Lage gibt: Kornberg, …“

Materialien 8

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Krottendorf

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): In Paldau wurde nach dem Krieg ein Massengrab mit 17 Toten entdeckt, was darauf hindeutet, dass hier ein Sammelpunkt für Kolonnen aus den Lagern Kalch, Bonisdorf, Krottendorf, Neuhaus, Minihof-Liebau, Windisch-Minihof uns St. Martin an der Raab war.

Materialien 10

Liste der südburgenländischen Lager
Neuhaus am Klausenbach, Belegung 100 – 200, Schule; Gemeindearzt Erich Stadler half vielen jüdischen Zwangsarbeitern und fand dabei Unterstützung bei der Apothekerin Rosa Schreiber-Freissmuth, welche nach dem Krieg von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechte unter den Völkernausgezeichnet wurde. In der zweiten Feberhälfte brach, trotz aller Bemühungen von Dr. Erich Stadler, eine Fleckfieberepedemie aus. Pfarrer Stephan Berger nahm einige der Kranken auf, unterstützt wurde er von seiner als Köchin im Pfarrhof tätigen Schwester Theresia Berger. Diese steckte sich dabei selbst mit dem Fleckfieber an und verstarb am 3. April 1945. Bei Krottendorf wurden einige Zelte für die Fleckfieberkranken aufgestellt. Um den 23. März wurden rund 83 Personen dieses Zeltlagers von sechs Angehörigen der Waffen-SS ermordet. Im Herbst 1969 erfolgte durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Umbettung der Toten auf den jüdischen Friedhof Graz-Wetzelsdorf.

Material 014

Regiowikiat
Das Massaker von Krottendorf (Neuhaus am Klausenbach)
Wie vorher beschrieben half Rosa Schreiber-Freissmuth in Neuhaus am Klausenbach jüdischen Zwangsarbeitern mit Lebensmitteln und Medikamenten. Die Hauptlast der humanitären Hilfe in den Unterabschnitten V/4 – Kalch und V/5 – Minihof-Liebau lag aber beim Abschnittsarzt Erich Stadler, einem Facharzt für Frauenheilkunde, der sich mit seinem Engagement auch den Unmut des Verantwortlichen des Unterabschnittes V/4 – Kalch, Walter Freudensprung, zuzog, während ihn der Verantwortliche des Unterabschnittes V/5 – Minihof-Liebau bei seinen Aktivitäten unterstützte.[18]
Trotz aller Bemühungen des Arztes trat im März eine Fleckfieberepedmie auf. Während im Unterabschnitt V/5 – Minihof-Liebau Krankenreviere eingerichtet wurden und die Patienten in weiterer Folge unbeheligt blieben, wurden im Unterabschnitt V/4 – Kalch auf Betreiben von Walter Freudensprung in Krottendorf bei Neuhaus am Klausenbach Krankenzelte aufgestellt.[43]
Während in Neuhaus am Klausenbach Pfarrer Stephan Berger einige der Kranken in den Pfarrhof aufnahm, seine als Köchin im Pfarrhof tätige Schwester Theresia Berger steckte sich dabei selbst mit dem Fleckfieber an und verstarb am 3. April 1945, ließ Freudensprung am 23. März sämtliche Kranke seines Abschnittes in das Zeltlager von Krottendorf bringen, wo sie bereits von einem HJ-Bannführer und sechs Soldaten der Waffen-SS (aus einem Genesungslager der Waffen-SS in Feldbach) erwartet wurden. Die sieben Männer erschossen in weiterer Folge 83 kranke Zwangsarbeiter in einem nahegelegenen Wald.[43] Die Haupttäter dieses Massakers konnten nie gefasst werden. Im Herbst 1969 erfolgte nach Auffinden des Grabes durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eine Umbettung der Toten auf den Jüdischen Friedhof Graz.[44]

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Kukmirn

Tina Walzer: „In den nachfolgenden Orten befinden sich laut Quellen weitere Massengräber, wobei noch zu klären ist, ob diese Gräber nicht exhumiert worden sind, wenn ja, wohin, und ob es weitere Unterlagen zur genauen Lage gibt: Kukmirn, …“

Materialien 8

Auszug aus Interview Franz Schmaldienst (Bocksdorf) in „Amiri Historija“
Es hat ja da auch den Südostwall gegeben und die Grabungen. Es hat die Todesmärsche der Juden gegeben. Wie ist das vor sich gegangen?
Später habe ich das dann jemandem erzählt, und der hat gemeint, dass sie halt die Gefängnisse aufgemacht und die Leute weggebracht haben. Erst später ist man draufgekommen, dass das die ungarischen Zwangsarbeiter waren, die dort unten eingesetzt waren und die von Eltendorf (Bezirk Jennersdorf) und von Kukmirn Richtung Bierbaum (Bad Blumau, Steiermark) gekommen sind. Beim ersten Bahnanschluss haben sie sie dann [ins KZ] Mauthausen bringen wollen, und unterwegs sind viele umgekommen, entkräftet, erschossen worden. Und ich habe das gesehen! [Anm.: In der letzten Kriegsphase wurden Tausende ungarische Juden, die beim Bau des Südostwalls, einer Verteidigungslinie gegen die heranziehende Rote Armee, eingesetzt waren, in Todesmärschen in Richtung Mauthausen getrieben.]

Material 015

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L

Lafnitz

Kleine Zeitung, 03.04.2017: „72 Jahr nach den Todesmärschen der Juden durch die Oststeiermark erinnern 50 Infotafeln entlang der Route daran. Sie ziehen sich über 25 oststeirische Gemeinden.“

Materialien 016

Anmerkung Wolfgang Brossmann: In einem Interview, das ich in der Recherche zu „Ausgeliefert!“ geführt habe, hat mir Franz Tauss aus Oberlungitz erzählt, dass er als Kind einen Zug von Zwangsarbeitern gesehen hat, der am Gasthaus Schlögl vorbeigetrieben wurde.

Erzählcafe 004, Transkript
JG Weil du sagst vom Ding. Mich hat die Mama einmal zum Bäcker geschickt, um ein Brot in der Früh. Und als ich retour gehe ist da eine ganze Reihe Kinder, sehr viele Kinder waren dabei, und ich hab mir nachher gedacht, wieso gehen die da hinunter und dann bin ich drauf gekommen: weil in Rohrbach die Brücke gesprengt worden ist.
JS Ja freilich.
JG Die sind dort ausgestiegen und sind bis zur nächsten Station zu Fuß gegangen, und die haben sie ins KZ gebracht. Und ich bin mit dem Brot gegangen und die Kinder haben gesagt schau und mir haben sie so leidgetan. Hab dann ein Scherzel herunter gebrochen und hab´s so hingeschmissen. Die sind so hingeflogen, das ist ein Wahnsinn. Dann bin ich natürlich ohne Brot heimgekommen. Na schön war das nicht mein Lieber! Aber für mich war es schön, weil ich hab wenigstens ein paar Kindern was, ein paar Bissen gegeben.
MS Waren diese Kinder in Begleitung?
JS Es waren schon Erwachsene dabei aber nicht viel.
MS Volkssturm-Männer? Wissen sie das? Sind da ein paar mit dem Gewehr auch mitgegangen?
JG Mei, ich hab gar nicht so. Das weiß ich gar nicht. Ich war nur fixiert auf die armen Kinder. Weil es waren wirklich viel. Es waren glaub ich über hundert. Leicht. Was da. Dass sie so etwas mit Kindern überhaupt machen haben können.

Eleonore Lappin: In verschiedenen Publikationen erwähnt Eleonore Lappin eine Marschroute ungarischer Juden, die von Bad Tatzmannsdorf kommend über Lafnitz geführt hat. Die Route ist in den Skizzen, die dabei veröffentlicht werden festgelegt. Nachfolgendes Foto der Skizze aus „NS-Herrschaft in der Steiermark“.

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Laßnitzhöhe

Kleine Zeitung, 03.04.2017: „72 Jahr nach den Todesmärschen der Juden durch die Oststeiermark erinnern 50 Infotafeln entlang der Route daran. Sie ziehen sich über 25 oststeirische Gemeinden.“

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Litzelsdorf

Eleonore Lappin: „Die Evakuierung der vier Lager im Raum Köszeg erfolgte am 23. März 1945. Die Arbeiter dieser sowie südlicher gelegener Lager wie Bucsu wurden per Bahn nach Rechnitz bzw. Burg gebracht. Von dort marschierten sie nach Markt Neuhodis, Markt Allhau und Hartberg, wo sie auf den Transport aus Deutsch-Schützen stießen. Dieser war von Hitlerjungen auf Straßen und durch die Wälder am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischndorf nach Jabing geleitet worden. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf und Wolfau nach Hartberg.“

Materialien 6

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Die Hitlerjungen waren zusammen mit Angehörigen der Waffen-SS auch als Eskorten des Transports [von Rechnitz aus] eingeteilt. Während des Marsches verübten die Mitglieder der HJ und der Waffen-SS weitere Morde an Erschöpften. Der Transport wurde auf Nebenstraßen am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf, Wolfau und Hartberg. In Sebersdorf übergab die HJ den Transport Angehörigen des Volkssturms, welche diesen – vermutlich über Ilz und Gnies – weiter nach Gleisdorf führten. Die Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ dürften den Transport bis Graz begleitet haben.

Materialien 11

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M

Maria Weinberg

Eleonore Lappin: „Am 24.03.1945 übernahmen 13 Hitlerjungen unter Leitung ihres Führers in Burg 1000 bis 1200 jüdische Arbeiter aus Köszeg. Diese 16- und 17-jährigen Burschen geleiteten den Transport über Eisenberg, Höll, Gaas, Maria Weinberg nach Strem.

Materialien 6

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Markt Allhau

Eleonore Lappin: „Die Evakuierung der vier Lager im Raum Köszeg erfolgte am 23. März 1945. Die Arbeiter dieser sowie südlicher gelegener Lager wie Bucsu wurden per Bahn nach Rechnitz bzw. Burg gebracht. Von dort marschierten sie nach Markt Neuhodis, Markt Allhau und Hartberg, wo sie auf den Transport aus Deutsch-Schützen stießen.“

Materialien 6

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Die jüdischen Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, die von Köszeg nach Rechnitz gebracht und dort in zwei Lagern untergebracht worden waren, wurden, wie Judith Hruza berichtete, relativ gut behandelt, bis sie wenige Tage später ihren Marsch durch die Steiermark und Oberösterreich antreten mussten. Ihre Route führte zunächst von Rechnitz nach Markt Neuhodis, Markt Allhau und Hartberg. In Hartberg stießen sie auf den Transport aus Deutsch-Schützen.

Materialien 11

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Markt Neuhodis

Eleonore Lappin: „Die Evakuierung der vier Lager im Raum Köszeg erfolgte am 23. März 1945. Die Arbeiter dieser sowie südlicher gelegener Lager wie Bucsu wurden per Bahn nach Rechnitz bzw. Burg gebracht. Von dort marschierten sie nach Markt Neuhodis, Markt Allhau und Hartberg, wo sie auf den Transport aus Deutsch-Schützen stießen.“

Materialien 6

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Die jüdischen Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, die von Köszeg nach Rechnitz gebracht und dort in zwei Lagern untergebracht worden waren, wurden, wie Judith Hruza berichtete, relativ gut behandelt, bis sie wenige Tage später ihren Marsch durch die Steiermark und Oberösterreich antreten mussten. Ihre Route führte zunächst von Rechnitz nach Markt Neuhodis, Markt Allhau und Hartberg. In Hartberg stießen sie auf den Transport aus Deutsch-Schützen.

Materialien 11

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Markt St. Martin

Tina Walzer: „In den nachfolgenden Orten befinden sich laut Quellen weitere Massengräber, wobei noch zu klären ist, ob diese Gräber nicht exhumiert worden sind, wenn ja, wohin, und ob es weitere Unterlagen zur genauen Lage gibt: Markt St. Martin, …“

Materialien 8

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Minihof-Liebau

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): In Paldau wurde nach dem Krieg ein Massengrab mit 17 Toten entdeckt, was darauf hindeutet, dass hier ein Sammelpunkt für Kolonnen aus den Lagern Kalch, Bonisdorf, Krottendorf, Neuhaus, Minihof-Liebau, Windisch-Minihof uns St. Martin an der Raab war.

Materialien 10

Liste der südburgenländischen Lager
Minihof-Liebau; In Minihof-Liebau kam es, obwohl eine Fleckfieberepedemie ausbrach, zu keinen Tötungen, weil der Unterabschnittsverantwortliche Zeichen Unterabschnittsarzt Erich Stadler ein Krankenrevier einrichten ließ und die kranken Zwangsarbeiter weiter nicht behehligte.

Material 014

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Mischendorf

Eleonore Lappin: „Die Evakuierung der vier Lager im Raum Köszeg erfolgte am 23. März 1945. Die Arbeiter dieser sowie südlicher gelegener Lager wie Bucsu wurden per Bahn nach Rechnitz bzw. Burg gebracht. Von dort marschierten sie nach Markt Neuhodis, Markt Allhau und Hartberg, wo sie auf den Transport aus Deutsch-Schützen stießen. Dieser war von Hitlerjungen auf Straßen und durch die Wälder am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet worden. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf und Wolfau nach Hartberg.“

Materialien 6

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Die Hitlerjungen waren zusammen mit Angehörigen der Waffen-SS auch als Eskorten des Transports [von Rechnitz aus] eingeteilt. Während des Marsches verübten die Mitglieder der HJ und der Waffen-SS weitere Morde an Erschöpften. Der Transport wurde auf Nebenstraßen am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf, Wolfau und Hartberg. In Sebersdorf übergab die HJ den Transport Angehörigen des Volkssturms, welche diesen – vermutlich über Ilz und Gnies – weiter nach Gleisdorf führten. Die Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ dürften den Transport bis Graz begleitet haben.

