Einleitung

Das Projekt „Borderline – Identitäten an einer Grenze“ geht der Frage kultureller Identitätenwandel im vergangenen Jahrhundert seit 1918 in den Regionen an der Lafnitzgrenze nach. Cum grano salis: Wie wurde die Grenze im 20. Jahrhundert wahrgenommen, wie wird sie heute, in der Epoche einer scheinbar entgrenzten Globalisierung betrachtet?
Ein vierköpfiges Team, bestehend aus Historikern, Sozial- und Kulturwissenschaftlern, macht sich seit August 2017 auf eine Spurensuche in den Archiven und in der Bevölkerung an der Lafnitz.

  • Ausgangspunkt
  • Forschungsfrage
  • Projektdaten
  • Ausstellungsbilder
  • Abschlussbericht
Seit 1043 bildet der Fluss Lafnitz die Außengrenze des heiligen römischen Reiches und nachfolgend des innerösterreichischen Habsburgerreiches gegen Ungarn. Mit dem Zusammenbruch der österreichischen Monarchie 1918 kam es durch die nachfolgende Zugehörigkeit der deutschsprachigen Teile Westungarns (Burgenland) zu einer wesentlichen Funktionsänderung dieser Grenze. 1938 erfolgte erneut ein signifikanter Wandel der Bedeutung dieser Grenze durch den Anschluss des Südburgenlands an den NS-Gau Steiermark. Ab 1945 stellte die Lafnitzgrenze die Demarkationslinie zwischen britischer und sowjetischer Besatzungszone dar, die durch den Beginn des Kalten Krieges 1948 neue Brisanz erlangte. Mit den Transformationsprozessen seit 1989, dem EU-Beitritt Österreichs und letztlich auch Ungarns stellen sich die Fragen um die Identität dieser historischen Grenzregion erneut.
Im Zuge dieser bis heute nachwirkenden Bedeutungs- und Funktionsverschiebung der Grenze, haben sich auf steirischer Seite immer wieder Aus- und Abgrenzungprozesse abgespielt, die in den Identitätskonzepten des Raumes bis heute prägen. Entlang der wechselhaften Zeitgeschichte dieses Raumes, werden Themen wie nationale Vorurteile, Migrationsbewegungen sowie die politisch-ideologische Dimension der Grenze erfahrbar.

Grenze wird als politisch aufgeladen verstanden, als strenge Abgrenzung zu den „anderen“ auf der drüberen Flussseite. Erst in der Phase der Europäisierung der Region erfährt der Grenzfluss eine neue Dimension als grenzübergreifender Kulturraum (z.B. touristische Nutzung; Rad- und Reitwege entlang der Lafnitz). Den Wandel der Bedeutung des Flusses von der politischen Grenzlinie, hin zu einer rein landschaftlichen Funktion ohne identitätsbildende Faktoren versucht das Projekt in dieser Vieldeutigkeit nachzuzeichnen.

Gemeinsam mit BewohnerInnen der Region soll eine Wanderausstellung erarbeitet werden, die sich aus menschenrechtsorientierter Sicht mit den angeführten Themen beschäftigt. Dabei kommen Methoden der Geschichtswissenschaft zur Anwendung (ZeitzeugInneninterviews, Geschichtswerkstätten, Archivarbeit). Diese Wanderausstellung sowie begleitendes multimediales Material (Geochaching, YouTube, Blog, digitales Archiv usw.) sollen in der Region beispielsweise in Gemeinden oder Schulen zur Anwendung und nachhaltiger Nutzung gelangen.

Lesen Sie hier mehr über unsere zu diesem Projekt organisierten Geschichtswerkstätten.

Projektdauer August 2017 bis August 2018
Projekziel Wanderausstellung ab September 2018
Projektmitarbeiter Wolfgang Brossmann, Esther Brossmann, Michael Rath, Mario Schoberlechner