Materialien 11

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Moschendorf

Eleonore Lappin: „Am 24.03.1945 übernahmen 13 Hitlerjungen unter Leitung ihres Führers in Burg 1000 bis 1200 jüdische Arbeiter aus Köszeg. Diese 16- und 17-jährigen Burschen geleiteten den Transport über Eisenberg, Höll, Gaas, Maria Weinberg nach Strem. Unterwegs wurden einzelne Gruppen in Eberau und Moschendorf, wo bereits Juden im Arbeitseinsatz standen, zurückgelassen, die letzten Gruppen dieses Transportes von Strem nach Heiligenbrunn und Reinersdorf weitergeführt. Bereits am 28. März erfolgte die endgültige Evakuierung ins Landesinnere. Die Insassen der Lager Eberau, Moschendorf, Strem und Reinersdorf wurden in Strem gesammelt und am nächsten Tag auf der Route Strem-Güssing-Sulz-Rehgraben-Neusiedel-Deutsch Kaltenbrunn nach Bierbaum gebracht.““

Materialien 006

Liste der südburgenländischen Lager
Moschendorf, Belegung 100 – 200, Meierhof; Zwei ungarische Juden verstarben aus unbekannten Gründen während des Arbeitseinsatzes.

Material 014

Franz Timischl „Morde an ungarischen Juden“ in „Fürstenfeld – Die Stadtgeschichte“, ab Seite 458:
Ähnlich war es bei Schilcher. Schilcher war, so kann nach dem Studium aller verfügbaren Unterlagen geschlossen werden, persönlich an Verbrechen beteiligt und muss darüber hinaus durch seine Anordnungen als HJ-Bannführer für solche durch die Hitlerjugend und andere nationalsozialistische Gruppierungen im Zeitraum Oktober 1944 bis April 1945 verantwortlich gemacht werden. Die Erhebung des Landesgendarmeriekommandos Burgenland im Oktober listet eine Reihe solcher Taten auf:
• Schilcher bestimmte bei Besprechungen Hitlerjungen für Judenerschießungen
• Er war persönlich an Judenerschießungen in Urbersdorf-Strem im Feber 1945 sowie in Heiligenbrunn und Moschendorf im März beteiligt
• Schilcher ordnete Anfang Feber 1945 die Plünderung von ungarischen Flüchtlingen an.
• Er misshandelte von Oktober 1945 bis April 1945 mehrere Hitlerjungen, sperrte sie bis zu drei Tagen in ein improvisiertes Kellergefängnis. Ein Hitlerjunge starb im November 1944 an den Folgen einer Inhaftierung. Andere folgten dem Beispiel Schilchers und misshandelten wie diese ihre Kameraden.

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Mureck

Kleine Zeitung, 03.04.2017: „72 Jahr nach den Todesmärschen der Juden durch die Oststeiermark erinnern 50 Infotafeln entlang der Route daran. Sie ziehen sich über 25 oststeirische Gemeinden.“

Materialien 016

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N

Nestelbach b. Graz

Exhumierungsprotokoll:

  • Laszlo Laz
  • Stephan Makarow
  • Wassilly Memek
  • Istvan Kelemen
  • Laszlo Bauer
  • Morton Strasser
  • Salomon Henzik

Materialien 7

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): Bei Nestelbach wurden 90-100 Arbeiter, die nach ihrem Einsatz in Schachendorf auf dem Weg nach Graz waren, aus ihrer Kolonne genommen, um am Schemerl neuerlich den Volkssturm sowie russische Kriegsgefangenen beim Bau von Sperren und Panzerfallen zu verstärken. Um den 7. April 1945 ermordeten Angehörige der Waffen-SS-Divisionen „Wiking“ und „Norge“ 18 russische und jüdische Arbeiter, wobei Volkssturmmänner Hilfsdienste leisteten.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): Offenbar bedurfte es nicht eines Hilfsansuchens von höchster Stelle, damit Angehörige der „Wiking“ mörderisch aktiv wurden. Anfang April 1945, kurz nach Ostern, wurden etwa 20 bis 25 Angehörige der SS-Divisionen „Wiking“ und „Norge“ in Nestelbach einquartiert. Vor ihrer Ankunft waren dort bereits ein Bataillon des Volkssturms sowie etwa hundert ungarische Juden, die vom Lager Schachendorf an der österreichisch-ungarischen Grenze zurückverlegt worden waren, zusammen mit russischen Kriegsgefangenen und Angehörigen des Volkssturms zum Stellungsbau eingesetzt.104 Die Bewachung der jüdischen Arbeiter sowie deren Verpflegung oblag dem Volkssturm. Die Juden waren nach ihrem Leidensweg bereits völlig entkräftet, einige nicht mehr arbeitsfähig. Sowohl der Volkssturm-Bataillonsführer, Oskar Reitter, als auch der für den Stellungsbau zuständige Verpflegsmeister, Johann Grobbauer, äußerten die Ansicht, dass Nichtarbeitsfähige kein Essen bekommen und am besten ermordet werden sollten.105 Schließlich befahl Reitter dem Volkssturm-Zugsführer, Jakob Rappold, die kranken Juden den in Nestelbach stationierten SS-Männern zu übergeben. Bei mehreren Erschießungen fanden 18 Menschen — in der Mehrzahl ungarische Juden aber auch russische Zwangsarbeiter — den Tod. Während Grobbauer und Rappold bereits 1946 verurteilt wurden, stand Reitter erst 1960 vor Gericht.106 Er gab zu, die Morde zusammen mit den Angehörigen der Waffen-SS geplant zu haben. Als Grund dafür gab er an, dass die Juden typhuskrank gewesen seien, weshalb die SS-Männer auf deren Entfernung bestanden hätten. Die ehemaligen Volkssturmmänner wollten sich nicht festlegen, ob der LAPPIN: ZWANGSARBEITSEINSATZ UNGARISCHER JUDEN 102 LG Graz Vg 13 Vr 4566/46. 103 Ermittlungsbericht der Kriminalpolizei Graz vom 5. 7. 1945, PRO WO 310/155. 104 Gendarmeriepostenchronik Nestelbach, DÖW 12.941; LG Graz Vg 1 Vr 821/46. 105 LG Graz Vg 1 Vr 821/46. 106 LG Graz Vr 20/60; Das Steirerblatt, 27. 10. 1946. 98 Mord an den Juden auf die Initiative Reitters oder der SS-Männer zurückgegangen war, weshalb der Prozess mit einem Freispruch endete. Obwohl Reitter leugnete, die Morde initiiert zu haben, lud sein Verteidiger ehemals hochrangige NS-Funktionäre in den Zeugenstand.

Materialien 013

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): Der „Schonungsbefehl“ Himmlers von Ende März 1945 wurde, wie unter anderen die Morde von Prebensdorf, Weiz und Nestelbach beweisen, weder von hochrangigen NS-Funktionären noch von Angehörigen der Waffen-SS befolgt. Obwohl diese Verbrechen zu Kriegsende häufig vor den Augen der österreichischen Bevölkerung verübt wurden, gerieten sie in Vergessenheit und konnten die Mythenbildung um die Waffen-SS als rein kämpfende Formation, aber auch um die angeblich ahnungslosen führenden Nationalsozialisten nicht verhindern.

Materialien 013

Maaterial Yad Vashem (Record Group M.38, File Number 283)
Chronik des Gendarmeriepostens Nestelbach
Ostern 1945: In der Karwoche 1945 kam eine starke Abteilung „Volksturm“ – einige hundert Mann – nach Nestelbach. (…) Am Ostersonntag, als ie Leute zum Spätamt gingen, kam aus Graz der Befehl, Nestelbach müsse bis 7 h / 19 h / geräumt sein. Doch niemand kam dem Befehl nach. Von einer feiertäglichen Stimmung war nichts zu sehen; überall sah man Gruppen von heftig gestikulierenden, jammernden, weinenden Menschen, die Sorge um ihre Angehörigen, ihre Habe, ihren Besitz und ihre Tiere trugen. (…)
In den folgenden Tagen besetzte SS Nestelbach. Ca. 1400 Mann belegten den Ort; die Schule wurde Lazarett der SS-Division „Norge“. Nebenbei wurden Panzergräben und Sperren ausgehoben, wozu ungarische Soldaten und Juden aus dem KZ Schachendorf im Burgenland verwendet wurden. Die Juden befanden sich in einem erbarmungswürdigen Zustand und wurden einige von der SS füsiliert.

Abschrift „Das Steirerblatt“, Graz, 27.10.1946
DAS MASSAKER AM SCHEMERL
Vor einiger Zeit wurde am Schemerl unweit Nestelbach bei Graz ein Massengrab aufgedeckt, in dem sich 18 Leichen befanden, die teils Kopf- oder Genickschüsse, teils schwerste, offenbar durch Kolbenschläge hervorgerufene Schädelverletzungen aufwiesen. Es handelt sich um einige russische Kriegsgefangene, größtenteils aber um ungarische Juden, die in der Gegend im April vorigen Jahres zu Befestigungsarbeiten eingesetzt waren. – Kommandant war ein gewisser Reiter, der den Standpunkt vertrat, arbeitsunfähige und kranke Arbeiter sollten nichts zu essen bekommen und „umgelegt“ werden; die Henkerdienste besorgte die in der Gegend stationierte ukrainische und holländische SS. Reiter befindet sich gegenwärtig in alliierter Haft und wird sich wegen seiner Untaten gesondert zu verantworten haben.
Der Volksgerichtshof (OLGR Dr. Steiner) verurteilte aber jetzt den Brunnenmeister Jakob Rappold aus Nestelbach, Zugsführer bei der erwähnten Volkssturmabteilung, zu zehn Jahren schweren Kerkers, weil er einige kranke Arbeiter der SS überantwortet hatte, und den Angestellten Johann Grobbauer aus Au, den Verpflegsmeister der Abteilung, zu zwei Jahren schweren Kerkers, weil er den Kraken keine Verpflegung ausgefolgt hatte.

YAD VASHEM – Opferdatenbank bei Suche nach Orten

List of murdered persons

Laszlo Bauer 1902 Sumeg, List of murdered persons murdered
Laszlo Bauer 1902 Sumeg, List of murdered persons murdered
Salamon Henrik List of murdered persons murdered
Laszlo Istvan Kelemen List of murdered persons murdered
Laszlo Lax List of murdered persons murdered
Stephan Makarov List of murdered persons murdered
Wassily Memek List of murdered persons murdered
Marton Strasser 1904 List of murdered persons murdered

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Neuhaus

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): In anderen Lagern wurden Nichtmarschfähige zurückgelassen und kurze Zeit später von Mordkommandos der Waffen-SS liquidiert. Bereits am 23. März hatte eine derartige Einheit 83 isolierte Kranke aus den Lagern Neuhaus und Kalch ermordet.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): In Paldau wurde nach dem Krieg ein Massengrab mit 17 Toten entdeckt, was darauf hindeutet, dass hier ein Sammelpunkt für Kolonnen aus den Lagern Kalch, Bonisdorf, Krottendorf, Neuhaus, Minihof-Liebau, Windisch-Minihof uns St. Martin an der Raab war.

Materialien 10

Tina Walzer: In Neuhaus am Klausenbach zum Beispiel wurden am 22. März 1945 92 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter von SS-Männern erschossen.6 Sie ruhen vermutlich in einem Massengrab.7 Im Jahr 1986 erhob die IKG Wien, daß bislang keine Exhumierung stattgefunden hat.

Materialien 012

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): In Neuhaus und Kalch wurden kranke Juden ebenfalls von SS-Kommandos ermordet, doch konnten die Täter und deren Einheiten nicht ermittelt werden.

Material 013

Liste der südburgenländischen Lager
Neuhaus am Klausenbach, Belegung 100 – 200, Schule; Gemeindearzt Erich Stadler half vielen jüdischen Zwangsarbeitern und fand dabei Unterstützung bei der Apothekerin Rosa Schreiber-Freissmuth, welche nach dem Krieg von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechte unter den Völkernausgezeichnet wurde. In der zweiten Feberhälfte brach, trotz aller Bemühungen von Dr. Erich Stadler, eine Fleckfieberepedemie aus. Pfarrer Stephan Berger nahm einige der Kranken auf, unterstützt wurde er von seiner als Köchin im Pfarrhof tätigen Schwester Theresia Berger. Diese steckte sich dabei selbst mit dem Fleckfieber an und verstarb am 3. April 1945. Bei Krottendorf wurden einige Zelte für die Fleckfieberkranken aufgestellt. Um den 23. März wurden rund 83 Personen dieses Zeltlagers von sechs Angehörigen der Waffen-SS ermordet. Im Herbst 1969 erfolgte durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Umbettung der Toten auf den jüdischen Friedhof Graz-Wetzelsdorf.

Material 014

Regiowikiat
Das Massaker von Krottendorf (Neuhaus am Klausenbach)
Wie vorher beschrieben half Rosa Schreiber-Freissmuth in Neuhaus am Klausenbach jüdischen Zwangsarbeitern mit Lebensmitteln und Medikamenten. Die Hauptlast der humanitären Hilfe in den Unterabschnitten V/4 – Kalch und V/5 – Minihof-Liebau lag aber beim Abschnittsarzt Erich Stadler, einem Facharzt für Frauenheilkunde, der sich mit seinem Engagement auch den Unmut des Verantwortlichen des Unterabschnittes V/4 – Kalch, Walter Freudensprung, zuzog, während ihn der Verantwortliche des Unterabschnittes V/5 – Minihof-Liebau bei seinen Aktivitäten unterstützte.[18]
Trotz aller Bemühungen des Arztes trat im März eine Fleckfieberepedmie auf. Während im Unterabschnitt V/5 – Minihof-Liebau Krankenreviere eingerichtet wurden und die Patienten in weiterer Folge unbeheligt blieben, wurden im Unterabschnitt V/4 – Kalch auf Betreiben von Walter Freudensprung in Krottendorf bei Neuhaus am Klausenbach Krankenzelte aufgestellt.[43]
Während in Neuhaus am Klausenbach Pfarrer Stephan Berger einige der Kranken in den Pfarrhof aufnahm, seine als Köchin im Pfarrhof tätige Schwester Theresia Berger steckte sich dabei selbst mit dem Fleckfieber an und verstarb am 3. April 1945, ließ Freudensprung am 23. März sämtliche Kranke seines Abschnittes in das Zeltlager von Krottendorf bringen, wo sie bereits von einem HJ-Bannführer und sechs Soldaten der Waffen-SS (aus einem Genesungslager der Waffen-SS in Feldbach) erwartet wurden. Die sieben Männer erschossen in weiterer Folge 83 kranke Zwangsarbeiter in einem nahegelegenen Wald.[43] Die Haupttäter dieses Massakers konnten nie gefasst werden. Im Herbst 1969 erfolgte nach Auffinden des Grabes durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eine Umbettung der Toten auf den Jüdischen Friedhof Graz.[44]

Wikipedia
Rosa Schreiber-Freissmuth, seinerzeit noch Rosa Schreiber, war Besitzerin einer Apotheke in Neuhaus am Klausenbach im österreichischen Burgenland. In der Nähe von Neuhaus befand sich ein „Arbeitslager“. Sie rettete das Leben des Jugendlichen Alan Brown und zunächst auch das seines Vaters, die beide an Typhus erkrankt waren, indem sie ihnen Medikamente und Essen besorgte. Sie rettete auch das Leben anderer Zwangsarbeiter dieses Lagers.
Der damals 16-jährige Alan Brown wurde im Dezember 1943 nach Neuhaus „versetzt“. In Neuhaus mussten die Zwangsarbeiter Schützengräben anlegen, die zur Verteidigung gegen die sowjetischen Truppen dienen sollten. Brown und sein Vater bekamen im Februar 1945 Typhus. Alan Brown schlich sich in der Nacht aus dem Lager zum Nachbarort Neuhaus und bat in der Apotheke von Schreiber um Medikamente. Bis zum Kriegsende versorgte Rosa Schreiber daraufhin Brown und seinen Vater mit Medikamenten und Essen. Alan Browns Vater starb einen Tag nach der Befreiung durch die sowjetischen Truppen.
Alan Brown emigrierte später in die USA und Kanada und wurde Professor für Ökonomie. Er war der einzige Überlebende seiner Familie. Nach einer Suche von insgesamt 16 Jahren machte er Rosa Schreiber schließlich ausfindig und bewirkte ihre Auszeichnung als Gerechte unter den Völkern.
Die Apothekerin, die Juden eines Arbeitslagers im Burgenland das Leben rettete
Rosa Freissmuth-Schreiber, Besitzerin einer Apotheke, verhalf dem an Typhus erkrankten Alan Braun sowie dessen Vater zu Medikamenten und Essen. Auch anderen Zwangsarbeitern des Arbeitslagers nahe Neuhaus rettete sie das Leben.
Rosa Freissmuth war Besitzerin einer Apotheke in Neuhaus am Klausenbach im Burgenland. In der Nähe von Neuhaus gab es ein Arbeitslager.
Einigen Juden, die im Arbeitslager untergebracht waren, rettete Rosa Freissmuth ihr Leben. Unter anderen auch dem Ungarn Alan Braun. Braun lebte mit seiner Familie im Ghetto von Miskolc. Im Mai 1944 wurde er im Alter von 16 Jahren in eine Arbeitsbrigade einberufen. Sein Vater musste im selben Batallion arbeiten und die restliche Familie Braun wurde im Juni 1944 nach Auschwitz deportiert.
Im Dezember desselben Jahres wurden Alan Braun und sein Vater nach Neuhaus versetzt. Die ungarische Regierung hatte dem Deutschen Reich jüdische Arbeiter „gespendet“. In Neuhaus mussten die Zwangsarbeiter Schützengraben graben und Befestigungsanlagen bauen. Diese sollten der Verteidigung gegen die Sowjets dienen.
Im Februar 1945 bekamen Alan Braun und sein Vater Typhus. Alan Braun wollte Medikamente besorgen und schlich eines Nachts aus dem Lager ins Nachbardorf Neuhaus. Dort versuchte er sein Glück in der örtlichen Apotheke. Die Besitzerin Rosa Freissmuth versorgte ihn bis Kriegsende mit Medikamenten und Essen.
Alan Brauns Vater starb einen Tag nach der Befreiung. Alan Braun selbst zog nach dem Krieg nach Kanada und gründete dort eine Familie.

Quelle: A Letter to the Stars – Website

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Neumarkt an der Raab

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Wolf Gancz machte einen derartigen Todesmarsch ab Eberau mit und gehörte zu den 6-8000 Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen, die am 7. April 1945 den Präbichl passierten, als dort das berüchtigte Massaker verübt wurde, dem mehr als 200 Menschen zum Opfer fielen. Gancz schildert unter anderem, wie seine Kolonne, die 3000 Personen umfasst haben soll, als sie am 30. März 1945 Eberau verließ, mit Transporten aus den Lagern Strem, Feldbach, Heiligenkreuz, Jennersdorf, Fehring, Schachendorf, Neumarkt an der Raab, Bucsu sowie aus St. Anna am Aigen zusammengelegt wurde.

Materialien 11

Liste der südburgenländischen Lager
Neumarkt an der Raab, Belegung 200; In den 1960er-Jahre entdeckte Simon Wiesenthal im Zuge seiner Nachforschungen hinsichtlich der Vorgänge in Jennersdorf auch hier ein Massengrab, über dessen Schicksal aber weiters nichts bekannt ist.

Materialien 014

Zeitzeugenprotokoll Yad Vashem (Record Group 0.15 E, Dokument 1924)
Tibor Fehér
Am 7. März wurden wir nach Szombathely gebracht. Ein paar Tage lang räumten wir Ruinen auf, danach wurden wir auch von hier weitergebracht und am 14. bei St. Gotthard den Deutschen übergeben. Ich kam nach Neumarkt, wo ich 2 Wochen lang war. Hier waren wir 200 und gruben Tankfallen.
Anfang April gingen wir zu Fuß über Graz nach Mauthausen.

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Neusiedl

Franz Timischl „Morde an ungarischen Juden“ in „Fürstenfeld – Die Stadtgeschichte“, ab Seite 458
Der einzige konkrete schriftliche Beleg dafür für den Kreis Fürstenfeld ist eine Dienstanweisung vom 22. März 1945, die der Beauftragte für den Stellungsbau im Kreis Fürstenfeld, Kreisleiter Meißl, erteilte. Die Bezeichnung für die Aktion lautete in nationalsozialistischer Umschreibung Rückführung der Juden aus dem Stellungsbau im Falle eines Alarmes (d.h. Vorstoß sowjetischer Truppen an die Reichsschutzstellung). Die Dienstanweisung war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern nur für einen kleinen Kreis von Personen aus der NSDAP – Kreisleiter, Kreisorganisationsleiter, Kreisstabsführer, die Ortsgruppenleiter von Eberau, Strem, Heiligenbrunn und Heiligenkreuz und die Unterabschnittsführer. In den Unterabschnitten Eberau bis Strem war vorgesehen, die Juden einen Tag vor dem Abmarsch im Judenlager Strem zu sammeln und sie tags darauf 33 km von Strem über Güssing, Sulz, Rehgraben, Neusiedl, Deutsch Kaltenbrunn bis Bierbaum marschieren zu lassen. Die jeweiligen Lagerwachen (Strem, Poppendorf, Bierbaum) stellte der Volkssturm, weitere Befehle erteilte Herbert Denk, Mitglied der Ortsgruppe der NSDAP Fürstenfeld. Die Auflösung der Lager um Strem erfolgte um den 29. März. Ein überlebender Zwangsarbeiter schätzte die von Strem weggebrachten Juden, die in Richtung Graz in Marsch gesetzt wurden, auf 5000.

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O

Oberdorf

Eleonore Lappin: „Die Evakuierung der vier Lager im Raum Köszeg erfolgte am 23. März 1945. Die Arbeiter dieser sowie südlicher gelegener Lager wie Bucsu wurden per Bahn nach Rechnitz bzw. Burg gebracht. Von dort marschierten sie nach Markt Neuhodis, Markt Allhau und Hartberg, wo sie auf den Transport aus Deutsch-Schützen stießen. Dieser war von Hitlerjungen auf Straßen und durch die Wälder am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet worden. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf und Wolfau nach Hartberg.“

Materialien 6

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Die Hitlerjungen waren zusammen mit Angehörigen der Waffen-SS auch als Eskorten des Transports [von Rechnitz aus] eingeteilt. Während des Marsches verübten die Eleonore Lappin (Zwangsarbeite der HJ und der Waffen-SS weitere Morde an Erschöpften. Der Transport wurde auf Nebenstraßen am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf, Wolfau und Hartberg. In Sebersdorf übergab die HJ den Transport Angehörigen des Volkssturms, welche diesen – vermutlich über Ilz und Gnies – weiter nach Gleisdorf führten. Die Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ dürften den Transport bis Graz begleitet haben.

Materialien 11

Eleonore Lappin (Zwangsarbbeitereinsatz): Bei dem Marsch von Deutsch-Schützen nach Hartberg stellten die Hitlerjungen zusammen mit den SS-Männern die Wachmannschaften. Dabei kam es erneut zu Morden an Erschöpften, welche die SS-Männer mit Unterstützung der Hitlerjungen verübten.89 Frauen aus Oberdorf berichteten nach dem Krieg, dass sie die SS-Männer nicht nur daran hinderten, den erschöpften Juden etwas Nahrung zu geben, sondern diese auch brutal misshandelten. In Sebersdorf hinter Hartberg wurden die Hitlerjungen vom Volkssturm abgelöst. Damit verlieren sich auch die Spuren der SS-Begleitmannschaft.

Materialien 013

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P

Paldau

Tina Walzer: „In den nachfolgenden Orten befinden sich laut Quellen weitere Massengräber, wobei noch zu klären ist, ob diese Gräber nicht exhumiert worden sind, wenn ja, wohin, und ob es weitere Unterlagen zur genauen Lage gibt: Paldau, …“

Materialien 8

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): In Paldau wurde nach dem Krieg ein Massengrab mit 17 Toten entdeckt, was darauf hindeutet, dass hier ein Sammelpunkt für Kolonnen aus den Lagern Kalch, Bonisdorf, Krottendorf, Neuhaus, Minihof-Liebau, Windisch-Minihof uns St. Martin an der Raab war.

Materialien 10

CLIO: So wurden die Leichen der im Schadlerwald Erschossenen und sechs weitere in St. Anna umgekommene Juden im Herbst 1950 auf den jüdischen Friedhof nach Trautmannsdorf überführt, wo auch jene 17 Leichen von Juden hinkamen, die beim Marsch nach Gnas und von Gnas nach Paldau starben bzw. ermordet wurden.

Material St. Anna 004

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Penzendorf

Tina Walzer: „In den nachfolgenden Orten befinden sich laut Quellen weitere Massengräber, wobei noch zu klären ist, ob diese Gräber nicht exhumiert worden sind, wenn ja, wohin, und ob es weitere Unterlagen zur genauen Lage gibt: Penzendorf, …“

Materialien 8

„Stadt und Region HARTBERG“ – Johann Hofer (ab Seite 298)
Unter dem Titel „Judenmärsche“ handelt Hans Hofer die Todesmärsche und das Geschehen rund um Hartberg ab. Wie üblich greift er dabei auf Zeitzeugen zurück.
Martin Posch, Penzendorf:
Ich habe den Judenmarsch gesehen. Es müssen viele hundert gewesen sein. Sie wurden von SS-Soldaten mit Maschinenpistolen eskortiert. Es waren Jammergestalten. Sie mussten schon sehr schwach gewesen sein, weil sie kaum mehr gehen konnten und nur so dahinwankten. Viele waren ohne Schuhe, sie hatten sie die Füße mit Fetzen umwickelt.
Einer kann zu uns (Gasthaus Rechberger, benannt nach dem zweiten Ehemann meiner Mutter) und bat meine Mutter mit erhobenen Händen: „Bitte Frau, ein Stück Brot!“ Meine Mutter schnitt ihm ein Stück vom Laib ab und gab ihm dazu noch ein paar Maschanzker-Äpfel. Als er damit herauskam, erhielt er einen Tritt in den Hintern sodass ihm Brot und Äpfel aus den Händen fielen. Er durfte es nicht aufheben. Zu meiner Mutter sagte der SS-Mann: „Sperren sie sofort die Tür zu, sonst erschieße ich Sie!“
Im Bereich der heutigen Abzweigung der Penzendorf-Straße von der Bundesstraße, beim Ghart-Wald draußen, lag eine Woche lang am Straßenrand ein toter Jude. Aus dem Mund kam ihm Blut, das Zeichen für einen Genickschuss. Wahrscheinlich hatten sie ihn erschossen, weil er nicht mehr weiterkonnte. Wenn ich zu unseren Feldern hinausging, musste ich an ihm vorbei. Ich fürchtete mich vor ihm. Ich drückte mich an der anderen Straßenseite an ihm vorbei.
Dr. Erna Otschko, geb. Schaffler
Onkel Willi hatte die ersten dieses Elendszuges der sich von Penzendorf her auf der Straße bewegt, von der Kanzlei aus gsehen. Erregt kam er herauf in die Kühe und rief: „Niemand darf beim Fenster hinausschauen! Draußen ziehen furchtbar arme, schwache, abgemagerte Menschen vorbei!“ Da es gegen Mittag war, wollte ihnen die Willi-Frau den großen Topf mit Suppe, die sie eben für die vielen Leute in unserem Haaus gekocht hatte und dazu Brot hinausbringen.
„Nein!“, rief Onkel Willi, „wir können nichts machen!“ Wahrscheinlich wollte er sich der Auseinandersetzungen mit den Begleitern ersparen. Meine Mutter widersetzte sich der Anordnung und ging trotzdem zum Fenster. Sie regte sich über den Anblick des Zuges so sehr auf, dass sie zu schreien begann: „Das sind doch Menschen! Treiben sie daher wie eine Herde Vieh!“

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Pircha

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): Entlang den Routen von Gleisdorf nach Graz wurden nach dem Krieg zahlreiche Gräber von Ermordeten entdeckt: so in Gleisdorf, Brodersdorf, Pircha, Eggersdorf, Kainbach und Mariatrost.

Materialien 10

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Pischelsdorf-Schachen

Tina Walzer: „In den nachfolgenden Orten befinden sich laut Quellen weitere Massengräber, wobei noch zu klären ist, ob diese Gräber nicht exhumiert worden sind, wenn ja, wohin, und ob es weitere Unterlagen zur genauen Lage gibt: Pischelsdorf-Schachen, …“

Materialien 8

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Poppendorf

Eleonore Lappin: „Bereits am 28. März erfolgte die endgültige Evakuierung ins Landesinnere. Die Insassen der Lager Eberau, Moschendorf, Strem und Reinersdorf wurden in Strem gesammelt und am nächsten Tag auf der Route Strem-Güssing-Sulz-Rehgraben-Neusiedel-Deutsch Kaltenbrunn nach Bierbaum gebracht. Dorthin kamen auch die Transporte aus den Lagern Inzendorf (? gemeint Inzenhof?), Heiligenkreuz und Popendorf, deren erster Sammelpunkt Popendorf gewesen war. Von dort waren die Transporte nach Rudersdorf-Deutsch Kaltenbrunn und Bierbaum marschiert.“

Materialien 6

Tina Walzer: „In den nachfolgenden Orten befinden sich laut Quellen weitere Massengräber, wobei noch zu klären ist, ob diese Gräber nicht exhumiert worden sind, wenn ja, wohin, und ob es weitere Unterlagen zur genauen Lage gibt: Poppendorf, …“

Materialien 8

Liste der südburgenländischen Lager
Poppendorf im Burgenland, Buchmannmühle; In diesem Lager herrschten gute Bedingungen, die mitfühlende Bevölkerung half mit Lebensmitteln.

Materialien 014

Franz Timischl „Morde an ungarischen Juden“ in „Fürstenfeld – Die Stadtgeschichte“, ab Seite 458
Der einzige konkrete schriftliche Beleg dafür für den Kreis Fürstenfeld ist eine Dienstanweisung vom 22. März 1945, die der Beauftragte für den Stellungsbau im Kreis Fürstenfeld, Kreisleiter Meißl, erteilte. Die Bezeichnung für die Aktion lautete in nationalsozialistischer Umschreibung Rückführung der Juden aus dem Stellungsbau im Falle eines Alarmes (d.h. Vorstoß sowjetischer Truppen an die Reichsschutzstellung). Die Dienstanweisung war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern nur für einen kleinen Kreis von Personen aus der NSDAP – Kreisleiter, Kreisorganisationsleiter, Kreisstabsführer, die Ortsgruppenleiter von Eberau, Strem, Heiligenbrunn und Heiligenkreuz und die Unterabschnittsführer. In den Unterabschnitten Eberau bis Strem war vorgesehen, die Juden einen Tag vor dem Abmarsch im Judenlager Strem zu sammeln und sie tags darauf 33 km von Strem über Güssing, Sulz, Rehgraben, Neusiedl, Deutsch Kaltenbrunn bis Bierbaum marschieren zu lassen. Die jeweiligen Lagerwachen (Strem, Poppendorf, Bierbaum) stellte der Volkssturm, weitere Befehle erteilte Herbert Denk, Mitglied der Ortsgruppe der NSDAP Fürstenfeld. Die Auflösung der Lager um Strem erfolgte um den 29. März. Ein überlebender Zwangsarbeiter schätzte die von Strem weggebrachten Juden, die in Richtung Graz in Marsch gesetzt wurden, auf 5000.

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Prebensdorf

Bei Prebensdorf forschte der Volkssturm im Auftrag der Weizer Kreisleitung 18 Flüchtlinge aus und übergab sie den Angehörigen der Waffen-SS Division „Wiking“, die sie erschossen. (Fußnote 56)

Materialien 1

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): In der Umgebung Prebensdorf nahm der Volkssturm im Auftrag der Kreisleitung 18 Flüchtlinge fest und übergab sie Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“, welche sie zwischen dem 7. und 11. April erschossen.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Ein weiterer Transport, welcher in Rechnitz zusammengestellt wurde und etwa 3-5000 Personen umfasste, marschierte über Hartberg und Großpesendorf nach Gleisdorf. Auf diesem Teilstück kam es zu zahlreichen Fluchten. Im kleinen steirischen Ort Kalch wurden mindestens 14 Juden von Dorfbewohnern versteckt und gerettet. In der Umgebung Prebensdorf ging der Volkssturm im Auftrag der Kreisleitung auf die Suche nah Flüchtlingen und nahm 18 Personen fest, die dann zwischen dem 7. Und 11. April 1945 von Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ erschossen wurden.

Materialien 11

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): In der Umgebung von Prebensdorf forschte der Volkssturm im Auftrag der Kreisleitung von Weiz 21 Flüchtlinge aus98 und übergab sie Angehörigen des Regiments „Germania“ der SS-Division „Wiking“, das im April 1945 dort lag,99 welche sie zwischen dem 7. und 11. April 1945 erschoss.100 Die betrunkenen SS-Männer misshandelten ihre Opfer schwer und zwangen sie, ihre Gräber selbst auszuheben. Die Staatsanwaltschaft Stade an der Elbe führte in den sechziger Jahren Ermittlungen gegen die Täter durch, stellte das Verfahren jedoch am 14. November 1962 ein.101 Die beschuldigten SS-Männer leugneten ihre Beteiligung an den Morden nicht, doch billigte ihnen das Gericht zu, dass sie bloß Ausführende eines Befehls waren, von dem sie nicht erkannten, dass er verbrecherisch war. Ihr Vergehen war daher nicht Mord, sondern Totschlag und dieser war 1962 bereits verjährt. Die Judenmorde von Prebensdorf — und vermutlich Egelsdorf — zeigen neuerlich die enge Zusammenarbeit von Kreisleitung und Waffen-SS: Bei Prebensdorf ist nachgewiesen, dass die Kreisleitung dem Volkssturm lediglich befahl, die flüchtigen Juden einzufangen und an einem bestimmten Ort zu konzentrieren, während die Waffen-SS die Erschießungen durchführte.102 Eine weitere Einheit der SS-Division „Wiking“ war zwischen dem 2. und 4. April 1945 in Eggenfeld stationiert. Am 4. April verließ ein Transport mit etwa 6000 ungarischen Juden Graz in Richtung Bruck an der Mur. Bei Gratkorn flohen etwa 20 Teilnehmer dieses Transports.

Materialien 013

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): Der „Schonungsbefehl“ Himmlers von Ende März 1945 wurde, wie unter anderen die Morde von Prebensdorf, Weiz und Nestelbach beweisen, weder von hochrangigen NS-Funktionären noch von Angehörigen der Waffen-SS befolgt. Obwohl diese Verbrechen zu Kriegsende häufig vor den Augen der österreichischen Bevölkerung verübt wurden, gerieten sie in Vergessenheit und konnten die Mythenbildung um die Waffen-SS als rein kämpfende Formation, aber auch um die angeblich ahnungslosen führenden Nationalsozialisten nicht verhindern.

Materialien 013

Wöchentliche Berichte der 409 Field Security Section
b) Mass Grave.
A Grave is situated at PREBERSDORF (sh Z 10-6 098707) and it is said to contain 15-16 bodies of Hungarian Jews. They seem to be a part of the 4000 or 5000 Jews who left FELDBACH for OBERSTEIERMARK towards the end of the way.
Information about people concerned is seanty but they were all SS men from the “Viking Division”. None of them have been traced. It seems unlikely to have any connection with the KIRCHNER Einheit (Re History of KIRCHNER Einheit FS/47/15 of 26 Sep 45).
Gendarmerie report is awaited.

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Q

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R

Radkersburg

Eleonore Lappin: „Die Insassen der südlichsten Lager wie Klöch und Radkersburg marschierten über Hürth nach Jagersberg, St. Stefan im Rosental und Kirchberg an der Raab nach Gleisdorf.“

Materialien 6

Tina Walzer: „In den nachfolgenden Orten befinden sich laut Quellen weitere Massengräber, wobei noch zu klären ist, ob diese Gräber nicht exhumiert worden sind, wenn ja, wohin, und ob es weitere Unterlagen zur genauen Lage gibt: Radkersburg, …“

Materialien 8

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Rechnitz

Eleonore Lappin: „Die Evakuierung der vier Lager im Raum Köszeg erfolgte am 23. März 1945. Die Arbeiter dieser sowie südlicher gelegener Lager wie Bucsu wurden per Bahn nach Rechnitz bzw. Burg gebracht. Von dort marschierten sie nach Markt Neuhodis, Markt Allhau und Hartberg, wo sie auf den Transport aus Deutsch-Schützen stießen.“

Materialien 6

Szalbalcs Szita (Mobiles Erinnern): „Im Zuge der Evakuierung des Arbeitslagers in Köszeg wurden am 23. Und 24. März 1945 nahezu 1000 ungarische Juden mit der Eisenbahn zum Unterabschnitt Burg gefahren. Dort stellte sich heraus, dass 200 bis 250 von diesen Leuten Einsatzunfähig waren, sie wurden auf Befehl der NSDAP-Kreisleitung Oberwart unverzüglich nach Rechnitz weiterkommandiert.“ (=> Massaker von Rechnitz)

Materialien 10

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): Die Häftlinge aus Köszeg und Buscu wurden zunächst zu Fuß oder per Bahn in den Raum Rechnitz verbracht. Trotz der oben beschriebenen massenhaften Ermordung von Kranken in Köszeg kamen am 24. März mit einer Gruppe von insgesamt tausend Personen auch 200 nicht mehr arbeitsfähige per Bahn in Burg an. Während die Gesunden zu Schanzarbeiten eingeteilt wurden, veranlasste Kreisleiter Eduard Nicka den Rücktransport der Kranken ach Rechnitz, wo sie in der Nacht von 16-17 Teilnehmern eines Gefolgschaftsfestes der örtlichen Nazi-Prominenz erschossen wurden.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Mobiles Erinnern): Bei den Rückzugsmärschen gab es an mehreren Orten Sammelpunkte, wo die Transporte aus verschiedenen Lagern zusammengelegt oder neu eingeteilt wurden. So trafen die wegen der vorher erfolgten Evakuierungen aus Westungarn sehr zahlreichen ArbeiterInnen, die am 27. oder 28. März aus Rechnitz evakuiert wurden in Hartberg auf die Gruppe aus Deutsch Schützen. Dort übernahm der Volkssturm die Bewachung der Juden und trieb sie nach Sebersdorf. Ein weiterer Transport aus Köszeg marschierte von Hartberg über Großpesendorf nach Gleisdorf.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Ein Teil der Zwangsarbeiter aus Köszeg und Bucsu wurde bereits einige Tage früher nach Rechnitz bzw. Burg gebracht, angeblich um im Burgenland weiter zur Arbeit eingesetzt zu werden. Obwohl hunderte kranke Zwangsarbeiter in Köszeg noch vor dem Abmarsch ermordet worden waren, kamen in Burg am 24. März noch etwa 220 Arbeitsunfähige an. Diese Kranken wurden in der Nacht zum 24. März in der Nähe von Rechnitz erschossen. Auch kranke Angehörige der Gruppe aus Bucsu sollen in einem Wald in der Nähe von Rechnitz ermordet worden sein. Die jüdischen Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, die von Köszeg nach Rechnitz gebracht und dort in zwei Lagern untergebracht worden waren, wurden, wie Judith Hruza berichtete, relativ gut behandelt, bis sie wenige Tage später ihren Marsch durch die Steiermark und Oberösterreich antreten mussten. Ihre Route führte zunächst von Rechnitz nach Markt Neuhodis, Markt Allhau und Hartberg. In Hartberg stießen sie auf den Transport aus Deutsch-Schützen.
Dieser Transport war bereits vor dem Abmarsch am 28. März 1945 stark dezimiert worden, da drei Angehörige der Waffen-SS-Division „Wiking“ sowie fünf Feldgendarmen achtzig Juden erschossen hatten, obwohl diese Marschfähig waren. Auf Befehl ihres Bannführers Alfred Weber holten die Hitlerjungen , die nach der Flucht der zuvor wachhabenden SA-Leute zur Bewachung der Juden eingeteilt worden war, die Opfer aus dem Lager und lieferten sie ihren Mördern aus. Die Hitlerjungen waren zusammen mit Angehörigen der Waffen-SS auch als Eskorten des Transports eingeteilt. Während des Marsches verübten die Mitglieder der HJ und der Waffen-SS weitere Morde an Erschöpften. Der Transport wurde auf Nebenstraßen am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf, Wolfau und Hartberg. In Sebersdorf übergab die HJ den Transport Angehörigen des Volkssturms, welche diesen – vermutlich über Ilz und Gnies – weiter nach Gleisdorf führten. Die Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ dürften den Transport bis Graz begleitet haben.

Materialien 11

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Ein weiterer Transport, welcher in Rechnitz zusammengestellt wurde und etwa 3-5000 Personen umfasste, marschierte über Hartberg und Großpesendorf nach Gleisdorf. Auf diesem Teilstück kam es zu zahlreichen Fluchten. Im kleinen steirischen Ort Kalch wurden mindestens 14 Juden von Dorfbewohnern versteckt und gerettet. In der Umgebung Prebensdorf ging der Volkssturm im Auftrag der Kreisleitung auf die Suche nah Flüchtlingen und nahm 18 Personen fest, die dann zwischen dem 7. und 11. April 1945 von Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ erschossen wurden.

Materialien 11

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): Ein weiteres Bataillon der SS-Division „Handschar“ befand sich im Raum Oberwart. Angehörige dieser Division waren zumindest zeitweise in Rechnitz zur Bewachung der jüdischen Arbeiter eingesetzt.77 Laut Berichten von Überlebenden war deren Behandlung relativ gut. Allerdings gibt es Hinweise, dass muselmanische SS-Männer beim Massaker an etwa 200 ungarischen Juden in Rechnitz am 24. und 25. März 1945 mitbeteiligt waren.78 In diesem Fall handelte es sich nicht um „Seuchenbekämpfung“, sondern um die Beseitigung nichtarbeitsfähiger Juden, die von den frontnahen Lagern im Raum Köszeg nach Burg zum weiteren, wenn auch nur wenige Tage dauernden Arbeitseinsatz zurückgezogen worden waren. Die Gerichte konnten nicht klären, wer den Befehl zu diesen Morden gegeben hatte. Der Frage, welcher Einheit die beteiligten SS-Männer angehörten, schenkten sie keine Aufmerksamkeit.

Materialien 013

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): Es ist allerdings möglich, dass diese den Transport weiterhin begleitete, da Einheiten der SS-Division „Wiking“ entlang dessen weiterer Route nach Gleisdorf und Graz stationiert waren. Obwohl der Gendarmerie und den Gerichten die Namen von zwei der drei SS-Männer bekannt waren und einer sogar angeblich ein Tiroler war, konnten diese nicht ausgeforscht werden. Aber auch die Rolle, die der Kreisleiter von Oberwart, Eduard Nicka, bei diesen sowie bei den Morden an über 200 Juden in Rechnitz spielte, wurde nie aufgeklärt.9

Materialien 013

Liste der südburgenländischen Lager
Rechnitz, Belegung 500 – 800, Wirtschaftsräume Schloss Rechnitz, Schwarzmeierhof, ehemalige Synagoge; Die Anzahl der Todesopfer ist unbekannt. Der Rechnitzer Arzt Leo Wiltschke versuchte das Leid der Zwangsarbeiter zu mindern. Bei der Unterbringung im Schloss waren die sanitären Bedingungen besser als bei den anderen Standorten. Am 24. März 1945 erfolgte das Massaker von Rechnitz, dem rund 200 Personen zum Opfer fielen.

Materialien 014

Markus Krenn, „ Der Todesmarsch ungarisch – jüdischer Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen durch das oberösterreichische Ennstal ins KZ Mauthausen im Frühjahr 1945 – ein mikrohistorischer Versuch.“, Diplomarbeit, Uni Wien, 2013:
In diesem Zuge können auch die Unterabschnitte 1 – 3 des Bauabschnittes Oberwart VI genannt werden, welche dem Rechnitzer Gestapobeamten Franz Podezin unterstanden.87 „In Rechnitz war das größte Lager in Wirtschaftsräumen des Schlosses des Grafen Iván Batthyány untergebracht, wo sich auch der Sitz der Unterabschnittleitung Rechnitz befand. Als Unterkünfte der Männer werden ein Keller beziehungsweise Lagerräume angeführt, in denen Pritschen aufgestellt waren und vergleichsweise gute Bedingungen herrschten. […] Auch die sanitären Bedingungen waren hier besser als am Südostwall üblich, da in einem Wirtschaftsgebäude des Schlosses eine eigene Entlausungsstation eingerichtet war. […] Auf die Sauberkeit der Häftlinge wurde wohl deshalb geachtet, weil sich ihr Lager ebenso im Schloss befand wie die Büros der Unterabschnittsleitung und die Wohnräume von Graf und Gräfin Batthyány. Die etwas besseren Lebensbedingungen waren auch Dr. Leo Wiltschke zu verdanken, der die ärztliche Betreuung der Stellungsarbeiter in Rechnitz und in Schachendorf überhatte. Er gehörte zu den wenigen österreichischen Ärzten, die trotz Verboten seine ungarisch – jüdischen Kollegen nach Möglichkeit mit Verbandsstoff und Medikamenten versorgte.“88

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Rehgraben

Franz Timischl „Morde an ungarischen Juden“ in „Fürstenfeld – Die Stadtgeschichte“, ab Seite 458
Der einzige konkrete schriftliche Beleg dafür für den Kreis Fürstenfeld ist eine Dienstanweisung vom 22. März 1945, die der Beauftragte für den Stellungsbau im Kreis Fürstenfeld, Kreisleiter Meißl, erteilte. Die Bezeichnung für die Aktion lautete in nationalsozialistischer Umschreibung Rückführung der Juden aus dem Stellungsbau im Falle eines Alarmes (d.h. Vorstoß sowjetischer Truppen an die Reichsschutzstellung). Die Dienstanweisung war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern nur für einen kleinen Kreis von Personen aus der NSDAP – Kreisleiter, Kreisorganisationsleiter, Kreisstabsführer, die Ortsgruppenleiter von Eberau, Strem, Heiligenbrunn und Heiligenkreuz und die Unterabschnittsführer. In den Unterabschnitten Eberau bis Strem war vorgesehen, die Juden einen Tag vor dem Abmarsch im Judenlager Strem zu sammeln und sie tags darauf 33 km von Strem über Güssing, Sulz, Rehgraben, Neusiedl, Deutsch Kaltenbrunn bis Bierbaum marschieren zu lassen. Die jeweiligen Lagerwachen (Strem, Poppendorf, Bierbaum) stellte der Volkssturm, weitere Befehle erteilte Herbert Denk, Mitglied der Ortsgruppe der NSDAP Fürstenfeld. Die Auflösung der Lager um Strem erfolgte um den 29. März. Ein überlebender Zwangsarbeiter schätzte die von Strem weggebrachten Juden, die in Richtung Graz in Marsch gesetzt wurden, auf 5000.

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Reinersdorf

Eleonore Lappin: „Am 24.03.1945 übernahmen 13 Hitlerjungen unter Leitung ihres Führers in Burg 1000 bis 1200 jüdische Arbeiter aus Köszeg. Diese 16- und 17-jährigen Burschen geleiteten den Transport über Eisenberg, Höll, Gaas, Maria Weinberg nach Strem. Unterwegs wurden einzelne Gruppen in Eberau und Moschendorf, wo bereits Juden im Arbeitseinsatz standen, zurückgelassen, die letzten Gruppen dieses Transportes von Strem nach Heiligenbrunn und Reinersdorf weitergeführt. Bereits am 28. März erfolgte die endgültige Evakuierung ins Landesinnere. Die Insassen der Lager Eberau, Moschendorf, Strem und Reinersdorf wurden in Strem gesammelt und am nächsten Tag auf der Route Strem-Güssing-Sulz-Rehgraben-Neusiedl-Deutsch Kaltenbrunn nach Bierbaum gebracht.“

Materialien 6

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): Am 28./29. März erging der Befehl, ach die österreichischen Lager aufzulösen un die Arbeiter in Richtung Mauthausen in Marsch zu setzen. Beim Abmarsch aus dem Lager Reinersdorf am 28. März befahl der dortige Unterabschnittsleiter Bruno Strebinger, alle Kranken auszusondern und zu liqudieren, doch verweigerten die Wachmannschaften diesen Befehl und evakuierten die ganze Gruppe. Am 29. März hatten fünf Feldgendarmen und drei Angeehörige der Waffen-SS-Division „Wiking“ mithilfe der wachhabenden HJ achtzig der dort eingesetzten Arbeiter erschossen, bis der Befehl kam, die 420 Überlebenden doch zu evakuieren.

Materialien 10

Liste der südburgenländischen Lager
Reinersdorf, Belegung 100 – 200, zwei verfallene Bauernhöfe; Die Zwangsarbeiter befanden sich bei der Ankunft in guter körperlicher Verfassung. Bei der Evakuierung ab 27. März wurden durch Abschnittsleiter Bruno Strebinger und seinem Untergebenen Isidor Fellner mehrere Morde begangen. 1948 wurden beide im Zweiten Stremer Mordprozess vor dem Volksgericht Graz verurteilt.

Materialien 014

Aus dem Urteil Vg 1 Vr 9128/47, LG für Strafsachen Graz

 

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Rotenturm an der Pinka

Eleonore Lappin: „Die Evakuierung der vier Lager im Raum Köszeg erfolgte am 23. März 1945. Die Arbeiter dieser sowie südlicher gelegener Lager wie Bucsu wurden per Bahn nach Rechnitz bzw. Burg gebracht. Von dort marschierten sie nach Markt Neuhodis, Markt Allhau und Hartberg, wo sie auf den Transport aus Deutsch-Schützen stießen. Dieser war von Hitlerjungen auf Straßen und durch die Wälder am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet worden. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf und Wolfau nach Hartberg.“

Materialien 6

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Die Hitlerjungen waren zusammen mit Angehörigen der Waffen-SS auch als Eskorten des Transports [von Rechnitz aus] eingeteilt. Während des Marsches verübten die Mitglieder der HJ und der Waffen-SS weitere Morde an Erschöpften. Der Transport wurde auf Nebenstraßen am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf, Wolfau und Hartberg. In Sebersdorf übergab die HJ den Transport Angehörigen des Volkssturms, welche diesen – vermutlich über Ilz und Gnies – weiter nach Gleisdorf führten. Die Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ dürften den Transport bis Graz begleitet haben.

Materialien 11

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Rudersdorf

Eleonore Lappin: „Bereits am 28. März erfolgte die endgültige Evakuierung ins Landesinnere. Die Insassen der Lager Eberau, Moschendorf, Strem und Reinersdorf wurden in Strem gesammelt und am nächsten Tag auf der Route Strem-Güssing-Sulz-Rehgraben-Neusiedel-Deutsch Kaltenbrunn nach Bierbaum gebracht. Dorthin kamen auch die Transporte aus den Lagern Inzendorf (? gemeint Inzenhof?), Heiligenkreuz und Popendorf, deren erster Sammelpunkt Popendorf gewesen war. Von dort waren die Transporte nach Rudersdorf-Deutsch Kaltenbrunn und Bierbaum marschiert.“

Materialien 6

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S

Salla

Aus der Chronik des Gendarmeriepostens
„1945; 9.4. (Aus dem Übergangsbericht) Am 9.4.1945 wurde von der SS eine große Zahl ungarischer Juden durch Salla getrieben. 2 Juden starben unterhalb des Schutzhauses Gaberl-Stubalpe.“

Materialien 5

CLIO: Zwischen 29. und 31. März marschierten die jüdischen Zwangsarbeiter von St. Anna über Bad Gleichenberg nach Gnas, wo ein erster Sammelpunkt für die „Evakuierungstransporte“ war.
Hier blieben sie zwei Tage, ehe sie weiter nach Gleisdorf nach Graz marschierten. Vom Lager Liebenau in Graz gingen mehrere Transporte weiter in die Obersteiermark, wobei diese zumeist
über Bruck an der Mur, Leoben und den Präbichl nach Mauthausen getrieben wurden. Ein Transport ging auch über die Weststeiermark, das Gaberl, Judenburg, Hohentauern, Trieben, Liezen und den Phyrnpass nach Mauthausen. Entlang all dieser Routen sollten nach Kriegsende in zahlreichen steirischen Gemeinden Gräber so genannter „Marschunfähiger“ gefunden werden. Darunter waren auch jüdische Zwangsarbeiter aus St. Anna am Aigen.

Material St. Anna 004

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Sankt Anna am Aigen

Die Zeitgeschichtsforschung hat in den letzten Jahren zahlreiche Massaker in der Südoststeiermark herausarbeiten können. Sehr oft handelt es sich dabei um die Ermordung auf Grund katastrophaler hygienischer Bedingungen erkrankten ZwangsarbeiterInnen. So etwa am 13. Februar 1945, als 41 erkrankte jüdische Zwangsarbeiter von „einem SS-Kommando aus Feldbach“ in der Nähe von St. Anna am Aigen ermordet wurden. Die Erschießungen wurden teils von örtlichen Parteifunktionären, vor allem aber von Verbänden der Waffen-SS durchgeführt. Die Nicht-Kranken wurden ab Ende März 1945 auf Todesmärschen Richtung Mauthausen getrieben, wobei es hier erneut zu systematischen Erschießungen von Gefangen kam.
Darunter waren auch jüdische Zwangsarbeiter aus St. Anna am Aigen.

Materialien 4

Tina Walzer: „In den nachfolgenden Orten befinden sich laut Quellen weitere Massengräber, wobei noch zu klären ist, ob diese Gräber nicht exhumiert worden sind, wenn ja, wohin, und ob es weitere Unterlagen zur genauen Lage gibt: St. Anna am Aigen, …“
Darunter waren auch jüdische Zwangsarbeiter aus St. Anna am Aigen.

Materialien 8

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): Die Kranken des Lagers St. Anna/Aigen blieben im Barackenlager „Höll“ zurück. Einige von ihnen waren kräftig genug, um in den nächsten Tagen im Ort um Verpflegung zu betteln. Unmittelbar vor der Befreiung durch die russische Armee wurde auch der Großteil dieser Gruppe von der Waffen-SS ermordet. Die Überlebenden begaben sich auf raschestem Weg in ihre Heimat. Unter der Ortsbevölkerung kursierte daher das Gerücht, die Juden seien von den Russen verschleppt und ermordet worden.
Darunter waren auch jüdische Zwangsarbeiter aus St. Anna am Aigen.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Wolf Gancz machte einen derartigen Todesmarsch ab Eberau mit und gehörte zu den 6-8000 Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen, die am 7. April 1945 den Präbichl passierten, als dort das berüchtigte Massaker verübt wurde, dem mehr als 200 Menschen zum Opfer fielen. Gancz schildert unter anderem, wie seine Kolonne, die 3000 Personen umfasst haben soll, als sie am 30. März 1945 Eberau verließ, mit Transporten aus den Lagern Strem, Feldbach, Heiligenkreuz, Jennersdorf, Fehring, Schachendorf, Neumarkt an der Raab, Bucsu sowie aus St. Anna am Aigen zusammengelegt wurde.
Darunter waren auch jüdische Zwangsarbeiter aus St. Anna am Aigen.

Materialien 11

Chronik des Gendarmeriepostens St. Anna a. A. – Übergangsbericht:
„(…) Vom Spätherbst 1944 bis Frühjahr 1945 wurde hier ein großangelegter Stellungsbau, organisiert von den nationalsozialistischen Stellen, durchgeführt. Es wurden an der ehemaligen jugoslawischen österreichischen Grenze Schützengräben, Unterstände und ein Panzerabwehrgraben gebaut. Viele Leute aus den verschiedenen Orten Österreichs, darunter auch etwa 300 Juden, waren an diesen Arbeiten beschäftigt.
Unter den in St. Anna untergebracht gewesen Juden brach Typhus aus. Von diesen Juden wurden 41 Männer, die typhuskrank gewesen sein sollen, am 13.2.1945 auf einem Lastauto verladen, in einen Wald nach D. Haseldorf, Bezirk Radkersburg, gebracht, dort erschossen und in einem Massengrab mitten im Walde beerdigt.
Außerdem wurden 7 Juden, die beim hiesigen Stellungsbau beschäftigt waren, einige Tage vor Ostern 1945 – vermutet wird, dass es am Karfreitag früh war – nahe der sogenannten „Granitbaracke“ auf einer Wiese in der Gemeinde D. Haselsdorf, Bezirk Radkersburg, erschossen und an Ort und Stelle begraben.
Die Erschießungen der Juden sollen zwei SS Männer, die in Feldbach stationiert waren und zu diesen Zwecken hierher beordert wurden, durchgeführt haben. All dieses geschah auf Anweisung der nationalsozialistischen Parteidienststellen.“

Materialien 5

WB – Kurzzusammenfassung Interview aus dem Internet: Der ungarisch/jüdische Zwangsarbeiter Sandor Vandor erreichte das Lager in St. Aigen kurz nach Weihnachten 1944. Unmittelbar nach der Grenze musste er vorher eine Entlausungsstation passieren. Er beschreibt in Interviews die Situation im Lager und die Stellungsanlagen, welche die Gefangenen errichten mussten. Vor allem verweist er immer wieder auf die schlechte Nahrungsmittelversorgung, die im Lager herrschte. Neben den ungarischen Juden sollen auch noch ukrainische Kriegsgefangene im Lager untergebracht worden sein, die mehr Bewegungsfreiheiten hatten. Die Bewachung erfolgte durch uniformierte Deutsche. Immer wieder gelang es ihm aus dem Lager zu kommen und bei Einheimischen Essen zu erbetteln. Vor allem einer Gruppe von Frauen schreibt er zu ihm damit das Leben gerettet zu haben. Am 15. April 1945 (oder 5. April???) wurde er – typhuserkrankt – von der Roten Armee befreit.

Materialien St. Anna 001

Mit Sandor Vandor wurde von Wolfgang Brossmann am 15.11.2018 ein kurzes Interview geführt (Interview 011), in dem er von der Zeit in St. Anna beschreibt.

Materialien St. Anna 002

Website Generationendialog: Für die Befestigungsarbeiten bei St. Anna wurden neben der Dorfbevölkerung auch Ostarbeiter sowie Ostarbeiterinnen und ab Ende Jänner auch rund 400 ungarische Juden und Jüdinnen eingesetzt. Nachdem aufgrund der Frontverschiebungen der Befehl für die Evakuierungen der ZwangsarbeiterInnen kam, wurden zwischen dem 29. Und 31. März die jüdischen ZwangsarbeiterInnen von St. Anna über Bad Gleichenberg nach Gnas, wo ein erster Sammelpunkt für die „Evakuierungstransporte“ war, überführt.

Materialien St. Anna 003

CLIO: Ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter in St. Anna am Aigen
Für die Befestigungsanlagen bei St. Anna wurden neben der Dorfbevölkerung auch Ostarbeiter und ab Ende Jänner 1945 auch rund 400 ungarische Juden eingesetzt.8 So kamen 150 Juden aus Straßhof bei Wien, die in der geräumten Schule gegenüber der Kirche (heute Schuhhaus Rindler) in St. Anna untergebracht wurden, sowie rund 250 Arbeitsdienstler der ungarischen Armee, die per Bahn von Sopron nach Fehring transportiert wurden. Diese wurden gemeinsam mit Ostarbeitern in einem Lagerhaus untergebracht, andere kam in den Theatersaal (heute Pfarrheim). Sie mussten Gräben und Schützenstellungen errichten, die letztlich in der „Höllwiese“ und im Aigner Feld auf etwa zwei Kilometer rund fünf Meter tief und viereinhalb Meter breit waren. Obwohl die Arbeit v.a. im Winter hart war, berichteten Überlebende, dass diese Arbeit als auch die Bewachung durchaus erträglich war. Es kam immer wieder zu Misshandlungen durch die Bewachung, die mehrmals wechselte. So waren für sie u.a. SA-Angehörige, Ukrainer, kroatische SS sowie Volkssturmangehörige zuständig. Schafften sie das Arbeitspensum nicht, wurden sie zwar beschimpft und mussten länger arbeiten, doch vielfach konnten sie, wenn sie die vorgegebene Arbeit erledigt hatten, unbegleitet von der Arbeit ins rund fünf Kilometer entfernte Lager gehen. Auch erhielten sie zu Mittag auf der Baustelle eine warme Suppe zum Essen. Zusätzlich konnten sie sich am Weg ins Lager Essen bei der Bevölkerung erbetteln.
Die jüdischen Zwangsarbeiter waren aber dennoch teilweise unterernährt. Auf Grund der mangelnden Hygiene in den beengten Lagern grassierte außerdem bald der Flecktyphus. Die Epidemie nahm ihren Ausgang bei der Gruppe, die im Theatersaal untergebracht war, breitete sich aber rasch auch auf die anderen Lager aus, da alle gemeinsam schanzen mussten. Die Verantwortlichen bekämpften den Flecktyphus in St. Anna wie fast überall entlang des „Südostwalls“ mit Isolierung der Kranken bzw. schließlich mit Erschießungen. So wurden die Juden zunächst in ein Zeltlager bei Sinnersdorf verlegt. Nach der Entlausung bezogen jeweils zwanzig Personen eins von sechs Zelten, wo sie bei eisigen Temperaturen am Boden schlafen mussten.
Als Anfang Februar 1945 der Feldbacher Kreis- und Abschnittsleiter Anton Rutte nach St. Anna kam, ordnete er an, dass die Schwerkranken zu erschießen sind. Am 12. oder 13. Februar erschossen Angehörige des 2. SS-Baubataillons Kama 41 Kranke im Schadlerwald bei Deutsch Haseldorf. Am Tag danach wurden fünf weitere erschossen, wobei diese als Vergeltung für die Flucht von fünf Arbeitsdienstlern aus dem unbewachten Zeltlager hingerichtet wurden.
Als die Rote Armee näher kam, wurden die Lager evakuiert. Nichtmarschfähige wurden in eine Holzbaracke in der Höll gebracht, wo sie nach dem Abmarsch der anderen Ende März 1945 hätten erschossen werden sollen, was der Vormarsch der Roten Armee aber verhinderte. Sie wurden am 5. April befreit und jene, die konnten, machten sich auf den Heimweg nach Ungarn.

Materialien St. Anna 004

CLIO: So wurden die Leichen der im Schadlerwald Erschossenen und sechs weitere in St. Anna umgekommene Juden im Herbst 1950 auf den jüdischen Friedhof nach Trautmannsdorf überführt, wo auch jene 17 Leichen von Juden hinkamen, die beim Marsch nach Gnas und von Gnas nach Paldau starben bzw. ermordet wurden.

Material St. Anna

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): Im Februar 1945 erschossen in einem Wald bei St. Anna am Aigen ein HJ-Bannführer aus Feldbach sowie 6 bis 7 unbekannte SS-Männer vierzig angeblich typhuskranke Juden auf Befehl Anton Ruttes.73 Auch hier wird die Einheit des Mordkommandos nicht genannt. Ein Zeuge beobachtete allerdings, wie „Fremdarbeiter“ eine Grube beim Tatort im Schadlerwald aushoben. Dabei könnte es sich um muselmanische SS-Männer gehandelt haben.74 Bekanntlich waren Angehörige der SS-Division „Handschar“ zumindest vorübergehend in St. Anna am Aigen als Wachmannschaften eingeteilt. Der Stab der „Handschar“ befand sich in Feldbach, von wo auch der HJ-Bannführer, der vermutlich das Kommando innehatte, kam. Eine Beteiligung der „Handschar“ an diesen Morden ist daher möglich, aber nicht nachweisbar.

Materialien 013

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Sankt Kathrein im Burgenland

Eleonore Lappin: „Die Evakuierung der vier Lager im Raum Köszeg erfolgte am 23. März 1945. Die Arbeiter dieser sowie südlicher gelegener Lager wie Bucsu wurden per Bahn nach Rechnitz bzw. Burg gebracht. Von dort marschierten sie nach Markt Neuhodis, Markt Allhau und Hartberg, wo sie auf den Transport aus Deutsch-Schützen stießen. Dieser war von Hitlerjungen auf Straßen und durch die Wälder am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischndorf nach Jabing geleitet worden. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf und Wolfau nach Hartberg.“

Materialien 6

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Die Hitlerjungen waren zusammen mit Angehörigen der Waffen-SS auch als Eskorten des Transports [von Rechnitz aus] eingeteilt. Während des Marsches verübten die Mitglieder der HJ und der Waffen-SS weitere Morde an Erschöpften. Der Transport wurde auf Nebenstraßen am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf, Wolfau und Hartberg. In Sebersdorf übergab die HJ den Transport Angehörigen des Volkssturms, welche diesen – vermutlich über Ilz und Gnies – weiter nach Gleisdorf führten. Die Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ dürften den Transport bis Graz begleitet haben.

Materialien 11

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Sankt Martin an der Raab

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): In Paldau wurde nach dem Krieg ein Massengrab mit 17 Toten entdeckt, was darauf hindeutet, dass hier ein Sammelpunkt für Kolonnen aus den Lagern Kalch, Bonisdorf, Krottendorf, Neuhaus, Minihof-Liebau, Windisch-Minihof uns St. Martin an der Raab war.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): In Paldau wurde nach dem Krieg ein Massengrab mit 17 Toten entdeckt, was darauf hindeutet, dass hier ein Sammelpunkt für Kolonnen aus den Lagern Kalch, Bonisdorf, Krottendorf, Neuhaus, Minihof-Liebau, Windisch-Minihof uns St. Martin an der Raab war.

Materialien 10

Liste der südburgenländischen Lager
St. Martin an der Raab; In diesem Abschnitt des Südostwalls war die Behandlung der Zwangsarbeiter relativ human, in Sankt Martin starb lediglich ein Zwangsarbeiter aufgrund einer Lungenentzündung.

Materialien 014

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Sankt Stefan im Rosental

Chronik des Gendarmeriepostens (Originalbericht, nicht Übergangsbericht)
„6.4. Ein Judentransport wird über Ingerberg St. Stefan nach Kirchbach befördert und die Juden über Nacht im Schulhaus untergebracht.“

Materialien 5

Eleonore Lappin: „Die Insassen der südlichsten Lager wie Klöch und Radkersburg marschierten über Hürth nach Jagersberg, St. Stefan im Rosental und Kirchberg an der Raab nach Gleisdorf.“

Materialien 6

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Schachendorf

Tina Walzer: „In den nachfolgenden Orten befinden sich laut Quellen weitere Massengräber, wobei noch zu klären ist, ob diese Gräber nicht exhumiert worden sind, wenn ja, wohin, und ob es weitere Unterlagen zur genauen Lage gibt: Schachendorf Ortsteil Schandorf, …“

Materialien 8

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Schandorf

Liste der südburgenländischen Lager
Schandorf, 100 – 200 Belegung, Volksschule und Gasthof Veraszto; Die Gefangenen wurden von der Angehörigen der kroatischen Waffen-SS schlecht behandelt. Die Verpflegungslage war aber gut, auch weil die Ortsbevölkerung und Wirt Veraszto mit Lebensmitteln halfen. Bei der Evakuierung konnten sich einige Zwangsarbeiter mit Hilfe von Einheimischen verstecken.

Materialien 014

Markus Krenn, „ Der Todesmarsch ungarisch – jüdischer Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen durch das oberösterreichische Ennstal ins KZ Mauthausen im Frühjahr 1945 – ein mikrohistorischer Versuch.“, Diplomarbeit, Uni Wien, 2013:
In einem weiteren Fall wird für die Ortschaft Schandorf zwischen den Unterabschnitten VI/3 und VI/4 zwar die Behandlung durch die kroatische Waffen – SS als schlecht beschrieben, doch zeigt auch der Bericht eines Arbeitsdienstlers der ungarischen Armee folgendes: „Täglich erhielten wir ein halbes Kilo[gramm] Brot, jeden zweiten Tag Honig und Butter und Wurst. Unser Quartier war ordentlich, wir konnten auch baden: es ging uns hier besser.“90 Gerade diese beispielhaften Auszüge aus Erfahrungsberichten einzelner Schicksale ungarisch – jüdischer Häftlinge, die die oben beschriebenen Bedingungen als „gut“ oder „besser“ in Erinnerung haben, wobei lediglich die grundlegendsten Bedürfnisse mehr schlecht als recht befriedigt werden konnten, verdeutlicht doch nur zu gut, wie schlimm es eigentlich um diese Gruppe von Menschen stand und unter welch schrecklichen Umständen die ungarisch- jüdischen ZwangsarbeiterInnen leben mussten.

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Sebersdorf

Eleonore Lappin: „In Sebersdorf übergab die HJ den Transport Angehörigen des Volkssturm, welche diese vermutlich über Ilz und Gnies nach Gleisdorf führten. Eine nördlichere Route, welche die etwa 4-5000 Juden aus den Rechnitzer Transporten entlang getrieben wurden, verlief von Hartberg über Großpesendorf nach Gleisdorf.“

Materialien 6

Eleonore Lappin (Mobiles Erinnern): Bei den Rückzugsmärschen gab es an mehreren Orten Sammelpunkte, wo die Transporte aus verschiedenen Lagern zusammengelegt oder neu eingeteilt wurden. So trafen die wegen der vorher erfolgten Evakuierungen aus Westungarn sehr zahlreichen ArbeiterInnen, die am 27. Oder 28. März aus Rechnitz evakuiert wurden in Hartbeg auf die Gruppe aus Deutsch Schützen. Dort übernahm der Volkssturm die Bewachung der Juden und trieb sie nach Sebersdorf. Ein weiterer Transport aus Köszeg marschierte von Hartberg über Großpesendorf nach Gleisdorf.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Die Hitlerjungen waren zusammen mit Angehörigen der Waffen-SS auch als Eskorten des Transports [von Rechnitz aus] eingeteilt. Während des Marsches verübten die Mitglieder der HJ und der Waffen-SS weitere Morde an Erschöpften. Der Transport wurde auf Nebenstraßen am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf, Wolfau und Hartberg. In Sebersdorf übergab die HJ den Transport Angehörigen des Volkssturms, welche diesen – vermutlich über Ilz und Gnies – weiter nach Gleisdorf führten. Die Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ dürften den Transport bis Graz begleitet haben.

Materialien 11

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): Bei dem Marsch von Deutsch-Schützen nach Hartberg stellten die Hitlerjungen zusammen mit den SS-Männern die Wachmannschaften. Dabei kam es erneut zu Morden an Erschöpften, welche die SS-Männer mit Unterstützung der Hitlerjungen verübten.89 Frauen aus Oberdorf berichteten nach dem Krieg, dass sie die SS-Männer nicht nur daran hinderten, den erschöpften Juden etwas Nahrung zu geben, sondern diese auch brutal misshandelten. In Sebersdorf hinter Hartberg wurden die Hitlerjungen vom Volkssturm abgelöst. Damit verlieren sich auch die Spuren der SS-Begleitmannschaft.

Materialien 013

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Sinabelkirchen

Kleine Zeitung, 03.04.2017: „72 Jahr nach den Todesmärschen der Juden durch die Oststeiermark erinnern 50 Infotafeln entlang der Route daran. Sie ziehen sich über 25 oststeirische Gemeinden.“

Materialien 016

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Sinnerdorf (wahrscheinlich: Kramarovci in Slowenien)

CLIO: Die Verantwortlichen bekämpften den Flecktyphus in St. Anna wie fast überall entlang des „Südostwalls“ mit Isolierung der Kranken bzw. schließlich mit Erschießungen. So wurden die Juden zunächst in ein Zeltlager bei Sinnersdorf verlegt. Nach der Entlausung bezogen jeweils zwanzig Personen eins von sechs Zelten, wo sie bei eisigen Temperaturen am Boden schlafen mussten.

Materialien St. Anna 004

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Söchau

Kleine Zeitung, 03.04.2017: „72 Jahr nach den Todesmärschen der Juden durch die Oststeiermark erinnern 50 Infotafeln entlang der Route daran. Sie ziehen sich über 25 oststeirische Gemeinden.“

Materialien 016

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Straden

Kleine Zeitung, 03.04.2017: „72 Jahr nach den Todesmärschen der Juden durch die Oststeiermark erinnern 50 Infotafeln entlang der Route daran. Sie ziehen sich über 25 oststeirische Gemeinden.“

Materialien 016

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Strem

Eleonore Lapin
„Am 24.03.1945 übernahmen 13 Hitlerjungen unter Leitung ihres Führers in Burg 1000 bis 1200 jüdische Arbeiter aus Köszeg. Diese 16- und 17-jährigen Burschen geleiteten den Transport über Eisenberg, Höll, Gaas, Maria Weinberg nach Strem. Unterwegs wurden einzelne Gruppen in Eberau und Moschendorf, wo bereits Juden im Arbeitseinsatz standen, zurückgelassen, die letzten Gruppen dieses Transportes von Strem nach Heiligenbrunn und Reinersdorf weitergeführt. Bereits am 28. März erfolgte die endgültige Evakuierung ins Landesinnere. Die Insassen der Lager Eberau, Moschendorf, Strem und Reinersdorf wurden in Strem gesammelt und am nächsten Tag auf der Route Strem-Güssing-Sulz-Rehgraben-Neusiedl-Deutsch Kaltenbrunn nach Bierbaum gebracht.““

Materialien 6

Tina Walzer: „In den nachfolgenden Orten befinden sich laut Quellen weitere Massengräber, wobei noch zu klären ist, ob diese Gräber nicht exhumiert worden sind, wenn ja, wohin, und ob es weitere Unterlagen zur genauen Lage gibt: Strem, …“

Materialien 8

Szalbalcs Szita (Mobiles Erinnern): „Ebenfalls am 25. März, dem Palmsonntag, wurden ungarische Schanzarbeiter unter HJ-Aufsicht an der Maria-Weinberg-Kirche vorbei nach dem nahe gelegenen Heiligenbrunn getrieben. Das erste Opfer wurde noch auf dem Weg zur Wallfahrtskirche erschossen, das zweite fiel etwas später, als die Glocken bereits zum Fest läuteten. Für weitere völlig erschöpfte und entkräftete Juden endete in der Meierei von Heiligenbrunn nicht nur der tödliche Gewaltmarsch. Auch in Strem, dieser ungefähr in der Mitte des Güssinger Festungsabschnittes gelegenen Ortschaft, arbeiteten Zwangsarbeiter aus Ungarn. Rund 600 von ihnen waren in einem Getreidespeicher einquartiert, ihr Einsatz erfolgte unter SA- und OT-Aufsicht und erwies sich als recht „abwechslungsreich“: Sie hoben Panzergräben aus oder bauten Bunker, Unterstände und Stellungen. 1985 wurden in Strem die sterblichen Überreste von 80 ehemaligen ungarischen Zwangsarbeitern exhumiert. Etliche schädel lißen Spuren eines Kopfschusses erkennen. Am 25. März 1945 hatte eine Gruppe ungarischen Juden über Strem in Reinersdorf anzurücken, um die dort eingesetzten Schanzarbeiter abzulösen. Einige von ihnen sind niemals angekommen, sie wurden von Angehörigen der Wachmannschaft auf dem Fußmarsch zwischen Strem und Heiligenbrunn niedergemetzelt. Einige dieser Täter wurden 1948 vom Grazer Landesgericht zur Verantwortung gezogen. In der Waldung zwischen Strem und Reinersdorf erlagen am 27. März weiter ungarische Juden den Gräueltaten der Wachen. Wir kennen auch in diesem Fall weder die Namen noch die genaue Anzahl der Opfer. Es gibt noch einige Beispiele an Orten und Lagern in denen ungarische Juden Gräueltaten, Misshandlungen und fürchterliche Arbeitsbedingungen erleiden mussten.“

Materialien 10

Eleonore Lappin (Mobiles Gedenken): In Klöch wurden ebenfalls bereits um den 20. März 26 Kranke von Wachmannschaften, Angehörigen des Volkssturms, erschossen. Dennoch blieben bei der Evakuierung dieses Lagers am 30. März weitere 17 Personen im Schulhaus zurück, die am 4. April von Waffen-SS-Männern umgebracht wurden. Diesen waren am 30. März die Morde an 39 in einem Meierhof bei Strem zurückgelassenen Arbeitern vorangegangen.

Materialien 10

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Wolf Gancz macchte einen derartigen Todesmarsch ab Eberau mit und gehörte zu den 6-8000 Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen, die am 7. April 1945 den Präbichl passierten, als dort das berüchtigte Massaker verübt wurde, dem mehr als 200 Menschen zum Opfer fielen. Gancz schildert unter anderem, wie seine Kolonne, die 3000 Personen umfasst haben soll, als sie am 30. März 1945 Eberau verließ, mit Transporten aus den Lagern Strem, Feldbach, Heiligenkreuz, Jennersdorf, Fehring, Schachendorf, Neumarkt an der Raab, Bucsu sowie aus St. Anna am Aigen zusammengelegt wurde.

Materialien 11

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Noch einmal zurück zu den Evakuierungstransporten aus Köszeg: Am 24. März übernahmen 13 Hitlerjungen unter der Leitung ihres Führers Anton Strasser in Burg 1000-1200 jüdische Zwangsarbeiter aus Köszeg um sie nach Strem diese 15- bis 17jährigen Burschen waren zum Teil erstmals bewaffnet und hatten den Befehl erhalten, Nichtmarschfähige zu erschießen. Einer der ehemaligen Hitlerjungen, der den Auftrag hatte, Juden von Burg nach Moschendorf zu bringen, schilderte 1992 diesen Einsatz:
„Wir erhielten eines Tages im März den Auftrag, am nächsten Tag in der Früh in Uniform bei der Post zu erscheinen, auch Strasse [der HJ-Führer] war mit. Wir fuhren auf einem Traktor zum Zollhaus in Strem, wir wußten nicht, wa wirklich geschehen sollte. Wir fassten Karabiner aus. Wie kamen zum Bahnhof in Rechnitz [muss aber Burg sein]. Dort wurde uns gesagt, dass mit einem Zug 1300 Juden ankommen, die wir nach Strem, Moschendorf usw. transportieren (Fußmarsch) sollten. Es war dort ein Platz, es wurden die Juden aufgeteilt in solche, die marschieren konnten, und solche, die nicht marschieren konnten. Da. 300 meldeten sich als nicht gehfähig, sie glaubten mit Lastwagen transportiert zu werden. Etliche wurden gleich niedergeschlagen. Wir erhielten 100 Juden zu zweit. Das muss man sich vorstellen, 3-4 hätte man erschießen können, aber mit dem Karabiner ist man erledigt, wenn 100 rundherum sind. Es waren nur Männer, 25 bis 40 Jahre alt, einige alte Männer. Sie konnten kaum marschieren, obwohl sie es wollten. Mein Kollege aus Feldbach marschierte vorne, ich hinten. Es wurde uns gesagt, wenn einer nicht kann, sollen wir ihn erschießen, in den Straßengraben werfen, es würde ein LKW folgen, der diese aufsammeln würde.“

Materialien 11

Liste der südburgenländischen Lager
Strem, 100 – 200 Belegung, Meierhof von Heiligenbrunn; Nach Ausbruch von Fleckfieber kam es zur Erschießung von mindestens 50 kranken Zwangsarbeitern. Der Abschnittsleiter Paul Schmidt und der HJ-Bannführer Gerulf Schilcher und auch andere verübten während des Baues und auch während der Evakuierung mehrere Morde. Am 30. März 1945 wurde, vermutlich durch Angehörige der 5. SS-Panzer-Division „Wiking“, der Meierhof niedergebrannt, wobei es 32 Tote gab. 1948 erfolgte beim Ersten Stremer Mordprozess vor dem Volksgericht Graz die Verurteilung von Paul Schmidt und einiger Angehöriger der Hitlerjugend.

Materialien 014

Auszug aus Interview Franz Schmaldienst (Bocksdorf) in „Amiri Historija“
Es hat ja da auch den Südostwall gegeben und die Grabungen. Es hat die Todesmärsche der Juden gegeben. Wie ist das vor sich gegangen?
Als die Front hier hergekommen ist, sind die Jugendlichen mit 15, nach der Schule, in Heiligenkreuz und Strem (Güssing) zum Schanzen eingesetzt worden. Da waren auch HJ-Führer dabei. Ein Schulfreund von mir hat mir erzählt, dass dann eines Tages ungarische Juden gekommen sind. Sie haben einen eigenen Platz gehabt, wo sie unter sich haben schanzen müssen. Und dort war ein Meierhof, ein Stadel. Dort waren zwei-, dreihundert drinnen und dann ist Typhus ausgebrochen. Doch dort ist keiner hineingegangen, um sie ärztlich zu versorgen.

Material 015

Regiowikiat
„Stremer Mordprozesse“
Der Abschnitt VI des Südostwalls war im Bezirk Fürstenfeld in mehrere Unterabschnitte unterteilt. Die Vorgänge in den Unterabschnitten VI/9 – Strem und VI/10 – Reinersdorf führten 1948 zu zwei Gerichtsprozessen vor dem Volksgericht Graz, welche umgangssprachlich als die Stremer Mordprozesse bezeichnet wurden. Inhalt der Prozesse waren dabei aber nicht die Vorkommnisse während des Ausbaus des Südostwalls sondern Erschießungen, die im Zuge von Verlegungs- bzw. Evakuierungsmärschen in Ortsteilen der benachbarten Gemeinde Heiligenbrunn stattgefunden hatten.[30]
Während des Baus des Südostwalls war die Gemeinde Strem der Standort eines Lagers für ungarische Zwangsarbeiter, das mit ca. 500 bis 600 Menschen belegt war. Verantwortlich für den Ausbau des Unterabschnittes Strem zeichnete der Bauernführer des Kreises Fürstenfeld, der Moschendorfer Paul Schmidt. Unterstützt wurde er dabei von einer Reihe von HJ-Angehörigen, die unter der Leitung des HJ-Bannführers Gerulf Schilcher standen.[30] Für den Unterabschnitt Reinersdorf war Bruno Strebinger, ein Eisenbahner aus Mürzzuschlag, verantwortlich. In Reinersdorf waren rund 90 jüdische Ungarn eingesetzt, die Strebinger in zwei verfallenen Bauernhöfen unterbrachte.[31]
Ein unrühmliche Rolle nahm der Kreisleiter von Fürstenfeld, Eduard Meissl, ein, der das Lager Strem bald nach dessen Gründung mit dem Arzt des Landratsamtes Güssing, Dr. Bock, inspizierte. Da es einige Erkrankungen unter den Häftlingen gab, forderte Meissl den Arzt auf, bei erkrankten Personen eine eindeutige Diagnose hinsichtlich Fleckfieber zu stellen. Nachdem der Arzt dies als „wahrscheinlich“ diagnostizierte, wurde das Lager unter Quarantäne gestellt und es wurde in weiterer Folge damit begonnen, Kranke zu erschießen.[32] Insgesamt dürfte es dabei in den nächsten Wochen rund 50 Opfer gegeben haben.[33]
Am 25. März begleiteten der Stremer Abschnittsleiter Paul Schmidt und der HJ-Bannführer Gerulf Schilcher zusammen mit einigen Hitlerjungen eine Gruppe Zwangsarbeiter vom Meierhof von Heiligenbrunn nach Reinersdorf. Unterwegs zettelte Schilcher im Haarbacher Wald ein Massaker unter rund 15 bis 20 marschunfähigen Juden an, bei dem sich auch andere Angehörige der Wachmannschaft beteiligten.[34]
Der erste sogenannten „Stremer Mordprozess“ fand zwischen 29. Juli und 2. August vor dem Volksgericht in Graz statt. Abschnittsführer Paul Schmidt wurde am letzten Verhandlungstag zu 20 Jahren Kerker verurteilt. Die zum Tatzeitpunkt 16-jährigen Hitlerjungen Josef Dex (4 Jahre) und Alfred Walitsch (7 Jahre) fassten ebenfalls Gefängnisstrafen wegen Mordes aus, der SA-Mann Anton Strasser wurde wegen Beihilfe zum Mord zu sechs Jahren Kerker verurteilt.[35] Der Haupttäter Paul Schmidt wurde schließlich 1955 bedingt begnadigt, nachdem sich zuvor die Bevölkerung von Moschendorf für seine Begnadigung eingesetzt hatte, das eingebrachte Gnadengesuch vom Bundespräsidenten aufgrund der Schwere des Verbrechens aber abgelehnt worden war.[31] Der HJ-Bannführer Gerulf Schilcher hatte sich einer gerichtlichen Verfolgung entzogen, indem er nach Kriegsende untertauchte.[35]
Der Abschnittsführer des VI/10 – Reinersdorf, Bruno Strebinger erschoss am 27. März einen 20-jährigen Juden, den er beim Stehlen einiger Zwiebeln erwischt hatte. Am nächsten Tag beging er im Zuge der anlaufenden Evakuierungen der Zwangsarbeiter in Richtung Westen einen zweiten Mord, dem ein alter, marschunfähiger Mann zum Opfer fiel. Einem Untergebenen, Isidor Fellner, befahl Strebinger einen weiteren ungarischen Zwangsarbeiter, der sich in einem Privathaus versteckt hatte, mit einem Hammer zu erschlagen.[31]
Am 26. August 1948 begann der zweite „Stremer Mordprozess“, der eigentlich die Taten von Bruno Strebinger, Isidor Fellner und weiterer Mittäter in Reinersdorf zum Inhalt hatte. Isidor Fellner wurde zwei Tage später zu lebenslanger Haft verurteilt, Bruno Strebinger aufgrund der Schwere seiner Taten am 14. Sepember zum Tode durch den Strang. Das Richterkollegium entschied sich aber mehrheitlich, gleichzeitig mit der Urteilsverkündigung, einen Antrag auf Begnadigung zu lebenslanger Haft zu stellen, welchem der Bundespräsident im Jänner 1949 folgte. Strebinger wurde schließlich im März 1955 amnestiert, davor war schon Isidor Fellner im Dezember 1954 bedingt begnadigt worden. Zwei zum Tatzeitpunkt 16-jährige Hitlerjungen wurden außerdem beim Prozess 1948 zu je zweieinhalb Jahren Haft verurteilt.[33]

Aus dem Urteil Vg 1 Vr 9122/47, LG für Strafsachen Graz

 

Franz Timischl: „Loipersdorf – Dietersdorf – Gillersdorf
Wie es tatsächlich beim Schanzen zuging, das beschreibt auch Pfarrer Gutmann: „Die Burschen vom 14. bis zum 17. Lebensjahr – die darüber waren ja schon in der Wehrmacht – wurden in die Gegend von Güssing gebracht …, wo sie neben Schanzarbeiten als ´Hitlerjungen´ auch weltanschaulich geschult und für die Verteidigung der Heimat militärisch gedrillt wurden. In Massenquartieren waren sie untergebracht, wo sie bei sehr nassem Wetter in ungeheizten Räumen und miserabler Verköstigung wohnen mussten. Jede, auch die kleinste Widersetzlichkeit wurde mit Schlägen seitens ihrer ´Führer´ (meistens 18-jährige für Hitler begeisterte Burschen) gestraft. Dass die Begeisterung bei solcher Behandlung nicht größer, sondern kleiner wurde, ist wohl verständlich. Drei Wochen dauerte ein ´Turnus´. Dann kamen andere Burschen an die Reihe. So ging es abwechselnd. Viele Männer von hier – bis zum 60. Lebensjahre – kamen in die Stremer Gegend in der Nähe von Güssing, mussten dort bei reichlichem Regen und auch bei Schnee Schanzgräben aufwerfen. Für diese Arbeit gab es gewiss auch Bezahlung. Aber die Burschen mussten diesen Sold ´freiwillig´ für die Winterhilfe geben, so dass sie fast nicht einmal die Mittel auftreiben konnten, [um] heimreisen zu können.“
Große Schanzarbeiten wurden auch bei Jennersdorf durchgeführt, zu denen auch Leute – Männer wie Frauen – aus dem Raabtal, sowie aus der Gleichenberger und Gnaser Gegend herangezogen wurden. Der Transport dieser Personen erfolgte morgens und abends mit dem Zug. Bei einem Tieffliegerangriff kamen 12 Personen, großteils Mädchen, ums Leben. Am 26. Februar 1945 wurde der von Jennersdorf nach Fehring fahrende Eisenbahnzug mit Hitlerjungen, die von Stellungsbau nach Hause gebracht wurden, in der Haltestelle Hohenbrugg von britischen Tieffliegern angegriffen, Dabei gab es 15 Tote und 45 Verletzte.

Franz Timischl „Morde an ungarischen Juden“ in „Fürstenfeld – Die Stadtgeschichte“, ab Seite 458
Der einzige konkrete schriftliche Beleg dafür für den Kreis Fürstenfeld ist eine Dienstanweisung vom 22. März 1945, die der Beauftragte für den Stellungsbau im Kreis Fürstenfeld, Kreisleiter Meißl, erteilte. Die Bezeichnung für die Aktion lautete in nationalsozialistischer Umschreibung Rückführung der Juden aus dem Stellungsbau im Falle eines Alarmes (d.h. Vorstoß sowjetischer Truppen an die Reichsschutzstellung). Die Dienstanweisung war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern nur für einen kleinen Kreis von Personen aus der NSDAP – Kreisleiter, Kreisorganisationsleiter, Kreisstabsführer, die Ortsgruppenleiter von Eberau, Strem, Heiligenbrunn und Heiligenkreuz und die Unterabschnittsführer. In den Unterabschnitten Eberau bis Strem war vorgesehen, die Juden einen Tag vor dem Abmarsch im Judenlager Strem zu sammeln und sie tags darauf 33 km von Strem über Güssing, Sulz, Rehgraben, Neusiedl, Deutsch Kaltenbrunn bis Bierbaum marschieren zu lassen. Die jeweiligen Lagerwachen (Strem, Poppendorf, Bierbaum) stellte der Volkssturm, weitere Befehle erteilte Herbert Denk, Mitglied der Ortsgruppe der NSDAP Fürstenfeld. Die Auflösung der Lager um Strem erfolgte um den 29. März. Ein überlebender Zwangsarbeiter schätzte die von Strem weggebrachten Juden, die in Richtung Graz in Marsch gesetzt wurden, auf 5000.

Ähnlich war es bei Schilcher. Schilcher war, so kann nach dem Studium aller verfügbaren Unterlagen geschlossen werden, persönlich an Verbrechen beteiligt und muss darüber hinaus durch seine Anordnungen als HJ-Bannführer für solche durch die Hitlerjugend und andere nationalsozialistische Gruppierungen im Zeitraum Oktober 1944 bis April 1945 verantwortlich gemacht werden. Die Erhebung des Landesgendarmeriekommandos Burgenland im Oktober listet eine Reihe solcher Taten auf:
• Schilcher bestimmte bei Besprechungen Hitlerjungen für Judenerschießungen
• Er war persönlich an Judenerschießungen in Urbersdorf-Strem im Feber 1945 sowie in Heiligenbrunn und Moschendorf im März beteiligt
• Schilcher ordnete Anfang Feber 1945 die Plünderung von ungarischen Flüchtlingen an.
• Er misshandelte von Oktober 1945 bis April 1945 mehrere Hitlerjungen, sperrte sie bis zu drei Tagen in ein improvisiertes Kellergefängnis. Ein Hitlerjunge starb im November 1944 an den Folgen einer Inhaftierung. Andere folgten dem Beispiel Schilchers und misshandelten wie diese ihre Kameraden.

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Sulz

Franz Timischl „Morde an ungarischen Juden“ in „Fürstenfeld – Die Stadtgeschichte“, ab Seite 458
Der einzige konkrete schriftliche Beleg dafür für den Kreis Fürstenfeld ist eine Dienstanweisung vom 22. März 1945, die der Beauftragte für den Stellungsbau im Kreis Fürstenfeld, Kreisleiter Meißl, erteilte. Die Bezeichnung für die Aktion lautete in nationalsozialistischer Umschreibung Rückführung der Juden aus dem Stellungsbau im Falle eines Alarmes (d.h. Vorstoß sowjetischer Truppen an die Reichsschutzstellung). Die Dienstanweisung war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, sondern nur für einen kleinen Kreis von Personen aus der NSDAP – Kreisleiter, Kreisorganisationsleiter, Kreisstabsführer, die Ortsgruppenleiter von Eberau, Strem, Heiligenbrunn und Heiligenkreuz und die Unterabschnittsführer. In den Unterabschnitten Eberau bis Strem war vorgesehen, die Juden einen Tag vor dem Abmarsch im Judenlager Strem zu sammeln und sie tags darauf 33 km von Strem über Güssing, Sulz, Rehgraben, Neusiedl, Deutsch Kaltenbrunn bis Bierbaum marschieren zu lassen. Die jeweiligen Lagerwachen (Strem, Poppendorf, Bierbaum) stellte der Volkssturm, weitere Befehle erteilte Herbert Denk, Mitglied der Ortsgruppe der NSDAP Fürstenfeld. Die Auflösung der Lager um Strem erfolgte um den 29. März. Ein überlebender Zwangsarbeiter schätzte die von Strem weggebrachten Juden, die in Richtung Graz in Marsch gesetzt wurden, auf 5000.

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T

Tieschen

Kleine Zeitung, 03.04.2017: „72 Jahr nach den Todesmärschen der Juden durch die Oststeiermark erinnern 50 Infotafeln entlang der Route daran. Sie ziehen sich über 25 oststeirische Gemeinden.“

Materialien 016

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U

Urbersdorf

Franz Timischl „Morde an ungarischen Juden“ in „Fürstenfeld – Die Stadtgeschichte“, ab Seite 458
Ähnlich war es bei Schilcher. Schilcher war, so kann nach dem Studium aller verfügbaren Unterlagen geschlossen werden, persönlich an Verbrechen beteiligt und muss darüber hinaus durch seine Anordnungen als HJ-Bannführer für solche durch die Hitlerjugend und andere nationalsozialistische Gruppierungen im Zeitraum Oktober 1944 bis April 1945 verantwortlich gemacht werden. Die Erhebung des Landesgendarmeriekommandos Burgenland im Oktober listet eine Reihe solcher Taten auf:
• Schilcher bestimmte bei Besprechungen Hitlerjungen für Judenerschießungen
• Er war persönlich an Judenerschießungen in Urbersdorf-Strem im Feber 1945 sowie in Heiligenbrunn und Moschendorf im März beteiligt
• Schilcher ordnete Anfang Feber 1945 die Plünderung von ungarischen Flüchtlingen an.
• Er misshandelte von Oktober 1945 bis April 1945 mehrere Hitlerjungen, sperrte sie bis zu drei Tagen in ein improvisiertes Kellergefängnis. Ein Hitlerjunge starb im November 1944 an den Folgen einer Inhaftierung. Andere folgten dem Beispiel Schilchers und misshandelten wie diese ihre Kameraden.

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Urscha

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V

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W

Wallendorf

Liste der südburgenländischen Lager
Wallendorf, Gasthaus;

Materialien 014

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Weiz

Eleonore Lappin (Zwangsarbeitereinsatz): Der „Schonungsbefehl“ Himmlers von Ende März 1945 wurde, wie unter anderen die Morde von Prebensdorf, Weiz und Nestelbach beweisen, weder von hochrangigen NS-Funktionären noch von Angehörigen der Waffen-SS befolgt. Obwohl diese Verbrechen zu Kriegsende häufig vor den Augen der österreichischen Bevölkerung verübt wurden, gerieten sie in Vergessenheit und konnten die Mythenbildung um die Waffen-SS als rein kämpfende Formation, aber auch um die angeblich ahnungslosen führenden Nationalsozialisten nicht verhindern.

Materialien 013

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Windisch Minihof

Liste der südburgenländischen Lager
Wallendorf, u. a. Gasthaus Hirtenfelder; Überlebende berichten von guten Unterkünften, ausreichender Verpflegung und menschlicher Behandlung.

Materialien 014

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Wolfau

Eleonore Lappin: „Die Evakuierung der vier Lager im Raum Köszeg erfolgte am 23. März 1945. Die Arbeiter dieser sowie südlicher gelegener Lager wie Bucsu wurden per Bahn nach Rechnitz bzw. Burg gebracht. Von dort marschierten sie nach Markt Neuhodis, Markt Allhau und Hartberg, wo sie auf den Transport aus Deutsch-Schützen stießen. Dieser war von Hitlerjungen auf Straßen und durch die Wälder am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet worden. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf und Wolfau nach Hartberg.“

Materialien 6

Eleonore Lappin (Die Todesmärsche): Die Hitlerjungen waren zusammen mit Angehörigen der Waffen-SS auch als Eskorten des Transports [von Rechnitz aus] eingeteilt. Während des Marsches verübten die Mitglieder der HJ und der Waffen-SS weitere Morde an Erschöpften. Der Transport wurde auf Nebenstraßen am ersten Tag über St. Kathrein, Kohfidisch, Kirchfidisch und Mischendorf nach Jabing geleitet. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Rotenturm an der Pinka, Oberdorf, Litzelsdorf, Wolfau und Hartberg. In Sebersdorf übergab die HJ den Transport Angehörigen des Volkssturms, welche diesen – vermutlich über Ilz und Gnies – weiter nach Gleisdorf führten. Die Angehörigen der Waffen-SS-Division „Wiking“ dürften den Transport bis Graz begleitet haben.

Materialien 11

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Woppendorf

Liste der südburgenländischen Lager

Woppendorf, 100 -200 Insassen, Pfarrstadel außerhalb der Ortschaft; Zwangsarbeiter wurden nur schlecht mit Lebensmittel versorgt, der Ortspfarrer namens Leitgeb half das Leid zu lindern.

Material 014

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X

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Y

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Z

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